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Barmstedter Zeitung

29. Juli 2016 | 00:14 Uhr

Fracking : Die Bürgerinitiative will weiter am Ball bleiben

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Bürgerinitiative „Frackingfreies Auenland“ befürchtet weitere Aktivitäten der ölfördernden Unternehmen. Die Gruppe will eine Bürger-Energiewende forcieren.

Hörnerkirchen | Die Bürgerinitiative (BI) „Frackingfreies Auenland“ bezweifelt, dass das Thema Fracking – das in der Barmstedter Region in den vergangenen Jahren für Wirbel gesorgt hat – dauerhaft vom Tisch ist. Zwar habe PRD Energy – vermutlich wegen des Widerstands aus der Bevölkerung und der BI-Proteste – die Aufsuchungslizenzen zurückgegeben, das Büro in Deutschland geschlossen und alle Mitarbeiter entlassen, berichteten die BI-Mitstreiter Reinhard Hahne, Dirk Albrecht und Thorsten-Michael Wulff. Doch noch immer sei das Fracking-Gesetz nicht vom Bundestag verabschiedet worden.

Der aktuelle Gesetzentwurf sei zudem „raffiniert formuliert“, sagte Hahne. So dürften etwa Firmen zu Forschungszwecken fracken, und über die dafür nötige Genehmigung würde ein nicht wirklich immer unabhängiges Gremium entscheiden. „Am Ende sieht das Fracking dann aus wie der Walfang der Japaner. Die fangen ja angeblich die Meeressäuger auch nur zu Forschungszwecken.“

Die BI hatte sich im Sommer 2014 gegründet – zu der Zeit, als das kanadische Unternehmen PRD Energy konkretes Interesse signalisiert hatte, die vor Jahrzehnten stillgelegten Ölfelder im Norden des Kreises Pinneberg erneut ausbeuten zu wollen. Das Unternehmen hatte zu diesem Zweck eine Aufsuchungserlaubnis vom Landesbergbauamt (LBEG) erhalten und hat Fracking als spätere Fördermethode nie rechtsverbindlich ausgeschlossen. Zurzeit zählt die BI rund 400 Mitstreiter, von denen 100 aktiv sind. „Inhaltlich denken wir längst über das reine Fracking-Thema hinaus“, sagte Wulff. So habe es im November auf dem Horster Bio-Hof Dannwisch ein Treffen mit mehr als 50 Besuchern gegeben, bei dem über eine Bürger-Energiewende diskutiert worden sei. Eine Wende, die „ohne die großen Konzerne“ angestrebt werde. Konkret werde dazu bereits auf regionaler Ebene geplant, so Wulff – etwa in Horst, wo man anstrebe, eine Flüchtlingsunterkunft mit einem Solardach zu versehen.

Völlig untätig ist die lokale BI schon jetzt nicht. Gerade erst hat man den politischen Gremien eine „Initiative für eine lebenswerte Umwelt“ vorgestellt, in der es um eine Stärkung des Tourismus im Binnenland geht. Auch dadurch sollen indirekt Ölbohrungen verhindert werden. Ganz nach dem Motto: Wer will schon direkt neben einem Bohrturm Urlaub machen? Sehr aktiv ist die BI derzeit auch, wenn es um die Vernetzung mit Gruppen in anderen Regionen geht. „Es steht sogar eine Verbandsgründung in Norddeutschland im Raum“, verrät Albrecht.

Zwar sei die Anzahl der Teilnehmer bei den regelmäßigen Sitzungen leicht zurückgegangen , sagte Hahn – was wohl daran liege, dass es momentan hier ums Fracking ruhig geworden sei, wie er vermutet. Dennoch sei die Gruppe gut vernetzt und könne bei einer erneuten Problematik schnell schlagkräftig aktiviert werden. Albrecht ergänzt: „Solange die Gesetzeslage nicht klar ist, werden wohl alle am Fracking interessierten Firmen die Füße still halten.“ Wann das Gesetz verabschiedet werde, könne zurzeit niemand genau sagen. Doch sollte Fracking im Auenland wieder ein Thema werden, „dann werden auch die derzeit inaktiven Mitglieder sofort wieder aktiv werden“.
 

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erstellt am 15.Jan.2016 | 15:30 Uhr

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