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Barmstedter Zeitung

09. Dezember 2016 | 04:52 Uhr

„Jetzt starten sie nochmal durch“ : Immer mehr Mücken? Der Nabu widerspricht

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Bürger aus Barmstedt und Umgebung beobachten ein vermehrtes Aufkommen der Plagegeister. Der Nabu widerspricht.

Barmstedt | Auf Westerland litten Touristen und Gastronomen, am Chiemsee sollen ganze Hauswände schwarz gewesen sein: In Teilen Deutschlands haben Mücken in diesem Jahr Hochsaison. Auch in Barmstedt und Umgebung sind die Plagegeister ein Problem. „Seit ein paar Tagen kommen sie jedes Mal, wenn ich abends ein Fenster oder die Tür aufmache, scharenweise rein – das hatte ich noch nie“, sagte ein Barmstedter, der seit drei Jahren hier wohnt. „Die Fledermäuse fliegen sehr tief“, hat eine andere Barmstedterin beobachtet. Sie selbst sei zwar nicht betroffen, aber die „Tiefflüge“ könnten darauf hindeuten, „dass es viele Mücken gibt“. Zudem seien ihre Enkelkinder, die am Wochenende im Garten gespielt hatten, „total zerstochen gewesen“. Auch in Elmshorn und Tornesch sollen zurzeit extrem viele Mücken unterwegs sein.

Die Gäste der Gaststätte „Zum Bootssteg“, die direkt am Rantzauer See liegt, sind dagegen laut Betreiberin Sigrun Penns von den Störenfrieden verschont geblieben. „Wir hatten damit Gott sei Dank keine Probleme“, sagte sie. Im Sommer hätten die Besucher abends meist drinnen gesessen, weil es zu kühl gewesen sei. „Und da kommen die Mücken nicht rein.“ Auch Wespen habe es in diesem Jahr kaum gegeben. „Für die war wohl der Sommer zu kalt“, vermutet Penns.

Mücken sind über alle Klimazonen verbreitet; sie überleben sogar in der Wüste und im Schnee. Stechen tun nur die Weibchen: Sie benötigen das Blut, um Eier bilden zu können. Angezogen werden sie von ausgeatmetem Kohlendioxid,  Körpergerüchen und der Körpertemperatur. Um sie fernzuhalten, können ätherische Öle, Räucherstäbchen, bestimmte Kräuter – etwa Schnittlauch und Basilikum – und stichfeste Kleidung helfen. Die Wohnung kann man durch Fliegengitter schützen.

Der Nabu kann kein erhöhtes Mücken-Aufkommen vorstellen, wie Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichoswki erklärte. „Ein erhöhtes Aufkommen können wir generell nicht bestätigen“, sagte Ludwichoswki. Die Population könne aber „regional unterschiedlich sein“. Vor allem bei Wärme und Feuchtigkeit vermehrten sich Mücken in stehenden, fischfreien Gewässern gut. „Das kann schon eine Regentonne oder eine Pfütze sein“, so Ludwichoswki – der darauf hinweist, dass Mücken auch „eine wichtige Funktion erfüllen: Sie dienen zum Beispiel Fledermäusen, Spinnen und Schwalben als Nahrung“. Barmstedts Nabu-Vorsitzender Hans-Peter Lohmann kann ebenfalls keine Mückenplage feststellen. In diesem Jahr seien allgemein weniger Insekten unterwegs als sonst. „Für mehrere Arten war es ein schlechter Sommer. Wir haben zum Beispiel sehr wenig Wespen.“

Den Aussagen der Nabu-Experten zum Trotz, sind in den Barmstedter Apotheken Mittel gegen Mückenstiche und zur Abwehr der Insekten zurzeit gefragt. „Gerade heute war die Nachfrage wieder verstärkt“, sagte eine Mitarbeiterin der Privilegierten Apotheke gestern. In der Rantzau-Apotheke werden verstärkt „Mittel zur Nachbehandlung“ verlangt, wie eine Mitarbeiterin berichtete. „Abwehrsprays eher weniger.“ Sie vermutet, dass das vermehrte Mückenaufkommen mit der plötzlichen Wärme zu tun hat. „Bisher war der Sommer ja eher kühl. Jetzt starten sie nochmal richtig durch.“

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erstellt am 13.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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