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Barmstedter Zeitung

09. Dezember 2016 | 20:27 Uhr

„Es ist ein ganz großes Problem" : Barmstedts Stadtjugendpfleger plant ,Woche der digitalen Medien’

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Das Angebot soll Schüler und Eltern erreichen. Laut einer Studie sind Jugendliche täglich 2,6 Stunden online.

Barmstedt | Jungen kommen nicht mehr ins Jugendzentrum, weil sie sich nicht von der Playstation lösen können. Mädchen stellen Nacktbilder von sich ins Netz und wundern sich dann über die Folgen. Von diesen Fällen berichtete Barmstedts Stadtjugendpfleger Martin von Aspern im jüngsten Sozialausschuss. „Das Schlimmste ist aber, wenn sich Schüler nachts per WhatsApp unterhalten und dann morgens zerstritten und gerädert in der Schule sitzen“, sagte er. Wie verbreitet die Folgen des stundenlangen Internetkonsums seien, zeige sich auch daran, „dass das Thema jeden Tag an mich herangetragen wird“.

Laut einer Studie der Krankenkasse DAK aus 2015 haben 4,7 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen ein „erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Internetsucht“. Im Schnitt sind sie werktags jeweils 2,6 Stunden im Internet, am Wochenende jeweils 3,7 Stunden. Rainer Thomasius, Chef des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters  am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, nannte den Befund in einem Gespräch mit dem „Tagesspiegel“ „alarmierend“. Wenn jeder 20. unter krankhaften Folgen seiner Internetnutzung leide, sei das ein „enormes gesellschaftliches Problem“.

Um Kinder, Jugendliche und deren Eltern für den Umgang mit dem Internet zu sensibilisieren und aufzuzeigen, welche Folgen exzessive Internetnutzung haben kann, will er eine „Woche der digitalen Medien in Barmstedt“ organisieren. „Es sollte etwas Eventmäßiges sein, denn die meisten Kinder und Jugendlichen erreichen wir nicht mehr, wenn wir einfach nur mit ihnen über das Thema Medien reden – Vorträge bringen nicht viel“, sagte von Aspern. Zudem müssten die Eltern eingebunden werden. „Denn die sind in solchen Fällen das Problem. Ungefähr der Hälfte von ihnen ist es egal, was ihre Kinder im Internet machen.“ Oder sie gingen mit schlechtem Beispiel voran: „Muss ein Vater mit seinem Sohn unbedingt Ballerspiele spielen? Kann es nicht auch Fußball sein?“

Die Politiker sahen die Lage ähnlich. „Das deckt sich mit meinen Erfahrungen“, sagte die Ausschussvorsitzende Mareyke Herrmann (BALL). „Schüler streiten sich über WhatsApp, werden dann in der Schule niedergemacht, blocken ihre Eltern und so weiter.“ Das alles sei „ein ganz großes Problem, und der Bedarf an Aufklärung ist groß“. Marina Quoirin-Nebel (Grüne) und Ortwin Schmidt (CDU) sprachen die Kosten des Projekts an, die von Aspern für Barmstedt auf etwa 4000 Euro schätzt. Das sei viel, „aber weil es offenbar etwas Innovatives ist, kann man es ja vielleicht als Pilotprojekt fördern lassen“, schlug Quoirin-Nebel vor. Darüber soll sich die Verwaltung jetzt Gedanken machen, beschloss der Ausschuss.

Von Aspern betonte, der Kreis würde die Woche mit 1500 Euro unterstützen. „Außerdem würden wir den Verein Wendepunkt und örtliche Vereine in die Durchführung einbeziehen.“ Geplant seien unter anderem workshops, „zum Beispiel, wie man eine App programmiert“.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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