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Barmstedter Zeitung

10. Dezember 2016 | 02:11 Uhr

Unterwegs mit der Transsib : Barmstedter reist durch acht Zeitzonen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Barmstedter Axel Pott war zwölf Tage lang mit dem bekanntesten Zug der Welt unterwegs.

Barmstedt | In zwölf Tagen ist Axel Pott mit der transsibirischen Eisenbahn (Transsib) von Peking nach Moskau gefahren. Der Barmstedter reiste durch acht Zeitzonen und durchquerte dabei unter anderem China, die Mongolei und Russland. „Diese Fahrt war mein Jugendtraum“, sagt Pott. Sein Vater habe ihm von seiner Kriegsgefangenschaft in Sibirien und der Rückkehr mit der Transsib erzählt. „Seitdem wollte ich auch damit fahren.“

Vor Kurzem hat der Barmstedter seinen Traum wahrgemacht. „Ich habe es nicht bereut, es war eine tolle Tour mit einem Höhepunkt nach dem anderen. Es war eine Bildungsreise, die ich nicht missen möchte“, so Pott. Er kam an Flüssen und Städten vorbei, die die meisten nur aus dem Erdkundeunterricht kennen dürften: Wolga, Ob, Jenissei, Amur, Ulan Bator, Irkutsk, Kasan. Pott flog bis Peking, von wo aus die Bahnfahrt startete. Pott landete dort einen Tag vor seiner Reisegruppe, um sich den Platz des Himmlischen Friedens, die Verbotene Stadt, die chinesische Mauer und die Ming-Gräber anzuschauen. „Auf die Frage, warum bei Kulturdenkmälern die Stufen so hoch seien, erklärte man mir, das sei ein Schutz gegen böse Geister, die keine Knie haben und deshalb keine Treppen steigen können“, so Pott.

Beeindruckende Aussicht: Axel Pott (l.) auf der Chinesischen Mauer.
Beeindruckende Aussicht: Axel Pott (l.) auf der Chinesischen Mauer. Foto: bz
 

Mit dem Sonderzug reiste die Gruppe dann zunächst bis Erlian an die Grenze zur Mongolei, wo es zu Fuß über die Grenze ging. Im mongolischen Bahnhof wartete der Zug „Zarengold“ mit 13 Waggons für 230 Reisende und etwa 70 Bedienstete. „Die Reisegruppen kamen aus der ganzen Welt – Südamerika, Europa, Kanada, USA, Neuseeland und Australien“, so Pott. Die Abteile im Zug seien „plüschig, mit dicken Vorhängen“, Brokat und Farben wie Gold und Rot gewesen.

„16 Leute pro Waggon haben sich Toilette und Dusche auf dem Gang geteilt“, so Pott. Es gab einen Duschplan, in den man seine Zeit eintrug. In den drei Speisewagen „hatte jeder einen festen Platz“, so Pott, der sich eine Speisekarte als Andenken mitnahm. Gerichte wie Borschtsch, Pelmeni, Boeuff Stroganow, Fleischsuppe mit sauren Gurken und Kascha sowie Speisen mit blumigen Namen wie Edelfischplatte Zarenhof und Gemüsepotpourri Wolgaschiffer finden sich darauf.

„Wir sind durch Natur pur gefahren“, so Pott. Die Wälder hätten kein Ende genommen. Drei Mal hätten sie einen Übernachtungsstopp in einem Hotel eingelegt wie etwa in Ulan Bator. Nach einer musikalischen Vorstellung sei das mongolische Staatstheater aufgetreten. „Die Künstler spielten mit ihren merkwürdigen Instrumenten ,An der blauen Donau’ und den ,Radetzkimarsch’, es war Gänsehaut pur“, so Pott.

Bei einem Ausflug in die mongolische Schweiz hätten sie einer Reitershow und einem Ringkampf zugesehen. „Bei jedem Stopp zur Stadtbesichtigung kam ein Ortskundiger zu unserem Reiseleiter; es war alles gut organisiert“, berichtet Pott. Die mehr als 200 Kilometer lange Fahrt entlang des Baikalsees sei „der Hammer“ gewesen. „Mit einigen anderen Fahrgästen habe ich im acht Grad kalten See gebadet und ein Diplom der Tapferkeit erhalten“, sagt Pott und zeigt stolz das Schriftstück. Er war beeindruckt von der Sauberkeit des tiefblauen Gewässers. „Man konnte 40 Meter tief gucken.“ Am See mit tollem Panorama hätten alle bei Balaleika-Klängen gegrillt. Die Fischerboote auf dem See seien sehr alt und rostig gewesen.

Als Erinnerung hat hat Axel Pott das Bordbuch mitgenommen.
Als Erinnerung hat hat Axel Pott das Bordbuch mitgenommen.

„Manchmal waren die Eindrücke wie ein Sprung in die Vergangenheit“, sagt Pott. „Wir sind an Dörfern vorbeigekommen, in denen der einzige Baustoff Holz war“, stellt er fest. In Kasan, wo die Grenze zwischen Asien und Europa verläuft, besichtigten sie ein dafür vorgesehenes Denkmal. „Im Zug sind wir mit Menschen aus verschiedenen Nationalitäten ins Ge-spräch gekommen, das war toll“, so Pott.

Im Moskauer Bahnhof wurden die Reisenden von einer Kapelle mit Trommeln und Blasinstrumenten empfangen. „Wir haben unterwegs so viele Informationen und Eindrücke aus verschiedenen Themenbereichen wie Geschichte, Kultur und Natur erhalten, dass die erst aufgearbeitet werden und sacken müssen“, so Pott. Seine Tochter Dorothee, die Ansichtskarten aus aller Welt sammelt, ist nun um etliche Sammlerstücke im Halbbogen von Peking bis Moskau reicher.

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erstellt am 25.Jul.2016 | 10:00 Uhr

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