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Barmstedter Zeitung

10. Dezember 2016 | 06:14 Uhr

Bokholt-Hanredder : Aufregung nach Wolfsnachweis im Kreis Pinneberg

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Nachweis sorgt für Aufregung in der Region. Ein Jäger hatte Fotos per Handy durch das Okular seines Fernglases gemacht.

Bokholt-Hanredder | Hinweise hatte es schon viele gegeben: Pfotenabdrücke in Brande-Hörnerkirchen oder mehrere plötzliche Wild-Unfälle zwischen Langeln und Heidmoor haben in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder den Verdacht nahe gelegt, dass auch im Kreis Pinneberg Wölfe unterwegs sind. Einzig ein hieb- und stichfester Nachweis fehlte bislang. Diesen hat ein Jäger aus dem Kreis Pinneberg nun erbracht.

Am 23. Juli – einem Sonnabend – entdeckte der Jäger von seinem Hochsitz aus in der Feldmark in Bokholt-Hanredder einen Wolf. „Das Tier konnte aus einem Maisfeld kommend einige Zeit auf einer Grünlandfläche beobachtet und fotografiert werden“, berichtete Martin Schmidt, Pressesprecher des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) gestern. Zuvor hatte der Landesjagdverband Schleswig-Holstein bereits über den Nachweis berichtet. Die entsprechenden Fotos wurden laut LLUR mit einem Handy durch das Okular eines Fernglases aufgenommen.

Laut Wolfsbetreuer Hans-Albrecht Hewicker aus Bokholt-Hanredder, der den Fall aufgenommen hat, hat der Jäger den Wolf in einem Gebiet zwischen Bast und der A23 mehr als eine Stunde lang beobachten können. Die Begegnung sei wie alle anderen auch rein zufällig gewesen. „Es ist eine Bestätigung dessen, was wir zu wissen glaubten“, sagt der Experte hinsichtlich der zahlreichen Wolfs-Hinweise, die es bereits gegeben hatte. Dass der Wolf nun in Bokholt-Hanredder gesichtet worden sei, ist laut Hewicker aber reiner Zufall und habe für den Ort überhaupt nichts zu bedeuten. „Das Tier kann am Tag vorher noch im Kreis Stormarn und einen Tag später schon im Kreis Rendsburg gewesen sein“, erläutert er. „Für die Örtlichkeit hat das keine Bedeutung.“ Die Tiere würden durch Schleswig-Holstein ziehen. „Man muss im ganzen Land damit rechnen, dass ein Wolf auftaucht.“

Bei der Beobachtung handelt es sich laut dem Experten um den ersten Nachweis eines Wolfes im Kreis Pinneberg, seitdem die Tiere im Jahr 2000 zurück nach Deutschland gekommen sind. Abgewanderte Tiere aus Polen hatten sich laut Wolfsinformationszentrum Schleswig-Holstein damals in der Lausitz in Sachsen auf einem Truppenübungsplatz auf natürliche Weise angesiedelt. Auffällig sei, dass es Hinweise auf den Wolf im Kreis Pinneberg – und jetzt auch den Nachweis – verstärkt zu der Zeit geben würde, in denen der Mais hoch steht, so Hewicker weiter. In dieser Zeit sei die eigentlich wald- und damit deckungsarme Landschaft im Kreis für den Wolf interessant. „Im Mais kann sich das Tier ungestört und gedeckt bewegen“, so der Wolfsbetreuer.

Mit ziemlicher Sicherheit könne man sagen, dass es sich bei dem Wolf in Bokholt-Hanredder um ein junges Tier handelt, erläutert der Experte weiter. Der Wolf könnte sich vom elterlichen Rudel getrennt haben und nun ein eigenes Territorium suchen. „Es handelt sich vielmehr um Tiere, die sich offenbar nur kurze Zeit bei uns aufhalten“, schreibt auch Schmidt vom LLUR. Entweder seien sie auf der Suche nach geeigneten Lebensräumen oder einem entsprechenden Partner.

Das Foto des „Bokholt-Wolfes“ wurde mit einem Handy durch das Okular eines Fernglases aufgenommen.

Das Foto des „Bokholt-Wolfes“ wurde mit einem Handy durch das Okular eines Fernglases aufgenommen.

Foto: Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume
 

Laut dem Wolfsinformationszentrum geht von gesunden Wölfen in der Regel keine Gefahr aus. Sie würden auf Menschen mit äußerster Vorsicht reagieren und nicht aggressiv sein. Schafhalter in Schleswig-Holstein seien bereits in der Vergangenheit aufgefordert, Schutzmaßnahmen vorzunehmen, um unbeaufsichtigt weidende Tiere vor Gefahren von Außen zu schützen – auch gegen wildernde Hunde, die häufiger als Wölfe vorkommen würden, so Hewicker.

Bei dem Wolf im Kreis Pinneberg handelt es sich laut Wolfsinformationszentrum um den dritten Nachweis in diesem Jahr. Zuvor war dem Wolfsmanagement am 17. Januar ein totes Schaf aus der Nähe des Ortes Curau im Kreis Ostholstein gemeldet worden. Es wurden genetische Proben in Form von Speichelresten genommen und im Labor analysiert. Das zuständige Senckenberg-Forschungsinstitut ordnete die Speichelreste einem Wolf zu. Außerdem sei am 20. März in St. Peter-Ording im Kreis Nordfriesland bei einer Kontrolle eines Tierhalters ein verletztes Schaf auf einer Weide gefunden worden. Aufgrund der Schwere der Verletzungen musste das Tier eingeschläfert werden. Im Rahmen routinemäßiger Untersuchungen von Mitarbeitern des Wolfsmanagements wurden Proben zur genetischen Untersuchung genommen. Diese haben ergeben, dass eindeutig ein Wolf die Verletzungen verursacht hatte.

Wolfsbetreuer Hans-Albrecht Hewicker bittet im Zuge der Beobachtung in Bokholt-Hanredder darum, alle Beobachtungen und Ereignisse, die mit einem Wolf zu tun haben könnten, schnellstmöglich an die Notfallhotline in Schleswig-Holstein zu melden. Unter der Rufnummer 0174-6330335 werden die Hinweise entgegengenommen. Denn: Um einen Nachweis für einen Wolf zu erbringen, sei vor allem Schnelligkeit gefragt. „Nur dann haben wir die Chane, wieder eine Bestätigung zu bekommen“, so Hewicker. Zu besonderen Ereignissen würden zum Beispiel Pferde zählen, die plötzlich in Panik geraten seien. Wenn jemand eine Spur finde und sich erst Tage später melde, sei das zu spät. Auch ein Riss müsse ebenfalls frisch sein, um anhand des Speichels DNA-Proben nehmen zu können. www.wolfsinfozentrum.de
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erstellt am 04.Aug.2016 | 10:00 Uhr

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