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Barmstedter Zeitung

09. Dezember 2016 | 05:00 Uhr

Gross Offenseth-Aspern : Kritik an geplanter Ampel

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Gegen die geplante Ampel an der Kreuzung von Hauptstraße, Dorfstraße und Kreisstraße 18 in Groß Offenseth-Aspern regt sich Protest. Die FDP im Kreis Pinneberg kritisiert die mangelnde Beteiligung von Bürgern, Gemeinderatsmitgliedern und Betroffenen. Gerhard und Karin Schipper aus Barmstedt sprechen sich für einen Kreisel aus. Sie hatten im Januar einen Unfall an der Kreuzung schwer verletzt überlebt.

Barmstedt | Ein helles Licht, ein lauter Knall: Daran können sich Karin und Gerhard Schipper aus Barmstedt noch erinnern. Es ist der 16. Januar, als sie mit ihrem Kia auf der Hauptstraße in Groß Offenseth-Aspern in Richtung Barmstedt unterwegs sind. Die beiden haben ihre Kinder besucht und befinden sich am Abend auf dem Rückweg. Auf der Kreuzung von Hauptstraße (L112)/Dorfstraße (L113) und K18 passiert es: Wie die Polizei später mitteilte, habe die Fahrerin eines BMW, der aus Richtung A23 kam,  offenbar das Stoppschild übersehen, dem Barmstedter Ehepaar die Vorfahrt genommen und  den Kia seitlich gerammt. An einem Wall kam das Fahrzeug schließlich zum Stehen. Die Beteiligten wurden bei dem Unfall zum Teil lebensgefährlich  verletzt. Das Geschehene ist für die beiden Barmstedter  aktueller denn je – seit der Kreis Pinneberg entschieden hat,  an der Kreuzung eine Ampel zu errichten.

Gegen das Vorhaben regt sich in der Region jetzt Protest. Auch bei dem Barmstedter Ehepaar hat die Ankündigung Kopfschütteln ausgelöst. „Diese Lösung können wir nicht nachvollziehen“, sagt Karin Schipper. Ihr Mann stimmt zu: „Das ist keine Option. Wie oft passiert es, dass jemand doch noch bei Rot über die Ampel fährt?“, fragt er. Die beiden setzen sich für einen Kreisverkehr an dem Unfallschwerpunkt ein. Auch in den sozialen Netzwerken gibt es Kritik: Zwar befürworteten zahlreiche Facebook-Nutzer in den Kommentarspalten zu dem Artikel, dass es nun Pläne für die gefährliche Stelle gebe. Aber auch dort wird in erster Linie ein Kreisel gefordert. Derzeit steht an der Kreuzung bereits eine Ampel (Foto). Sie hat aber nichts mit den vielen Unfällen zu tun, sondern wurde im Zuge der Bauarbeiten auf der L75 zwischen Elmshorn und Barmstedt dort aufgestellt.

Die FDP im Kreis Pinneberg, die das Thema vor Kurzem in den Verkehrsausschuss des Kreises gebracht hatte (shz.de), lobt den Kreis dafür, etwas gegen die Unfallgefahr zu unternehmen. „Es ist der Verwaltung hoch anzurechnen, dass sie hier aktiv geworden ist und aktiv etwas macht“, schreibt der  verkehrspolitische Sprecher Jens Petersen in einer Pressemitteilung. Aber: Als Kommunalpolitiker und designierter FDP-Kandidat für die Landtagswahl habe er sich  einen Meinungsaustausch über  Nutzen,  Einschränkungen sowie  Kosten und  Folgekosten mit den betroffenen Bürgern, Gemeindevertretern und weiteren Betroffenen gewünscht. „So wie es bis jetzt aussieht, ist eine Ampelanlage zwar die günstigste Variante. Ist es aber auch die Nachhaltigste und von den Bürgern akzeptierte Lösung?“, heißt es in der Mitteilung. Auch verwundere es ihn, warum er bei seinen Fragen zu einem Kreisel oder einer Ampel an der Steenfatt-Kreuzung keinen Hinweis bekommen habe, dass eine Ampelanlage errichtet werden soll.

