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Barmstedter Zeitung

08. Dezember 2016 | 07:02 Uhr

„Kein Verkehr wäre tödlich“ : Bürgerinitiative fordert autofreie Innenstadt

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Diskussion: Bürgerinitiative „Barmstedt bewegt sich“ stellt Ideen und Pläne vor. Kritik: Probleme für Händler und Umwelt.

Barmstedt | Etwa 20 Bürger haben die Präsentation der Bürgerinitiative (BI) „Barmstedt bewegt sich“ verfolgt, die im Rahmen der Bauausschusssitzung im Rathaus ihre Pläne zur Verkehrsberuhigung der Innenstadt vorstellte. Ihr erstes Ziel – der Ausschuss möge die Pläne beschließen – erreichte die BI nicht. Stattdessen soll während einer Einwohnerversammlung oder im Rahmen eines Bürgerforums weiter über das Thema diskutiert werden.

Wie berichtet, wünscht sich die BI, die Barmstedter Innenstadt für den Autoverkehr zu sperren. Außerdem soll die Königstraße stadtauswärts zur Einbahnstraße und Tempo-30-Zone werden. Derzeit sei die Situation in der Innenstadt sei für Radfahrer und Fußgänger gefährlich, lade „nicht zum Flanieren und Verweilen ein“ und lasse für die Geschäftsleute keinen Platz für „verkaufsfördernde Maßnahmen“, sagte BI-Mitglied Franz-Josef Sitta. Die Königstraße eigne sich „nicht für gegenläufigen Verkehr“ und lasse gefahrloses Radfahren nicht zu. Besonders dramatisch sei die Kreuzung Am Markt/Kuhberg. „Die ist für Fußgänger total unsicher“, sagte Sitta, der seine Aussagen mit Fotos unterstrich – was bei Cornelia Dresler (FWB) nicht gut ankam. „Man kann nicht sehen, ob die Situation wirklich gefährlich war – das ist nur Ihre Interpretation“, sagte sie.

Einzelhändler Bernd Fritze forderte die BI auf, „ihre Energie lieber darauf zu verwenden, etwas gegen die Radfahrer zu tun. Denn irgendwann wird es passieren, dass hier ein Fußgänger umgemangelt wird.“ Auf Widerstand stößt die BI auch beim übrigen Handels- und Gewerbeverein (HGB). Anders als Plön, das Sitta als Beispiel für eine Kleinstadt mit einer funktionierenden Fußgängerzone nannte, habe Barmstedt „keine Magneten wie ein Schloss oder einen See im Zentrum“, sagte Andreas Lenz. Für die Kaufleute wäre es daher „tödlich, den Verkehr rauszunehmen“. Heike Brinckmann (HGB) räumte ein, „dass Kunden wegen der prekären Verkehrssituation zum Teil genervt sind“. Dennoch sei eine Fußgängerzone keine Lösung, da sie Umsatz kosten werde. Der Verkehr müsse besser kontrolliert werden, forderte Lenz. „Um die 20-Zone kümmert sich keiner.“

Unter den Zuhörern waren mehrere HGB-Mitglieder.
Unter den Zuhörern waren mehrere HGB-Mitglieder. Foto: Meyer
 

Ein weiteres Problem sahen Politiker und Bürger in einer Einbahnstraßenregelung für die Königstraße. „Dann sollen wir noch mehr Verkehr aufnehmen, das sehe ich nicht ein“, empörte sich ein Anwohner der Marktstraße. Wenn der Verkehr verlagert werde, „wird sich die nächste BI gründen, da gebe ich Ihnen Brief und Siegel drauf“, prophezeite Axel Schmidt (FWB) und ergänzte: Die Pläne der BI seien „nicht ökologisch, nicht ökonomisch und nicht sozial“.

Die BI hatte angekündigt, einen Bürgerentscheid in die Wege zu leiten, sollte die Stadtvertretrung ihren Vorschlägen nicht folgen. Das würde sie gern vermeiden, sagte Marina Quoirin-Nebel (Grüne). „Wir schlagen daher ein Bürgerforum vor.“ Der Ausschussvorsitzende Ortwin Schmidt (CDU) kündigte an, Bürgervorsteher Christian Kahns (FWB) das Thema für die nächste Einwohnerversammlung vorzuschlagen. Sitta erklärte gestern auf Anfrage, die BI werde ihre Entscheidung über einen Bürgerentscheid nach der Stadtvertretersitzung am 11. Oktober treffen.

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erstellt am 06.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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