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Barmstedter Zeitung

07. Dezember 2016 | 17:22 Uhr

Der Hauch der großen Welt : 1761 blickte die Welt nach Hörnerkirchen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Eine Adelshochzeit rückte Hörnerkirchen für einen Moment ins Zentrum der Geschichte. Der Historiker Helmut Trede hat recherchiert.

Brande-Hörnerkirchen | Der Norden des Kreises Pinneberg ist nicht gerade das Zentrum der Welt. Wer nach Hörnerkirchen zieht, der liebt das Landleben und die Natur. Und doch gab es im 18. Jahrhundert ein Ereignis, das den Hauch der großen weiten Welt nach Hörnerkirchen brachte: Eine glanzvolle Adelshochzeit ließ im Jahr 1761 die Dorfkirche in den Blickpunkt der europäischen Prominenz rücken. Nun hat der Hobby-Historiker und Barmstedter Stadtarchivar Helmut Trede dem fast in Vergessenheit geratenen Ereignis nachgespürt und seine Ergebnisse im Pinneberger Jahrbuch zusammengefasst.

„Wir kennen es alle: Immer wenn Hochzeiten des deutschen oder europäischen Hochadels im Fernsehen übertragen werden, sich die Kommentatoren meist bar jeder kritischen Einschätzung fast überschlagen, in der Folge die glanzvollen Bilder in der Regenbogen-Presse erscheinen, dann sind wir geradezu fasziniert und hingerissen“, schreibt Trede. „Derartige Feste und Feierlichkeiten leben indes überwiegend von der Erinnerung an die oftmals glorreiche Vergangenheit.“

Eine adlige Hochzeit mit einer „noch wirklich bedeutenden, einflussreichen und mächtigen Persönlichkeit“ habe es „tatsächlich auch einmal in Hörnerkirchen gegeben“. Wer waren die im Mittelpunkt stehenden Personen? Der Bräutigam war der seit 1739 amtierende Administrator (Verwalter) der Grafschaft Rantzau, der Witwer Georg Wilhelm Baron von Söhlenthal und seine Angetraute, die Witwe Else (manchmal Ilse geschrieben) von Brandt aus Kopenhagen. Für beide war es die zweite Ehe. Die Trauung wurde am 14. August 1761 durch den Herrn Konsistorialrat und Kirchenprobst Gottfried Gruner aus Elmshorn „in Gegenwart einiger hohen Persohnen“ vollzogen.

„Georg Wilhelm Baron von Söhlenthal war als Administrator der Grafschaft Rantzau, dem nördlichen Teil des heutigen Kreises Pinneberg, die wichtigste und bedeutendste Persönlichkeit in dieser Region“, schreibt Trede. „Zudem war die Hörnerkirchener Kirche auch so etwas wie sein Kind.“

Der Bokeler Historiker Helmut Trede hat die Hochzeit akribisch recherchiert.
Der Bokeler Historiker Helmut Trede hat die Hochzeit akribisch recherchiert. Foto: Wittmaack

Der Baron habe als ihr Förderer wesentlich dazu beigetragen, dass dieses Gotteshaus überhaupt gebaut werden konnte. Sein großer Einfluss bei den zuständigen staatlichen Stellen und insbesondere beim Dänischen König – der in Personalunion bekanntlich auch Herzog von Schleswig und Holstein und damit Landesherr war – seine erheblichen finanziellen Hilfen und seine Kontakte hätten maßgeblich zum Entstehen des Gotteshauses beigetragen.

Er selbst schenkte der Kirchengemeinde 1752 bei der Einweihung vier Stühle mit roten Überzügen, seine damals noch lebende erste Ehefrau Barbara Maximiliane spendete unter anderem zwei Altarleuchter, sowie eine rote Altardecke. „Auch der sich in der Folge entwickelnde Ortsteil Hörnerkirchen, als Teil des alten Bauerndorfes Brande, verdankt seine Entstehung und Weiterentwicklung im Wesentlichen dem Baron von Söhlenthal, der sich stets als fördernder Gönner (unter anderem durch Einrichtung eines Viehmarktes 1764) und Beschützer desselben zeigte“, weiß Trede.

Georg Wilhelm Baron von Söhlenthal wurde am 23. März 1698 in Wien geboren und war Ritter des Elefantenordens, der höchsten Auszeichnung des Königreiches Dänemark, die ihm am 16. Oktober 1760 verliehen wurde. Er amtierte während der Regentschaft zweier dänischer Könige: Friedrich V. (1746-1766) und Christian VII. (1766-1808). Seine Braut Else von Brandt, geb. Berregaard, war die Tochter des Kopenhagener Bürgermeisters Christian Berregaard (1683-1750). Der Sohn der Braut, Enevold von Brandt, war befreundet mit dem Landarzt und zeitweisen Regenten am dänischen Königshof, Johann Friedrich Struensee. Beide wurden wegen Verschwörung und Hochverrat 1772 angeklagt, verurteilt und öffentlich hingerichtet.

Der Bräutigam, der Baron von Söhlenthal, starb aber bereits 1768 und bekam das jähe und schmachvolle Ende seines Stiefsohnes nicht mehr mit. Der Baron wurde in der Barmstedter Heiligen-Geist-Kirche in „dero Begräbnis-Gewölbe in der Stille beygesetzt“. Seine zweite Ehefrau starb am 24. Mai 1793 in Glückstadt und wurde ebenfalls in Barmstedt beigesetzt. „Heute bedeckt ein lückenloser Fliesenfußboden die steinernen Zeugen der Vergangenheit“, schreibt Trede. „Keine Grabtafel und keine Inschrift erinnert gegenwärtig mehr an ihre Existenz.“ Und auch die meisten Einheimischen wissen nichts mehr über die Adelshochzeit, die Hörnerkirchen für einen kurzen Augenblick ins Zentrum der Geschichte rücken ließ.

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erstellt am 23.Apr.2016 | 10:00 Uhr

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