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Barmstedter Zeitung

04. Dezember 2016 | 23:31 Uhr

Autofreie City : Die Meinungen in Barmstedt sind geteilt

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Barmstedter Kaufleute lehnen den Fußgänger-Vorschlag einer Bürgerinitiative ab. Die Bürger sind unterschiedlicher Ansicht.

Barmstedt | Fußgängerzone oder nicht? Über diese Frage wird zurzeit in Barmstedt heftig diskutiert, nachdem die Bürgerinitiative (BI) „Barmstedt bewegt sich“ vorgeschlagen hat, die Innenstadt für Autos zu sperren. Entschiedener Gegner des Vorschlags ist der Handels- und Gewerbeverein (HGB). Die Geschäftsleute befürchten Umsatzeinbußen.

Auf dem „shared space“ gelten folgende Regeln: Fußgänger dürfen die Straße in ihrer ganzen Breite benutzen. Der Fahrzeugverkehr muss Schrittgeschwindigkeit einhalten. Die Fahrzeugführer dürfen die Fußgänger weder gefährden noch behindern; gegebenenfalls müssen sie warten. Aber auch die Fußgänger dürfen den Fahrverkehr nicht unnötig behindern.

Barmstedt sei mit rund 10.000 Einwohnern für eine Fußgängerzone zu klein, erklärten die HGB-Vorstandsmitglieder Andreas Lenz und Heike Brinckmann. „In allen uns vorliegenden Veröffentlichungen und Untersuchungen wird empfohlen, von der Einrichtung einer Fußgängerzone in Unterzentren und Orten unter 20.000 Einwohnern abzusehen, da einfach zu wenig Lauf zu erwarten ist“, schreiben sie in einer Stellungnahme. Besuche in den mit Barmstedt vergleichbaren Orten Kellinghusen und Marne zeigten, „wie diese durch die Schaffung einer Fußgängerzone auch wirtschaftlich beruhigt worden seien. Die Wirkung leer anmutender Straßen ist in der Regel, dass sie noch weniger frequentiert werden“, folgern Lenz und Brinckmann.

Davon, dass die Kaufleute – wie die BI annimmt – die Straßensperrungen während der Großveranstaltungen „klaglos“ hinnehmen und somit einer dauerhaften Sperrung zustimmen würden, könne keine Rede sein, so der HGB-Vorstand. Wegen der Sperrungen reduziere sich die Kundenfrequenz außerhalb der eigentlichen Veranstaltungszeiten um 30 bis 40 Prozent. „Das ist zwar ein Ärgernis für den Handel, wird jedoch in der Öffentlichkeit von uns nicht beklagt, da wir wissen, dass diese Veranstaltungen für Barmstedt wichtig sind. Hieraus jedoch eine Zustimmung zu einer Fußgängerzone herzuleiten, halten wir für etwas gewagt“, so Lenz und Brinckmann.

Seitdem die Innenstadt zu Beginn der 90er-Jahre zur verkehrsberuhigten Zone umgebaut wurde, sei zudem kein nennenswerter Unfall passiert, so der HGB. Daher sei das Argument der BI, die Innenstadt wäre ohne Autoverkehr sicherer, nicht stichhaltig. Trotzdem müsse dafür gesorgt werden, dass die Geschwindigkeit im Zentrum gering bleibt, so der HGB. Dafür sollten die vorgeschriebenen 20 Stundenkilometer entweder regelmäßig kontrolliert oder durch bauliche Maßnahmen gewährleistet werden.

„Autos tragen zur Belebung bei“

Eine weitere Idee, mit der sich der HGB anfreunden kann, ist die Umwandlung der Innenstadt zum „shared space“ (geteilter Raum, siehe Info-Kasten). Denn aus Sicht der Händler „gehören Autos und Verkehr zu unseren Städten und tragen zur Belebung bei. Maßnahmen zur ,Erziehung’ der Bevölkerung zum Verzicht auf ihre Autos sind in der Vergangenheit immer wieder gescheitert.“ Ein Beispiel sei Itzehoe, wo die Fußgängerzone teilweise zurückgebaut wurde.

Die Meinung unserer Leser ist geteilt. Frank Mootz schreibt, er begrüße die Idee der BI. Sie sei „erforderlich und überfällig. Der Ort kann davon nur profitieren.“ Die Verkehrssicherheit werde erhöht, „bevor der Notfallarzt oder Krankenwagen gerufen werden muss“. Auch Abkürzungen seien durch eine Fußgängerzone „nicht zeitgemäß, sondern gefährdend und überflüssig“.

 

 

Ingrid Niemann dagegen stören die Autos nicht. „Es läuft doch alles schön ,Hand in Hand’“, schreibt sie. „Warum denn ändern? Nein!“ Auch Emmi Mandler hält nichts von einer autofreien Innenstadt. „Für die Geschäfte, die gerade den Flair Barmstedts ausmachen, würde das den Tod bedeuten. Viele Menschen aus den umliegenden Gemeinden kommen gerade wegen der persönlichen Beratung und der besonderen Atmosphäre. Es darf nichts geändert werden, weil dann die Attraktivität Barmstedts verloren geht!“

Klaus Kuberzig meint, die Sperrung der Innenstadt zu besonderen Anlässen als richtungsweisend für die generelle Attraktivität zu nehmen, sei „nicht zu Ende gedacht. In Hamburg-Eimsbüttel findet einmal jährlich das Osterstraßenfest statt. Es käme aber niemand auf die Idee, diese Hauptstraße deswegen ganzjährig für den Verkehr zu sperren.“ Dennoch seien die Sorgen hinsichtlich der Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern nicht von der Hand zu weisen. Auch er plädiert dafür, die Einhaltung der Tempolimits zu kontrollieren. Zudem sollte der öffentliche Nahverkehr ausgeweitet werden.

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erstellt am 29.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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