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Barmstedter Zeitung

04. Dezember 2016 | 23:30 Uhr

Heede : Die Leiden des jungen Arne T.

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

„Endlich 40“ – oder älter: Die Leiden des jungen Arne Tiedemann amüsierten 90 Zuhörer im Heeder Gemeindezentrum.

Heede | Älter werden ist schlimm, alt sein eine Katastrophe – und diese ist bereits eingetreten, wenn man das 40. Lebensjahr erreicht hat. Was bleibt einem da noch, außer zurückzublicken und die Misere noch mal im Spiegel der Erinnerung zu betrachten? Vielleicht gelangt man dabei ja mindestens zu einer Erkenntnis: Dass man bei einer Wiedergeburt alles noch einmal so machen würde.

„Endlich 40“ ist das Buch des Elmshorner Kolumnisten Arne Tiedemann überschrieben, aus dem er vor etwa 90 Zuhörern im Heeder Gemeindezentrum las. Als Gastgeber gab sich die Gemeinschaft Heeder Wähler die Ehre, die aus dem Erlös des Heeder Herbstmarktes alles bezahlte. Entsprechend war die Stimmung bei den Gästen, die umsonst essen, trinken und sich anhören durften, was Tiedemann zu erzählen hatte – und das war witzig.

„Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder“, eröffnete der Autor die Lesung und fügte hinzu: „Willkommen zu einer Veranstaltung ohne Musik!“. Aber ist der Mann wirklich böse, wie er dem Publikum suggerieren wollte – oder einfach nur ein Freigeist? Mit Blick auf die durchschnittliche Lebenserwartung des deutschen Mannes hatte er ausgerechnet, dass am 20. August 2051 für ihn endgültig Schluss sei. Doch das könnte durchaus früher eintreten, beispielsweise, wenn man unter einen Bus gerate: Endstation Friedhof. Wer 40 Jahre alt ist und das nahe Ende vor Augen hat, beschäftigt sich auch mit der Frage, was man anstellen müsse, damit etwas von einem bleibe. Einen Sohn zeugen? Ein Haus bauen? Einen Baum pflanzen? Nichts da! Tiedemann war „not amused“ und listete ellenlang Nachteile auf, die Sohn, Baum und Haus mit sich brächten: Da vergehe einem die Lust. Oder? Jeder Mensch, auch Arne Tiedemann, hat eine Oma, die alt ist, Oma-Kleidung und eine Oma-Brille trägt. „In ihrem Haus roch es nach alten Menschen“, verriet der Autor, der in Elmshorn das trübe Licht der Welt erblickte und in Kollmar aufwuchs. Die Schule besuchte er in Glückstadt – „mit Erfolg“, denn er konnte den „aktiven Schuldienst“ ohne richtigen Abschluss verlassen.

Die Erfahrungen, die er dort insbesondere mit einem bestimmten Lehrer machen musste, scheinen ihm noch anzuhaften. Obwohl bereits „uralt“ hat Tiedemann vielleicht noch einige gute Jahre vor sich. So darf er weiter nach Hamburg fahren, wo er als Bibliothekar an der Hochschule für Musik und Theater tätig ist, über seine Schwächen und die seiner Zeitgenossen sowie das Leben reflektieren. Hinter seinem Witz, der auch schon mal ruppig daherkommt, steckt ein sensibler Mann mit jungem, unangepasstem Geist. Er ist sich der Widersprüchlichkeit des menschlichen Lebens bewusst, in dem er sich aber gut eingerichtet hat.

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erstellt am 07.Mär.2016 | 16:19 Uhr

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