Bei der Kreuzung handle es sich um einen Unfallschwerpunkt, betont Oliver Carstens, Pressesprecher des Kreises Pinneberg. Eine Ampel sei in der aktuellen Situation die bessere Lösung: „Die Kosten für die Planung und Realisierung eines Kreisverkehrs übersteigen die Kosten für die Planung und Realisierung einer Lichtsignalanlage um ein Vielfaches. Erschwerend kommt hinzu, dass die Dimension des Kreisverkehrs in der aktuellen Situation nicht berechnet werden kann. Grundlage dafür wären Auswertungen, welche sich unter anderem mit dem Schwerlastanteil der beteiligten Straßen der Kreuzung auseinandersetzen würden. Aufgrund dieser Auswertungen kann erst die Größe des Kreisverkehrs bestimmt werden.“

 Allerdings könnten die Auswertungen im Moment nicht vorgenommen werden, so Carstens. Grund dafür seien  diverse Baumaßnahmen in der Umgebung – wie auf der Kreisstraße 2 und der Landesstraße 75. Dadurch habe sich das Verkehrsaufkommen auf den Landesstraßen 112, 113 und der Kreisstraße  18 erhöht. „Zum aktuellen Zeitpunkt sind daher keine realistischen Werte bezüglich der Verkehrsbeziehungen möglich.“ Planung und Bau eines Kreisel würden zudem – abhängig von der Planungszeit und  auch von verfügbaren finanziellen Mitteln – deutlich länger dauern als die Errichtung einer Ampel. „Diese könnte in bedeutend kürzerer Zeit errichtet werden.“ 

Eine Abstimmung dazu sei zwischen dem zuständigen Straßenbaulastträger, der Verkehrsbehörde des Kreises, der Polizei und der betroffenen Gemeinde erfolgt. „Eine Bürgerbeteiligung ist nicht vorgesehen und wäre im Übrigen auch bei der Vielzahl der verkehrsrechtlichen Anordnungen kaum leistbar“, so Carstens zur FDP-Kritik.  Im konkreten Fall handle es sich um einen  Unfallschwerpunkt. Der Kreis habe daher unter Beteiligung der weiteren Institutionen zügig reagiert.

Das Barmstedter Ehepaar ist von der Lösung nicht überzeugt. „Viele Ampeln werden abends ausgeschaltet. Dann sieht man nur noch gelbe, blinkende Lichter“, so Gerhard Schipper. „Ich denke nicht, dass eine Ampel den Unfall verhindert hätte“, sagt seine Frau. Um genügend Platz zu haben, müsse wohl Land gekauft werden, sind die beiden sicher. „Aber jeder Anwohner wird Verständnis dafür haben.“ Hinsichtlich von Schwertransporten verweisen die beiden auf einen Kreisel bei Heiligenstedten nahe Itzehoe. Dort habe man in der Mitte eine Durchfahrt gelassen, die mit Warnbaken versperrt sei.  Die Schwertransporte könnten diese Abkürzung nutzen. Ein weiterer Negativ-Punkt der Ampel aus ihrer Sicht: „Die laufenden Kosten sind zu hoch.“ Kreis und  Land sollten das Ganze „vernünftig machen“, so ihre Bitte.

Das Verfahren zum Unfall laufe noch, so die beiden weiter. Mit den Folgen des Crashes kämpfen sie noch heute. „Mir geht es schlecht. Und meiner Frau geht es noch schlechter. Die psychische Belastung ist hoch“, so Gerhard Schipper. Eine Sache ist den beiden besonders wichtig: „Unser großer Dank geht an die Helfer der Freiwilligen Feuerwehren von Groß Offenseth-Aspern und Barmstedt, den Rettungsdienst sowie die Polizei Barmstedt“, sagt Karin Schipper.

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erstellt am 19.Aug.2016 | 14:00 Uhr

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