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Barmstedter Zeitung

10. Dezember 2016 | 13:50 Uhr

Waldkindergarten in Heede : „Jeder neue Tag ist ein Abenteuer“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Seit Mitte Oktober bietet der Kindergarten Hemdingen eine Waldgruppe in Heede an. Das Konzept kommt bei den Eltern gut an.

Heede | Ihre Spielwiese ist der Wald: Seit wenigen Wochen bietet der gemeinnützige Kindergarten Hemdingen eine Waldgruppe in Heede an. Während der Woche trifft Naturspielpädagogin Kerstin Soltau morgens am alten Sportplatz in den Heeder Tannen ein. Sie kramt einige Sachen aus dem Kofferraum und geht dann durch das feuchte Gras zum Bauwagen. Er dient der Waldgruppe, der bislang vier Kinder angehören, als Quartier. Soltau schließt auf und weist dann auf das Licht an der Decke. „Wir haben einen der wenigen Bauwagen mit elektrischem Strom bekommen“, sagt sie. „Und wenn es einmal zu kalt ist, können wir auch den Heizlüfter anstellen.“

Der Waldkindergarten ist eine besondere Form des Kindergartens, die aus Skandinavien stammt. Die Kinder sind in der Regel in der Natur unterwegs, zusätzlich haben sie einen Unterschlupf – in diesem Fall einen Bauwagen. Ausgestattet ist er mit Bänken und Regalen, in denen sich unter anderem eine Mikrowelle sowie Bastelmaterialien und -werkzeug befinden. Nach und nach treffen morgens auch die Eltern mit ihren Kindern ein. Sie werfen einen kurzen Blick in den Bauwagen, begrüßen Kerstin Soltau und gehen dann wieder hinaus. Etwas später, nachdem die Gruppe vollzählig versammelt ist, findet der so genannte Morgenkreis statt. Soltau und ihre Kollegin Anja Klinger begrüßen die „Waldwiesel“, singen mit ihnen ein Lied und beratschlagen dann, was sie unternehmen könnten. Sie einigen sich schließlich darauf, einen Weg abzugehen, den sie jüngst bei einer Exkursion durch den Wald entdeckt haben. Dann starten sie auch schon. Alle schnallen sich einen Rucksack um, in denen sich unter anderem eine Isomatte und das Frühstück befinden, und zotteln los: Ein neues Abenteuer beginnt.

Kinder entdecken viel Interessantes

Unterwegs entdecken die Kinder vieles, das sogleich ihr Interesse weckt: Käfer, die über den Weg krabbeln, große, braune Kastanien, die verstreut auf dem bunten Blätterteppich liegen, und Pilze, die aber nicht angefasst werden dürfen. Es versteht sich von selbst, dass sie über jeden Baumstamm balancieren, der links und rechts des Weges auf dem Erdboden liegt. Und wo sich große Pfützen gebildet haben, „matschen“ sie nach Herzenslust. So manche Entdeckung auf dem Waldspaziergang findet Eingang in verschiedene Spiele. So „kochen“ sie beispielsweise aus Baumrinde und Gras eine „leckere Suppe“. Grundsätzlich gilt aber, dass nichts von dem, was der Wald an Essbarem bereit hält, den Weg in den Magen der Kinder findet – nicht zuletzt wegen möglicher Krankheiten. „Wir nehmen unser Frühstück mit und essen es im Wald. Dabei dienen uns die Isomatten als Unterlage“, erläutert Soltau. Vorgefertigtes „perfektes“ Spielzeug brauchen die „Waldwiesel“ nicht. Ihnen steht eine Fülle von Naturmaterialien zur Verfügung, aus denen sie alles Mögliche selbst herstellen können.

In jeder Jahreszeit zeigt sich die Natur von einer anderen Seite und bietet neue Anreize für die Kinder. Mögen es jetzt, im Herbst, die Eicheln und Kastanien sein, denen ihr Interesse gilt, so sind es im bevorstehenden Winter vielleicht Tierspuren: Sie werden gedeutet und ein Stückchen weit verfolgt. Im Frühjahr erleben die Kinder das Erwachen der Natur, im Sommer die vielgestaltige Tier- und Pflanzenwelt.

Eltern loben das Konzept

Bei den Eltern stößt das Konzept auf viel Gegenliebe: Eher zufällig hat Justyna Zajaczkowska von der neuen Waldgruppe gehört und ihre Tochter Victoria (3,5 Jahre) dort angemeldet. Sorge, dass ihr Kind vielleicht die kühle Witterung und den häufigen Aufenthalt im Freien nicht verträgt und krank werden könnte, habe sie nicht. „Sie liebt es, im Wald zu sein“, so die Mutter. „Jeder neue Tag ist für sie ein Abenteuer.“

Das gilt ebenso für die dreijährige Ida. „Auch bei uns war es der Zufall, der uns zu der Waldgruppe geführt hat“, berichtet ihr Vater. „Wir finden die Idee gut, immer draußen zu spielen.“ Kinder, die einer Waldgruppe angehören, erlebten die Natur hautnah und begriffen sie unmittelbar und ganzheitlich. Durch das Laufen auf der Wiese und auf dem Waldboden, durch springen und klettern wird die Grob -und Feinmotorik geübt, ebenso werden die Muskeln im Spiel trainiert und die Kondition gesteigert. Das sind gute Gründe, den Nachwuchs für die neue Gruppe anzumelden, bei der es noch freie Plätze gibt. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 8 bis 13 Uhr. Die Kontaktaufnahme mit Kita-Leiterin Vera Lüdemann ist unter (0 41 23) 46 66 möglich.

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