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Engagement : Barmstedterin rettet verwaiste Fohlen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Barmstedterin Ingrid Wiegmann bringt seit zwölf Jahren verwaiste Fohlen mit Ammenstuten zusammen. Bisher hat sie alle gerettet.

Barmstedt | Ingrid Wiegmann ist immer erreichbar. „Es sei denn, ich bin im Krankenhaus. Oder im Funkloch.“ Auch nachts wird die Barmstedterin oft angerufen, weil Pferdehalter nicht weiter wissen und Wiegmann ihre letzte Hoffnung ist: Sie bringt seit etwa zwölf Jahren verwaiste Fohlen mit Stuten zusammen, die ihr Fohlen verloren haben. Mit Erfolg: „Bisher haben wir alle durchgebracht“, sagt die 64-Jährige stolz.

Angefangen hat alles, als Wiegmanns eigene Stute bei der Geburt starb. „Sie hat nach dem Fohlen ihren Darm rausgeworfen“, erinnert sich die Züchterin, die aus Berlin stammt und 2014 nach Barmstedt zog. Zusammen mit ihrem Mann hat sie den Lillschen Hof am Spitzerfurth übernommen.  „In Hessen, wo wir vorher gewohnt haben, hatten wir nichts gefunden.“ Mit dem  früheren Hofbesitzer Ernst-Otto Lill seien sie gut befreundet gewesen. „Wir haben bei ihm immer unsere Pferde geparkt, wenn wir in Elmshorn auf Turnieren und Schauen waren.“ Als Lill starb, zögerten das Paar nicht lange und zog – samt Anhang – in den Norden. „Hier ist eine alte Zuchtstätte, wo viele erfolgreiche Pferde herkommen, und Ernst-Otto wollte, dass es mit Pferden weitergeht.“ Jetzt stehen in den Lillschen Ställen 16 Holsteiner, und zwei Mal pro Woche nutzen Reitschüler aus Lutzhorn die Reithalle. „Das freut uns sehr“, sagt Wiegmann.

Für ihr verwaistes Fohlen habe sie sich damals auf die Suche nach einer Ammenstute begeben, so Wiegmann – was nicht ganz einfach gewesen sei. „Ich habe überall rumgefragt.“ Schließlich habe es geklappt, „allerdings mussten wir 400 Kilometer fahren“. Das ließe sich oft nicht vermeiden; bei vielen Vermittlungen müssen die Halter weite Wege zurücklegen. Die weiteste „Zusammenführung“ habe die Beteiligten einmal quer durch Deutschland geführt: „Das Fohlen kam aus Ostholstein, die Stute aus Bayern“, erzählt Wiegmann. Meist werde das Fohlen zur Stute gebracht, „das ist einfacher, weil die Stuten nicht aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden.“

Wenn die Mutter sterbe, sei es für das Fohlen am besten, eine Ammenstute zu finden, sagt Wiegmann.  „Dafür hat man ungefähr fünf Tage Zeit, danach wird’s schwierig.“ Die Aufzucht mit der Flasche sei nur die zweitbeste Option. „Aber auch dann sollte dem Fohlen unbedingt ein zweites Pferd zur Seite gestellt werden.“ Um die ersten zwölf Stunden ohne Mutter zu überbrücken, rät Wiegmann den Besitzern, ihren Fohlen sogenannte Biestmilch (siehe Info-Kasten) zu geben. Dabei habe sie schon abenteuerliche Sachen erlebt, sagt die Züchterin. Da Biestmilch schwer zu kriegen sei, habe sie einmal bei einem Notfall an einer Autobahnraststätte einen Lkw-Fahrer gebeten, eine  Flasche mit Biestmilch zu einer anderen Raststätte mitzunehmen, wo der Pferdebesitzer sie dann abgeholt habe. Ein anderes Mal habe es einen komplizierten Fall auf einer Insel  gegeben. „Ich wurde angerufen und konnte einen Tierarzt vermitteln, der das Fohlen über das Wochenende gebracht hat, bis die Biestmilch geliefert werden konnte.“ Auch einer Freundin in Namibia habe sie einmal helfen können. „Sie rief mich an, weil sie nicht wusste, wie sie das Fohlen über den Berg kriegen soll.“ Dank Wiegmanns Rat habe es geklappt.

Sie empfehle jedem Pferdehalter, für den Notfall 200 Milliliter Biestmilch einzufrieren, sagt Wiegmann. „Allmählich hat sich das herumgesprochen.“ Ebenso wie ihre ehrenamtliche Vermittlungsarbeit: Im vergangenen  Jahr habe sie etwa 360 Fohlen und Stuten zusammengebracht. „Das war Rekord.“

Sie werde ihr Engagement „weitermachen, so lange ich kann“, sagt Wiegmann. Seit vorigem Jahr betreibt sie eine Internetseite, auf der sich betroffene  Pferdehalter melden können. Dort ist auch ihre Telefonnummer vermerkt, versehen mit dem Hinweis: „rund um die Uhr erreichbar“.

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erstellt am 13.Mär.2017 | 16:00 Uhr

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