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Barmstedter Zeitung

27. Februar 2017 | 08:00 Uhr

Erntedank : Fröhliche Feier mit kritischen Tönen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Landfrauenverein Barmstedt-Rantzau feiert in Heede. Vortrag über Landwirtschaft. Kollekte für Kirchenbank.

Barmstedt/Heede | Weil die Barmstedter Heiligen-Geist-Kirche saniert wird, hat der Landfrauenverein Barmstedt-Rantzau das Erntedankfest in diesem Jahr in der Gaststätte „Heeder Damm“ in Heede gefeiert. Vor mehr als 100 Besuchern trugen Ilse-Dore Clasen und Helga Kuczorra die von ihnen gebundene Erntekrone zur Stirnseite des Saals. Pastorin Antje Stümke hielt den Got-tesdienst und erbat nach der Predigt die Kollekte für die Restaurierung einer der Kirchenbänke, auf der dann die Plakette „Landfrauen“ zu sehen sein werde. 366 Euro kamen zusammen. „Das ist ein tolles Ergebnis und reicht für eine halbe Kirchenbank“, sagte Stümke. „Wir Landfrauen wollen nicht auf einer halben Bank sitzen, deshalb erhöhen wir den Betrag auf die Sanierungskosten“, sagte Vorstandsmitglied Susanne Hachmann.

Anschließend informierte Diplom-Landwirt Sönke Hauschild vom Landesbauernverband in Wort und Bild über Schwierigkeiten und Nöte der Landwirte sowie die verschiedenen Blickwinkel der Verbraucher. „Nichts ist so wenig selbstverständlich wie das tägliche Brot“, knüpfte er an den Predigttext an. Er ging auf die beunruhigten Bürger ein, die Chemikalien und Gentechnik in Lebens-mitteln fürchteten. „Die ech-ten Gefahren sind Mikroor-ganismen und toxische Pilze“, sagte er. Es sei erwiesen, dass Kinder, die in Nähe von landwirtschaftlichen Betrieben mit Viehhaltung aufwüchsen, viel seltener an Allergien litten als andere.

Warum schlagen Lebensmittelskandale so hohe Wellen in den Medien, warum werde die Senkung der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln gar nicht erwähnt? fragte er, der an den gesunden Menschenverstand eines jeden appellierte. Immerhin stünden Landwirte laut Umfragen auf der Skala der Vertrauenswürdigkeit nach Feuerwehrleuten, Piloten und Krankenschwestern an siebter, Politiker hingegen an 18. Stelle. „Die Landwirtschaft erzeugt Mittel zum Leben. Wird die Vertrauenswürdigkeit erschüttert, nimmt der Verbraucher das persönlich“, sagte Hauschild. „Landwirte bemühen sich, offen, echt und ehrlich zu sein und setzen sich mit kritischen Themen wie Schwänze kopieren, Glyphosat und Gentechnik kritisch auseinander“, sagte er. Es habe sich eine Menge verändert. Heute hätten Schweine im Transporter mehr Platz als ein Mensch im Flugzeug. Untersuchungen zeigten, dass Antibiotika im Fleisch kaum noch vorhanden seien. Kühe schaden dem Klima? „Weiden sind die größten Kohlenstoffspeicher die wir haben“, so Hauschild. Pro Person verbrauche der Mensch etliche Tonnen CO2 im Jahr, der Fleischverzicht bringe weniger Einsparung als ein Flug von Berlin nach Mallorca. Der Bauer müsse sich fragen, wo der Verbraucher seines Vertrauens sei. „20 Prozent der Kunden würden für Milch mehr zahlen, aber wo sind die?“, fragte Hauschild. „Tante-Emma-Läden sind aufgrund politischer Bürokratiehürden und Verbraucherverhalten ver-schwunden. Wird es den bäuerlichen Familienbetrieben genauso ergehen?“ schloss Hauschild.

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erstellt am 11.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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