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Barmstedter Zeitung

05. Dezember 2016 | 01:26 Uhr

Greifvögel in der Region Barmstedt : Den Jägern der Lüfte geht es wieder besser

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Intensive Landnutzung, ein zu geringes Nahrungsangebot oder illegale Verfolgung: Greifvögel wie der Habicht oder der Mäusebussard haben in der Vergangenheit stark gelitten. Mittlerweile hat sich die Situation in der Region Barmstedt entspannt, berichtet Hans-Jürgen Raddatz vom Nabu Barmstedt. Die Mäusebussard-Bestände seien fast so hoch wie in den 90er-Jahren. Auch die Habicht-Bestände haben sich erholt. Zu den „Problemkindern“ zählen weiterhin der Rotmilan und der Wespenbussard.

Brande-Hörnerkirchen | Wer derzeit Greifvögel zwischen Barmstedt und Brande-Hörnerkirchen beobachten möchte, muss – wenn er Glück hat – dazu nicht einmal die Hauptstraße verlassen. Schon bei einer Fahrt auf der Landesstraße zwischen Groß Offenseth-Aspern und Sparrieshoop sieht man  immer wieder, wie Mäusebussarde majestätisch ihre Kreise über den Baumwipfeln ziehen.  Anders als nördlich des Nord-Ostsee-Kanals seien die Bestände in der Region Barmstedt fast so gut wie in den 90er-Jahren, berichtet Vogelexperte Hans-Jürgen Raddatz vom Nabu Barmstedt. Er schätzt, dass es weit über 100 Brutpaare  auf den Flächen gebe, die er regelmäßig kontrolliere. Allein zwischen Hemdingen und der AKN-Linie bei Heede habe er über 70 Paare gezählt. Auch die Habicht-Bestände hätten sich erholt. Schlechter sieht es beim Rotmilan und Wespenbussard aus.

Raddatz ist regelmäßig im Barmstedter Umland unterwegs, um die Greifvogelbestände zu erfassen. Ein großes, von einem Brutpaar bewohntes Habicht-Nest hat er vor Kurzem bei Groß Offenseth-Aspern entdeckt. „Anfang April ist die Eiablage“, so Raddatz. „Das Weibchen brütet allein, das Männchen ist für die Nahrungsbeschaffung zuständig.“ Er habe unter anderem weiße Flaumfedern aus dem Brustgefieder entdeckt. Und auch weitere Spuren – für den Laien auf den ersten Blick nicht zu entdecken – deuten auf die Anwesenheit eines Habichts hin. Wenige Meter vom Baum entfernt, auf dem das Nest thront,  findet Raddatz eine Kotspur sowie eine Eulenfeder. „Der Habicht ernährt sich überwiegend von Vögeln wie zum Beispiel Tauben, Krähen, Staren oder auch Amseln.“

Gerade durch die Tauben habe der Vogel in der Vergangenheit aber unter anderem den Zorn der Brieftaubenzüchter auf sich gezogen. Männliche Habichte seien gefangen worden. Die Konsequenz: Das Weibchen erhielt kein Futter mehr, sie und die Brut gingen zugrunde.  Der Vogel sei daher intensiv beobachtet worden. Zudem sei man mit dem Thema an die Öffentlichkeit gegangen, so Raddatz, und habe auf die Greifvogelverfolgung aufmerksam gemacht. Sie habe mittlerweile nachgelassen. „Heute hat sich der Bestand erholt.“ Der Nabu-Experte schätzt, dass in seinem Beobachtungsgebiet „Barmstedter Geest“ zwischen Bokel und dem Himmelmoor bei Quickborn mittlerweile wieder ein Dutzend Paare leben. „Es waren einmal nur die Hälfte.“

Der Mäusebussard habe hingegen andere Probleme. „Er findet in den landwirtschaftlichen Nutzflächen keine Nahrung mehr“, so Raddatz. „Die intensive Landnutzung ist ein riesiges Problem.“ Momentan gebe es in der Region Barmstedt aber wieder mehr Paare. „Der Bestand ist nicht so schlecht.“ Das liege vor allen daran, dass es im Umland zahlreiche Naturschutzflächen  gebe, so Raddatz. Zudem sei seit 2014 der Bestand  an Feldmäusen wieder größer geworden.

Auch Nester von Mäusebussarden hat der Vogelexperte entdeckt – so zum Beispiel am Rand des Klein Offenseth-Bokelsesser Moores. Der Habicht habe weniger Probleme damit, näher an den Straßen sein Nest zu bauen. Beim Mäusebussard sei das anders. Die Tiere würden sogar Scheinattacken fliegen, wenn sie sich gestört fühlten. „Das Nest am Rande des Moores wirkt relativ neu“, so Raddatz. „Es kann sein, dass die Brut erst jetzt beginnt. Der März war kühler, und Mäusebussarde reagieren stark auf die Temperatur.“ Da der Winter aber  nicht so kalt war, spreche es dafür, dass es ein größeres Nahrungsangebot gebe.

Als „Problemkinder“ in der Region sieht Raddatz  unter anderem den Rotmilan und den Wespenbussard. Für Letzteren gebe es zu wenig Wespen; für den Rotmilan gelte ähnliches wie für den Mäusebussard, so Raddatz. „Rotmilane können nur überleben, wenn es genug Mäuse gibt.“ Durch die intensive Landnutzung gebe es teilweise ein zu geringes Nahrungsangebot, so der Nabu-Experte und ergänzt: „Wir brauchen mehr Grünland.“ Ein Nest habe er vor wenigen Tagen allerdings entdeckt.

Andere Greifvögel wie der Schreiadler würden in der Region gar nicht mehr vorkommen, so Raddatz weiter „Schreiadler gibt es nur noch in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Die Tiere brauchen Ruhe.“ Mittlerweile gebe es in Deutschland keine 100 Paare mehr.

Charakteristika: Mäusebussard und Habicht

Der Mäusebussard ist ein mittelgroßer Greifvogel mit oft unterschiedlicher Färbung. Die Flügelspitzen sind allerdings immer dunkel.  Die Flügelspannweite der Tiere kann bis zu 1,30 Meter betragen. Mäusebussarde sind fast überall in Deutschland verbreitet.  Der Nabu geht von etwa 100.000 Paaren im Land aus. Charakteristisch ist ihr miauender Ruf. Der Habicht ist ein scheuer Vogel, erkennbar an der hellen Unterseite mit schmalen, schwarzen Querstreifen. Laut Nabu ist er im Flug gut an seinem langen Schwanz zu erkennen. Weibliche Tiere werden deutlich größer und schwerer als männliche. Ihre Flügelspannweite kann bis zu 1,15 Meter betragen. Außerhalb der Brutzeit sind Habichte kaum zu hören. Der Bestand in Deutschland wird auf etwa 15.000 Brutpaare geschätzt.

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erstellt am 24.Apr.2016 | 13:18 Uhr

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