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Barmstedter Zeitung

08. Dezember 2016 | 23:14 Uhr

Bevern : Geflügelhalter in großer Sorge

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Immer gegen Ende des Jahres ist die große Wiese vor dem Hof Hachmann in Bevern das Revier einer Herde Gänse. In diesem Jahr ist alles anders.

Bevern | Es ist für Autofahrer ein gewohntes Bild: Immer gegen Ende des Jahres ist die große Wiese vor dem Hof Hachmann in Bevern das Revier einer Herde Gänse. Auch der NDR hat schon mit Kamerateams und Moderatoren inmitten der Gänseschar auf der Wiese gestanden, um über den Martinstag zu berichten. In diesem Jahr ist aber alles anders: Die Wiese vor dem Hof ist leergefegt. Die Tiere sind in dem Tunnel untergebracht, in dem sie normalerweise nur die Nächte verbringen. Doch Normalität ist bei den Geflügelhaltern im Kreis Pinneberg wie bei Familie Hachmann derzeit ein Fremdwort. Seitdem in Schleswig-Holstein die Geflügelpest bei Wildvögeln nachgewiesen worden ist, gelten eine Aufstallungspflicht sowie strengste Hygienevorschriften. Niemand hat Zutritt zu den Tieren. Das Ziel: der Schutz des Geflügels vor den Influenzaviren des Typs H5N8.

Im Kreis Pinneberg habe es noch keinen Fall von Geflügelpest gegeben, berichtete Kreissprecher Oliver Carstens auf Anfrage. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Die Kreise Schleswig-Flensburg, Plön, Rendsburg Eckernförde, Segeberg, Herzogtum Lauenburg, Dithmarschen sowie die Städte Lübeck und Hamburg sind bereits betroffen. In fast allen Fällen war bei verendeten Wildvögeln der Erreger gefunden worden. In zwei Fällen waren laut Land Geflügelhaltungen betroffen. Bei Johann Hachmann und seiner Familie ist die Sorge groß: „Es ist sehr beunruhigend“, sagt er. „Wir versuchen mit allen möglichen Mitteln zu verhindern, dass die Grippe in unseren Bestand kommt.“

 

Dafür hat die Familie neben den normalen Hygienemaßnahmen zahlreiche weitere Vorkehrungen getroffen: Die Gänse wurden aufgestallt, die Ställe der Hähnchen werden immer wieder intensiv gesäubert und desinfiziert, das Futter abgedeckt und das Streu nicht offen liegen gelassen. „Für die Gänse ist das eine große Stresssituation“, so Hachmann – weil weniger Platz zur Verfügung steht. Die Hähnchen seien aber ohnehin in großen Ställen in den Gebäuden untergebracht.

Die Mitarbeiter tragen Schutzanzüge und eigene Stiefel, Hände werden vor Betreten des Stalls gewaschen und desinfiziert. Das ganze Prozedere sei wichtig für den Schutz der Tiere, ist aber im Gegenzug auch sehr zeitaufwändig.

Noch sei der Handel mit Geflügel im Kreis möglich, so Hachmann. Man habe sich daher auf die veränderte Situation eingestellt: Von den 350 Gänsen seien etwa bereits die Hälfte geschlachtet worden. Man empfehle Kunden, sich die Bestellungen zum Weihnachtsfest bereits jetzt abzuholen und dann einzufrieren. „Diese Tiere haben keine Grippe.“ Denselben Tipp hat Peer Jensen-Nissen vom Kreisbauernverband Pinneberg für die Verbraucher. „Viele nutzen das“, sagt Hachmann. Kunden seien auf diese Art auf der sicheren Seite, so Jensen-Nissen.

Peer Jensen-Nissen.
Peer Jensen-Nissen.
 

Von der Aufstallungspflicht sei kein Landwirt begeistert, der Freilandhaltung betreibe, sagt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. „Aber man muss sagen: Es dient dem Schutz der Tiere.“ Man appelliere daran, dass die Vorschriften eingehalten werden. Probleme mit der Pflicht habe es daher im Kreis Pinneberg auch keine gegeben. „Ich will hoffen, dass wir vom Virus verschont bleiben“, so Jensen-Nissen. „Aber ausschließen kann es leider keiner.“ Im Kreis Pinneberg gibt es laut Kreisbauernverband wenige große und mehrere kleinere Geflügelbestände. Ein Fall im Kreis Pinneberg würde die jetzige Situation aber deutlich verschärfen.

Johann Hachmann.
Johann Hachmann.

Die Frage, ob man nun noch Geflügel essen könne, tauche bei den Verbrauchern regelmäßig auf, berichtet Hachmann. Angst müsse man aber keine haben. Das Virus ist hitzeempfindlich und hält Temperaturen von mindestens 70 Grad nicht stand. Durchgegartes Fleisch kann also bedenkenlos genossen werden. „Und gerade eine Gans wird lange gebraten.“

Aufgrund der Nähe zum Verbraucher habe der Betrieb der Familie bislang keine Umsatzeinbußen zu verzeichnen, berichtet Hachmann weiter. „Wir sind gut davor, aber uns ist Bange.“ Denn sollten tatsächlich im Kreis Pinneberg an Geflügelpest erkrankte Wildvögel gefunden werden, würde um die Fundstelle herum umgehend ein Sperrbezirk eingerichtet werden. Dieser hat mindestens einen Radius von drei Kilometern, ein Beobachtungsgebiet einen von weiteren sieben Kilometern. In diesen Gebieten gelten Beschränkungen für Geflügelhaltungen: Unter anderem darf das Geflügel vorübergehend nicht verbracht werden. Noch schlimmer trifft es die Geflügelhalter, wenn – wie vor Kurzem in Dithmarschen – der Erreger im Bestand auftritt. „Die betroffenen Bestände werden schnellstmöglich getötet und unschädlich beseitigt“, heißt es seitens des Landes. „Das wäre ein totaler Verlust“, sagt Hachmann.

Der Tierseuchenfonds gleiche den Schaden nur teilweise wieder aus. Glücklicherweise sei die Milchkrise gerade überstanden, so der Landwirt. Denn neben dem Geflügel habe der Hof mit Milch und Getreide weitere Standbeine. Zudem steht ab Januar bei den Hachmanns eine Pause in der Zucht an. „Wir haben derzeit nur zwei von vier Ställen mit Hähnchen voll“, so Hachmann. „Wir lassen das jetzt leerlaufen, damit die Ställe mal frei sind.“

Fragen zur Geflügelpest beantworten Mitarbeiter des Kreises Pinneberg am Bürgertelefons montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 14 Uhr unter der Rufnummer 04121-45025000. Auch das Land hat ein Bürgertelefon eingerichtet; es  ist werktags von 9 bis 17 Uhr besetzt und unter der Nummer 0431-1606666 erreichbar. Wer totes Wassergeflügel tote Greifvögeln sowie aasfressenden Wildvögel findet, wird gebeten, umgehend das örtliche Ordnungsamt zu informieren.
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erstellt am 24.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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