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Lokales

06. Dezember 2016 | 17:11 Uhr

Bahnhof-Sanierung um Jahre verschoben

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Trotz bereitstehender Fördermittel ruht die Instandsetzung des Empfangsgebäudes weiter – der Bahn fehlt es an Planungskapazitäten

„Die Aufenthaltsqualität im Wartebereich ist mittlerweile grenzwertig“, sagt Bürgermeister Wilfried Bockholt. Gemeint ist das deutlich in die Jahre gekommene Interieur des Niebüller Bahnhofgebäudes. Schrammen, Schäden und muffiger Geruch – vor allem in der Nähe der sanitären Anlagen – machen das Warten in dem intensiv von Sylt-Urlaubern und Pendlern genutzten Gebäude nicht gerade zum Vergnügen. Die Gegebenheiten im Empfangsgebäude samt WC führen zu immer mehr Klagen von Bahnreisenden, die sich den schlechten Zustand eines so gut besuchten Bahnhofs nicht erklären können. „Im Sommer kann man auf den Gleisen warten, aber im Winter muss man in diesem Mief hier sitzen“, sagt eine Pendlerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. „An sich sollte sich längst ein anderes Bild bieten“, sagt Bockholt. Doch wann endlich gebaut wird, ist völlig unklar – es fehlt an Planungskapazitäten.

Groß war die Freude im Jahr 2011 über die Erneuerung, Erhöhung und Überdachung der Gleise für 7,5 Millionen Euro, sieben Millionen davon stammten aus Fördermitteln des Bundes und des Landes. Zügig sollten sich die Sanierung und der Umbau des Bahnhofsgebäudes anschließen, doch passiert ist bisher nichts. „Und wir werden auch im nächsten Jahr nicht weiter voran kommen. Vor 2018 wird nichts Konkretes zu vermelden sein“, teilt Christina Scholz von der DB Station&Service AG mit – das Unternehmen mit Sitz in Husum ist Eigentümer des Gebäudes. „Wir werden seit Jahren vertröstet, die Zeit wird vertrödelt. Nach 2011 ist die Planung für die weitere Sanierung nicht konsequent vorangetrieben worden“, kritisiert Wilfried Bockholt.

Geplant sind umfangreiche Bauarbeiten. Der Wartebereich, die Decken, Bodenflächen, die Beleuchtung und die WC-Anlagen sollen neu gestaltet werden. Zudem soll ein großzügiger Eingangsbereich durch die Öffnung des Gebäudes zum Vorplatz entstehen. „Derzeit ist zu Stoßzeiten das Gedränge an den beiden schmalen Seitenausgängen groß“, sagt Wilfried Bockholt. Die Anpassung und Neugestaltung der Gehwege vor dem geplanten breiten Eingangsportal würde die Stadt sogar selbst finanzieren. „Das habe ich den Bahnunternehmen schon mehrfach mitgeteilt, auch das hat nichts bewirkt“, beklagt der Bürgermeister. Im Juli dieses Jahres habe die Stadt „zuletzt bei der DB Station&Service AG genörgelt“.

Großes Interesse an der Sanierung des Knotenpunktes Niebüll hat auch die landeseigene Verkehrsgesellschaft, die NAH.SH GmbH, deren Ziel es ist, möglichst viel Urlaubsverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Auch die NAH.SH sieht die DB Station&Service AG am Zug. Denn diese habe vom Land bereits im Juli 2015 für die Finanzierung der Entwurfsplanung für die Neugestaltung des Empfangsgebäudes Niebüll grünes Licht bekommen, teilt Wiebke Preckwinkel von der Verkehrsgesellschaft auf Anfrage mit. „Die Finanzierung der Bauarbeiten aus Landesmitteln ist grundsätzlich möglich“, sagt Preckwinkel. „Doch dafür muss die DB Station&Service AG bei uns einen Finanzierungsantrag einreichen.“ Doch nicht einmal diesen Antrag gibt es bisher. „Natürlich haben wir den Bahnhof Niebüll auf dem Schirm, kommen aber seit Jahren nicht weiter und werden auch in absehbarer Zeit keinen Förderantrag stellen können“, sagt Christina Scholz. Der Grund ist schlicht, aber unlösbar: „Wir finden kein Planungsbüro, das sich um dieses Bauprojekt kümmern könnte. Deshalb möchte ich für 2017 auch keine Hoffnungen wecken, dass es vorangehen könnte“, sagt die Vertreterin der DB Station&Service AG. Der große Kontrast zwischen der Aufenthaltsqualität im Gleisbereich und im Empfangsgebäude wird also noch einige Jahre weiter zu beklagen sein und den Reisenden zugemutet werden müssen.

Zumindest ist nun begonnen worden, den schlechten Zustand der Toiletten zu verbessern – ein Fortschritt, aber nur ein kleiner Baustein eines großen Bauprojektes. „Mehr ist derzeit leider nicht machbar“, sagt Christina Scholz.

 

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erstellt am 28.Okt.2016 | 18:30 Uhr

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