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Lokales

11. Dezember 2016 | 13:07 Uhr

Bahnchaos: Weitere Waggons und Bus ab Montag

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Brandbrief zeigt Wirkung. Mit einem dramatischen Schreiben haben Bürgermeister Wilfried Bockholt sowie die Spitzenvertreter der Sylter Politik und Verwaltung (wie berichtet) am Donnerstag NAH.SH-Geschäftsführer Bernhard Wewers persönlich für die chaotischen Verhältnisse in den Zügen von Niebüll nach Westerland verantwortlich gemacht und zum sofortigen Handeln aufgefordert. Jetzt kündigte die Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein GmbH zusätzliche Waggons und Triebwagen an, die am Wochenende und Anfang der Woche die prekären Engpässe entschärfen sollen.

Für eine junge Frau, die sich gestern Morgen in dem Zug befand, der völlig überfüllt um 7.31 Uhr in Niebüll startete, kam diese Nachricht zu spät. Sie brach auf dem Weg nach Sylt zusammen. Das Team eines Rettungswagens bestieg in Morsum den Zug und behandelte die Frau. Auch in Niebüll herrschte gestern Morgen noch das bekannte Chaos, wie die Aufzeichnungen von Pendler Achim Bonnichsen zeigen: Ausfall des Zuges um 5.31 Uhr. Der 6.01-Uhr- wird mit dem 5.31-Uhr-Zug gekoppelt. Personen haben den Zug aus Richtung Husum verlassen, kein Sauerstoff, Überfüllung, Platzangst. Der Zug um 6.31 Uhr ist kürzer als angekündigt, in Klanxbüll mussten wieder Leute stehen bleiben. Der Zug um 7.31 ab Niebüll: In zwei Wagen ist der Zustieg nicht möglich, fährt in Klanxbüll durch, später der genannte Notarzt-Einsatz in Morsum, der Zug ab 8.01 Uhr fällt erneut ganz aus.

Wie schätzt Wilfried Bockholt die Ankündigung der NAH.SH ein, weitere Wagen zu stellen: „Wenn ich davon ausgehe, dass die planmäßigen Züge in der vollen Länge von jeweils sechs Einheiten so schon insbesondere zu den Spitzenzeiten morgens und abends häufig bis an den Rand gefüllt sind, kann ich mir nicht vorstellen, dass das, was jetzt auf die Schiene gebracht wird, ausreichend sein kann.“

Der Druck auf Bernhard Wewers wird auch von der Landespolitik verschärft.Auf Initiative der Piratenfraktion haben gestern CDU, FDP und Piraten in einem Dringlichkeitsantrag einen Bericht von Verkehrsminister Reinhard Meyer sowie die „Ergreifung geeigneter Maßnahmen“ gefordert. Meyer bezog Stellung zu dem Desaster und erläuterte die aktuelle Situation. Alle arbeiteten „mit Hochdruck“ an einer Lösung, allerdings müssten die Pendler „auf Sicht“ mit der derzeitigen Situation leben. Ab Montag sollen nun 18 Wagen die Lage etwas mildern, so Meyer.

Gestern Abend um 18.05 Uhr gab es zudem Neues von der Pressestelle von NAH.SH: Sie kündigte für kommende Woche an, dass ein SVG-Bus mit 89 Sitzplätzen morgens um 6.05 Uhr vom Bahnhofsvorplatz Niebüll startet. In Gegenrichtung fährt der Bus um 16.30 Uhr vom ZOB in Westerland ab. Für Besitzer einer Fahrkarte des SH-Tarifs ist die Fahrt kostenlos. Eine Stunde und zehn Minuten soll die Tour dauern, der Bustransfer ist erstmal für fünf Tage geplant. Ab Montag fahren auch wieder die IC Hamburg-Westerland und der Syltshuttle Plus. Gestern Abend meldete der Nahverkehrsverbund, dass die DB beide Fernverbindungen bis zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember für den SH-Tarif freigegeben habe.

Wie sich die Bahnkrise entwickelt, wollen Minister Meyer und Nah.SH-Chef Wewers am Montag vor Ort in Augenschein nehmen. Für zusätzliches Kopfschütteln hat die Nachricht gesorgt, dass die DB ihre Reisezentren in Niebüll (ab Montag) und Westerland jeweils für anderthalb Wochen schließt. Die Räume werden renoviert, es gibt frische Möbel.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 18:37 Uhr

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