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Gegenwind für PRD Energy : Eklat bei Debatte über Fracking

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Sprecherin von Unternehmen PRD Energy bricht Vortrag wegen TV-Teams ab. BI „Frackingfreies Auenland“: Skepsis und Zweifel haben sich verstärkt.

Elmshorn/Lutzhorn | Der erste öffentliche Auftritt der Explorations- und Produktionsgesellschaft PRD Energy im Kreis Pinneberg ist für das Unternehmen alles andere als gut verlaufen. Als ein NDR-Kamerateam ihren Vortrag filmen wollte, brach Gabriele Junker, Sprecherin von PRD Energy, ihre Rede während einer Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Kein Fracking im Norden“ am Mittwochabend in Elmshorn ab. Ihre Entscheidung, keine Kamera-Aufnahmen zuzulassen, begründete sie damit, sich als Person schützen zu wollen. Das Publikum quittierte das mit Buhrufen. Das Unternehmen plant nach eigenen Angaben, mittels konventioneller Methoden Erdöl zu produzieren. Dabei würden vor allem stillgelegte alte Ölfelder wie das zwischen Brande-Hörnerkirchen, Bokel und Lutzhorn in den Fokus geraten.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Bernd Voß, der zu der Veranstaltung eingeladen hatte, versuchte nach dem Abbruch die Wogen zu glätten. Junker verzichtete vorerst trotzdem auf ihren Vortrag. Der NDR sendete anschließend während des Schleswig-Holstein-Magazins aus der Gaststätte „Sibirien“. Reporterin Mirja Fiedler bezeichnete die Geschehnisse dabei als „Eklat“. Am Ende der Veranstaltung trat Junker doch noch an das Rednerpult und damit vor die Kameras. Überzeugen konnte sie das Publikum aber nicht. 

Damit bekamen die Vertreter von PRD Energy zu spüren, welche Stimmung in der Region herrscht, wenn es um die Themen Rohstoffsuche und Ölförderung geht. Skepsis und Zweifel hätten sich nach dem Abend eher noch verstärkt, berichtete Marion Ecke, Sprecherin der Bürgerinitiative „Fracking-freies Auenland“ einen Tag nach der Veranstaltung. Auch der Lutzhorner Landwirt Achim Bock hatte die etwa drei Stunden dauernde Veranstaltung mit viel Interesse verfolgt. „Das Unternehmen hat sich hier nicht sonderlich gut verkauft“, meinte er. Zudem habe er niemandem im Saal gesehen, der für Fracking oder Bohrungen sei. „Alle sind dagegen“, resümierte der Lutzhorner.

Bernd Voß, Grünen-Landtagsabgeordneter aus dem Kreis Steinburg, hatte zu der Veranstaltung „Kein Fracking im Norden“ eingeladen. Auf dem Podium saßen außer ihm Gabriele Junker (PRD Energy), Tobias Goldschmidt, Leiter der Stabstelle Energiepolitik im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (Melur), Olaf Nalenz (Melur) sowie die freie Journalistin Carin Schomann und Jennifer Jasberg, Leiterin des Europa-Büros von Jan-Philipp Albrecht (Grüne). Erstmals traten Vertreter von PRD Energy während einer öffentlichen Veranstaltung im Kreis Pinneberg auf – und trafen dort auf Fracking-Gegner. „Es ist ein Thema, das die Leute bewegt, und bei dem ein hoher Info-Bedarf besteht“, fasste Voß die Lage anfangs zusammen. Zudem sei es wichtig, dass es über die Parteien hinaus starke Bürgerinitiativen (BI) und Gemeinde gebe, die sich positionierten.

