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Einwohnerversammlung : 50 Bürger, ein Thema: Verkehr

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Barmstedter wollen mehr Tempo-30-Zonen und mehr Kontrollen.

Barmstedt | Kaum etwas bewegt die Barmstedter so sehr wie die Verkehrssituation in ihrer Stadt: Das hat Bürgervorsteher Christian Kahns während der Einwohnerversammlung festgestellt. „Wenn bei mir etwas landet, hat es meist mit dem Thema Verkehr zu tun“, sagte er – bevor er anhand des jüngsten Verkehrsgutachtens darstellte, wie sich der Verkehr zwischen 1984 und 2009 entwickelt hatte. Fazit: Die Zahl der Fahrzeuge, die durch Barmstedt und um die Stadt herumfahren, sei gestiegen, aber „noch verkraftbar“. Auf der Pinneberger Landstraße (L110) zählten die Gutachter 2009 etwa 12.600, auf der Hamburger Straße (L75) 11.600 Fahrzeuge pro Tag. Nach dem Bau der Umgehungsstraße habe sich der Verkehr auf der Königstraße und in der Innenstadt deutlich reduziert – „und die A20 wird laut Gutachten noch einmal 1000 Fahrzeuge pro Tag aus Barmstedt herausnehmen“, so Kahns.

In Barmstedt sind laut Polizeistationsleiter Peter Kroll aktuell 7323 Kraftfahrzeuge, 314 Lastwagen und 524 motorisierte Zweiräder gemeldet.  „Die Tendenz ist deutlich steigend“, sagte Kroll. Darüber hinaus besäßen die rund 10.200 Einwohner etwa 9000 Fahrräder – also rechnerisch fast jeder eines.

Bürgervorsteher Christian Kahns stellte das jüngste Verkehrsgutachten vor.
Bürgervorsteher Christian Kahns stellte das jüngste Verkehrsgutachten vor. Foto: Elisabeth Meyer

Bis 2025 prognostizierten die Gutachter ohne weitere Veränderungen eine Zunahme des Verkehrs gegenüber 2009 um etwa zehn Prozent. Für den Küsterkamp wären das dann 4400 statt 4000, „das ginge gerade noch“, so Kahns. Die Gutachter hätten der Stadt aber schon damals empfohlen, die Rewe-Umfahrung und die Meierei-Straße „zügig zu realisieren“. Das sei jedoch aufgrund der Eigentumsverhältnisse nicht möglich, sagte Kahns: Die Stadt könne die notwendigen Grundstücke bislang nicht erwerben.

Ein weiteres Manko, das das Gutachten aufzeigte, sei die Situation für Radfahrer: Ihnen fehlen eigenen Wege oder Radstreifen auf der Fahrbahn. Doch wegen der beengten Straßen sei es schwierig, daran etwas zu ändern, sagte Kahns. Ob es etwa – wie von der dortigen Bürgerinitiative (BI) gewünscht – einen Radstreifen auf der Königstraße geben wird, bleibt abzuwarten: Auf die Frage von BI-Mitglied Matthias Bornholdt erklärte Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos), sie stehe dem Vorschlag persönlich positiv gegenüber, „und auf der Lutzhorner Landstraße erproben wir es ja gerade“. Ob es auf der Königstraße dazu komme, müsse man sehen. Zufrieden war Bornholdt mit der Antwort nicht. „Wir kämpfen jetzt schon seit Jahren für Tempo 30 auf unserer Straße und wollen endlich mal eine konkrete Aussage. Stattdessen wird immer nur geblockt.“ Die Lösungen derartiger Fragen „müssen in der Politik gefunden werden“, erwiderte Kahns.

Guido Neumann monierte, er habe den Eindruck, „dass durch immer mehr Einschränkungen wie Tempo 30 und Verengungen versucht wird, den Verkehr auf die Hauptstraßen zu lenken“ – was auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein könne. Für eine nördliche Umfahrung vom Schusterring über den Friedhof und den Bornkamp bis an die Vosslocher Chaussee gebe es für die Stadt aber „keine Chance, weil es keine zusätzliche Krückauquerung geben darf“, wie Kahns erklärte.

Um das Thema Verkehr und Sicherheit ging es anschließend beim Vortrag von Barmstedts Polizeichef Peter Kroll. Die Zahl der innerstädtischen Unfälle sei im vergangenen Jahr „erstaunlich gering“ gewesen, sagte er. Habe die Polizei 2015 noch 27 Unfälle mit Verletzten gezählt, seien es 2016 nur 16 gewesen – einer davon allerdings mit tödlichem Ausgang. Nur bei einem Unfall sei ein Fußgänger zu Schaden gekommen, so Kroll. An zwei Unfällen seien Krad-, an neun Radfahrer beteiligt gewesen. Darüber hinaus habe es 154 Unfälle mit ausschließlich Sachschaden sowie 32 Reh-Unfälle gegeben.

Barmstedts Polizeichef Peter Kroll erläuterte die aktuellen Unfallzahlen.
Barmstedts Polizeichef Peter Kroll erläuterte die aktuellen Unfallzahlen. Foto: Elisabeth Meyer

Die von der Polizei registrierten Unfälle spiegelten indes nicht zwingend die reale Gefahrenlage wider, betonte Kroll. „Vieles geht auch gerade noch mal gut.“ Unfallschwerpunkte seien im vergangenen Jahr die Bereiche August-Christen-Straße/ Feldstraße, die Einmündungsbereiche der Großen Gärtnerstraße, die Kreuzung Kleine Gärtnerstraße/Moltkestraße sowie der Kreisel an der L110 gewesen.

In der Innenstadt habe sich 2016 kein Unfall mit Verletzten ereignet, sagte Kroll. Allerdings gebe es oft riskante Situationen, räumte er ein – vor allem an der Reichenstraße zwischen der Bahnhof- und der Feldstraße, wo es wegen der parkenden Autos sehr unübersichtlich sei. „Außerdem fahren da viele Fahrradfahrer auf der falschen Seite.“ Die Polizei plädiere daher schon seit vielen Jahren dafür, auf dem Abschnitt eine Einbahnstraße in Richtung Heede einzurichten. „Doch wir können es nur anregen, umsetzen muss es die Stadt“, sagte Kroll.

Einige Autofahrer würden auf der Reichenstraße regelrechte Rennen fahren, sagte Geschäftsmann Karl-Heinz Hartmann und wollte wissen, „wieso es da keine Kontrollen gibt“. Das Land habe der Polizei dafür Personal und Ausstattung gekürzt, entgegnete Kroll. „Wir machen das schon, aber wir können leider nicht überall sein.“

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erstellt am 15.Mär.2017 | 12:00 Uhr

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