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Barmstedter Zeitung

25. September 2016 | 05:40 Uhr

Kein Fracking in der Region : Erlaubnisfelder in Elmshorn und Barmstedt im Visier

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Förderfirma aus Kanada schließt den Einsatz der umstrittenen Technik aus.

Barmstedt | Im Norden des Kreises Pinneberg regt sich der Widerstand gegen Fracking. Vergangenen Dienstag ist in Brande-Hörnerkirchen die Bürgerinitiative „Frackingfreies Auenland“ gegründet worden. Kurz zuvor hatte die Freie Wählergemeinschaft Barmstedt (FWB) dem Umweltministerium in Kiel etwa 1500 Unterschriften gegen Fracking überreicht. Jetzt hat sich das Unternehmen PRD Energy, das die Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen in den Feldern Elmshorn und Bramstedt hat, zu Wort gemeldet. Im Interview mit der Barmstedter Zeitung sprach Wigbert Freund, Geophysiker und Projektleiter einer deutschen Tochter von PRD Energy, über die Pläne der kanadischen Firma in den beiden Erlaubnisfeldern.

Kernpunkt: Innerhalb der Felder Bramstedt – in dessen Bereich auch Barmstedt und Teile des nördlichen Kreisgebiets liegen – und Elmshorn ist kein Fracking geplant. „Wenn wir letztendlich bohren sollten, dann mittels Horizontalbohrtechnik“, sagte Freund. „Wir wollen uns erstmal auf die ehemaligen Erdölfelder, die vorhanden sind, konzentrieren.“ Derzeit befinde man sich aber noch am Beginn der Aufsuchungsphase. „Ob wir irgendwann die Förderung aufnehmen, steht derzeit noch in den Sternen“, so Freund weiter.

Für die Felder Bramstedt und Elmshorn besitzt PRD Energy laut Freund seit vergangenem Jahr eine Aufsuchungserlaubnis. „Sie berechtigt den Inhaber zur Durchführung von genehmigungspflichtigen Aufsuchungstätigkeiten.“ Auf einem abgesteckten Gebiet – das im Fall des Erlaubnisfelds Bramstedt von Barmstedt in nordöstlicher Richtung bis Neumünster reicht – hat PRD Energy exklusiv das Recht, Kohlenwasserstoffe aufzusuchen. „Die Aufsuchungstätigkeit selbst muss aber immer extra in einem Betriebsplanverfahren genehmigt werden“, sagte Freund. Die Laufzeit für die Lizenzen betrage immer fünf Jahre – laut Freund ein knapper Zeitraum.

Im ersten Schritt untersuche PRD Energy das Gebiet anhand der Altdaten, die existieren. Im Bereich des Erlaubnisfelds Bramstedt gab es laut Freund zwei Erdölfelder – die Lagerstätte Bramstedt entlang der Oelfeldstraße im Norden des Kreises Pinneberg sowie das Erdölfeld Boostedt. „Man analysiert die Altdaten und schaut, ob es in diesen Feldern noch Potenzial gibt“, so Freund. Derzeit befinde man sich in diesem Prozess, der mit ein bis zwei Jahren jedoch viel Zeit in Anspruch nehme. Beim Erlaubnisfeld Elmshorn, das weitere große Teile des Pinneberger Kreisgebiets umfasst, sei der Stand derselbe. „Wir sind noch am Anfang in der Analyse-Phase“, sagte der Projektleiter.

Habe man ein interessantes Gebiet auf Basis der Altdaten entdeckt, wäre eine seismische Messung laut Freund der nächste Schritt – der aber genehmigt werden müsse. Auch Landkreise und Gemeinde würden dabei einbezogen werden. „Das sind die Schritte, bei denen man dann konkret auf die Bevölkerung zugeht. Die Erlaubnisse sind in einem sehr frühen Stadium.“ Der große Widerstand bereits in der Anfangsphase sei etwas überraschend gewesen: „Wir hätten noch gar nicht damit gerechnet, dass wir schon auf die Menschen zugehen müssen.“

Seismische Messungen stünden bislang in keinem der beiden Erlaubnisfelder auf dem Plan. „Da sind wir noch lange nicht. Wenn die erste Analyse der Daten ergibt, dass es kein Potenzial gibt, kann es auch sein, dass wir die Erlaubnis zurückgeben.“ Auch nach einer Seismik sei das noch möglich.

Würde man tatsächlich auf Öl stoßen, nutze das Unternehmen Horizontalbohrungen, um an den Rohstoff zu gelangen, berichtete Freund. „Das ist eine wirtschaftliche, saubere und umweltfreundlichere Methode“, sagte der Projektleiter. Statt vertikal werde dabei horizontal in die Lagerstätten hineingebohrt. Der Vorteil: „Man hat einen viel größeren Bereich der Lagerstätte an das Bohrloch angebunden, und an der Oberfläche gibt es lediglich einen Bohrplatz“, so der Projektleiter. „Das ist eine saubere Technik, und es funktioniert gut. Wir sind als Firma darauf bedacht, keinen Schaden zu hinterlassen.“

Auch zu Kritikpunkten der Bürgerinitiativen wie der Zunahme des Schwerlastverkehrs bezog Freund Stellung: „Umweltschutz und Sicherheit haben für PRD Energy großen Wert. Da wo PRD aktiv war, ist auch nie was passiert.“ Verkehr würde beim Auf- und Abbau entstehen, das sei aber nur temporär. „Es wird nicht so sein, dass dort hundert Lkw am Tag fahren. Das sind ein oder zwei Handvoll, aber mehr nicht. Das wird auf das Nötigste reduziert.“

Laut Wigbert Freund leistet Schleswig-Holstein den größten Beitrag zur deutschen Erdölförderung. „Was Niedersachsen beim Erdgas ist, ist Schleswig-Holstein beim Erdöl“, so der Projektleiter von PRD Energy. Davon würden auch zahlreiche alte Ölfelder zeugen. „In den 1990er-Jahren hat sich dort die Förderung nicht mehr rentiert. Heute sind die Bohr- und Fördertechniken aber viel weiter entwickelt, sodass es sich lohnt, diese Felder wieder aufzumachen.“

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 15.Aug.2014 | 10:00 Uhr

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