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Lokales

26. März 2017 | 05:40 Uhr

Armutsquote im Norden : Arm – Reich: Zerrissenes Schleswig-Holstein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In den Städten explodieren die Mieten – und innerhalb von Schleswig-Holsteins Kreisen gibt es starke Unterschiede.

Die Armut in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. Die Armutsquote lag im Jahr 2015 bei 15,7 Prozent, rein rechnerisch lebten damit rund 12,9 Millionen Menschen unterhalb der „Einkommensarmutsgrenze“. Das geht aus dem neuesten Armutsbericht hervor, an dem zehn soziale Organisationen beteiligt sind und den der Paritätische Gesamtverband am Donnerstag in Berlin vorstellte. „Die Armutsquote hat einen neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung erreicht“, sagte dessen Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. Zehn Jahre zuvor habe die Armutsquote in Deutschland noch bei 14,7 Prozent gelegen.

In Schleswig-Holstein sieht es keineswegs besser aus. „Zwar steht Schleswig-Holstein weiterhin auf einem guten 4. Platz im bundesweiten Vergleich der Armutsquote, doch täuscht diese Platzierung über die Entwicklung und die Verteilung der Armut im nördlichsten Bundesland hinweg“, warnte Günter Ernst-Basten, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Schleswig-Holstein in Kiel. So sei im Vergleich zu 2014 die Armutsquote in Schleswig-Holstein um 5,8 Prozent gestiegen. Der Anteil an der Bevölkerung in Schleswig-Holstein stiegt von 13,8 auf 14,6 Prozent – das entspricht 420.000 Menschen im Norden, die im Jahr 2015 in unterhalb der Einkommensarmutsgrenze lebten.

„Die wirtschaftliche Entwicklung schlägt sich schon lange nicht mehr in einem Sinken der Armut nieder“, sagte Schneider zu den Zahlen. Auffällig sei der Rückgang der Armutsquote in allen ostdeutschen Bundesländern mit Ausnahme Berlins. In den westdeutschen Bundesländern mit Ausnahme Hamburgs und Bayerns sei die Quote dagegen stetig gestiegen (siehe Grafik). Als besondere Problemregionen bezeichnete Schneider die Bundeshauptstadt und Nordrhein-Westfalen, wo die Armutsquote von 14,4 Prozent im Jahr 2005 auf 17,5 Prozent in 2015 gestiegen sei. Bremen sei nach wie vor Schlusslicht im Länderranking, weil jeder Vierte (24,8 Prozent) dort als arm gelte. Am besten stehen Bayern mit 11,6 und Baden-Württemberg mit 11,8 Prozent da.

Wie im Bund zeigen sich auch innerhalb von Schleswig-Holstein starke Unterschiede: Rund um Hamburg – in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Pinneberg, Segeberg und Stormarn – werden sehr hohe Einkommen erzielt und gelten mit 11,5 Prozent nur wenige Menschen als arm. Dagegen sind die kreisfreien Städte und einzelne Regionen wie Steinburg und Dithmarschen (17,6 Prozent) besonders stark von Armut betroffen. „Da zeigen sich Differenzen wie zwischen Bayern und dem Ruhrgebiet“, sagt Jan Dreckmann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband im Norden. „Schleswig-Holstein ist ein extrem zerrissenes Land.“

Mehr noch: Da in den großen Städten „die Mieten explodieren“, hätten hier viele Betroffene kaum noch eine Chance, der Armut zu entkommen. Angesichts immer mehr Menschen, die damit einfach abgehängt werden, sei eines sehr besorgniserregend: „Es wird immer schwerer, ihnen zu vermitteln, dass wir in einer Gesellschaft leben, die zusammenhalten muss“, sagt Dreckmann.  

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erstellt am 03.Mär.2017 | 11:16 Uhr

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