PRD-Sprecherin redet nicht vor Kameras

Zu Beginn der Veranstaltung verzichtete Junker aufgrund eines NDR-Kamera-Teams auf ihren Vortrag, stellte sich zum Ende des Abends aber doch ans Rednerpult. Viel zu erzählen gebe es aber noch nicht, teilte sie mit. „Wir als Unternehmen sind darauf ausgerichtet, Erdöllagerstätten wieder zu erschließen.“ Der Fokus liege dabei auf den bekannten Ölfeldern wie dem zwischen Brande-Hörnerkirchen und Lutzhorn. Die Dauer der Erlaubnis, die das Unternehmen habe, um in den Feldern Bramstedt und Elmshorn nach Öl zu suchen, betrage fünf Jahre. Derzeit werte man Altdaten über die Felder aus. Zudem sei das Unternehmen damit beschäftigt, die Daten von Unternehmen zu erwerben, die vor Jahrzehnten in der Region Öl gefördert hatten. „Ob wir irgendwann eine Bohrung abteufen, ist noch unklar“, so Junker. Auch, ob sich eine Förderung lohne, stehe derzeit noch in den Sternen. Junker: „Wir wollen kein Geld in ein Fass ohne Boden schmeißen.“ Würde man die Felder erschließen wollen, dann mittels Horizontalbohrtechnik – einem konventionellen Verfahren. „Wir planen nicht, Fracking anzuwenden“, so Junker.

Vor und nach ihrem Vortrag prasselten die Fragen des Publikums auf die beiden PRD-Vertreter nur so ein. Nachfragen gab es etwa zur Wirtschaftlichkeit, möglichen Umweltschäden, der Haftung des Unternehmens und zu Gewinnbeteiligungen. Siegfried Sensch, Politiker aus Nützen, forderte Junker dazu auf, über das kanadische Mutterunternehmen der PRD Energy GmbH, die PRD Energy Inc., aufzuklären. Junker verwies lediglich auf die jährlich öffentlich gemachten Jahresberichte. In Calgary würden zwölf Mitarbeiter arbeiten, bei der deutschen Tochterfirma zehn. „Wir sind eine Art Planungsbüro für Bohrungen“, ergänzte PRD-Geologe Adrian Riemer. Das erkläre, warum nur wenig Leute in Berlin arbeiten würde. Außerdem habe das Unternehmen keinen großen Verwaltungsüberbau, der viel Geld koste. Daher würden sich für die Firma auch kleinere Ölfelder lohnen, sagte er im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit.

Quarnstedts Bürgermeister Kurt Lindemann wies auf das geringe Haftungskapital einer GmbH hin. Junker entgegnete: „Wenn wir als Unternehmen haftbar sind, haften wir mit allem, was wir in unseren Büchern stehen haben.“ Sobald konkrete Tätigkeiten geplant seien, müsse ein Betriebsplan eingereicht werden und sich die Firma in ausreichendem Maße versichern. Carin Schomann, die auch in der Anti-Fracking-Initiative Hamburg-Vierlande arbeitet, wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass aus der Akte zum Erlaubnisfeld Elmshorn erkennbar sei, dass die PRD Inc. eine Bürgeschaft gegenüber dem Landesbergbauamt abgegeben habe – nicht aber gegenüber den Kreisen und dem Land.

 

Dem Publikum reichten die Antworten nicht aus: „Es gab keine essenziellen Infos“, meinte Achim Bock. Der Auftritt des Unternehmens sei „unprofessionell“ gewesen, so der Landwirt, dessen Flächen an einem der alten Ölfelder liegen. An PRD Energy gerichtet, sagte er während der Diskussion: „Sie müssen mit ganz viel Widerstand rechnen. Wir werden auf keinen Fall zulassen, dass Sie unser Land betreten.“

Ähnlich äußerte sich Marion Ecke von der BI „Frackingfreies Auenland“ gestern auf Anfrage. „Ich habe die Rückmeldung von Mitgliedern bekommen, dass sie die Veranstaltung sehr interessant fanden.“ PRD habe sich jedoch als wenig offen sowie intransparent dargestellt und nur pauschalisierende Aussagen getätigt. „Wenn sich die Firma weigert, dass ihr Auftritt öffentlich dokumentiert wird, verstärken sich Zweifel und Skepsis“, sagte sie zum Vorfall mit dem NDR.

In der Region Elmshorn und anderswo seien die Bürger ähnlich stark engagiert, sagte Jennifer Jasberg zum Ende der Veranstaltung. Sie rief dazu auf, die gesellschaftliche Debatte am Laufen zu halten. „Wenn der Widerstand so breit ist, hat das auch einen Grund.“

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erstellt am 05.Dez.2014 | 10:00 Uhr

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