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Lokales

10. Dezember 2016 | 15:44 Uhr

Bauernhof in Dithmarschen : 700 Kühe verwahrlost - Ex-Milchbauer schweigt vor Gericht

vom

Der ehemalige Landwirt soll seine mehr als 700 Kühe vernachlässigt haben - und das war nicht das einzige.

Meldorf/Süderheistedt | Vergammeltes Futter, heillos überfüllte Ställe und meterhoher Dreck: Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz muss sich seit Montag ein ehemaliger Milchbauer aus Dithmarschen vor dem Amtsgericht Meldorf verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, seine mehr als 700 Kühe vernachlässigt zu haben. Bei einer Razzia im Dezember 2014 musste ein Tierarzt fünf Tiere noch vor Ort einschläfern, 47 weitere benötigten dringend medizinische Hilfe.

Ein Großaufgebot von Polizei, Ordnungsamt und Veterinärbehörden brauchte damals zwei Tage, um die Zustände in dem Betrieb zu dokumentieren: „Kollegen berichteten, es sah furchtbar aus - schreckliche Zustände“, sagte Polizeisprecherin Merle Neufeld. Die Behörden waren auf den Milchbauern aufmerksam geworden, nachdem eine „unverhältnismäßig hohe Sterberate von mehreren hundert Rindern und die Nichteinhaltung von ordnungsrechtlichen Auflagen“ bekanntgeworden war.

Das Kreisveterinäramt hatte den Hof des Mannes zuvor schon mehrfach kontrolliert und Mängel bei Tierhaltung und Umweltschutz festgestellt. Der Bauer soll die Auflagen jedoch nicht erfüllt haben. Wegen eines erfolgreichen Befangenheitsantrags der Verteidigung gegen eine Sachverständige war der Prozess in einem ersten Anlauf im Oktober 2015 geplatzt.

Die Behörden hatten anhand der Unterlagen und Bilder die Missstände aufgelistet und ein Strafverfahren wegen mehrerer, wiederholender Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und das Umweltrecht eingeleitet.

Das Gericht muss in einem Indizienprozess zu einem Urteil finden. Zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft schwieg der 47-jährige Angeklagte konsequent. Auch sein Anwalt gab keine Erklärung ab, sondern beschränkte die Verteidigung seines Mandanten zunächst auf Rügen: Der Anklagesatz entspreche nicht den gesetzlichen Vorschriften, warf er dem Staatsanwalt vor. 

Dabei wiegen dessen Vorwürfe schwer. So mussten die eingesetzten Kräfte bei einer Razzia miterleben, wie eine Kuh ein Kälbchen auf dem nackten Betonboden zur Welt brachte, „ohne dass der Angeklagte sich darum kümmerte“, sagte der Staatsanwalt. In anderen Ställen hätten Kälber in fast völliger Dunkelheit leben müssen, und in einem Raum für 19 Tiere waren 83 junge Rinder und Kälber eingepfercht.

An anderen Stellen entdeckten die Kontrolleure bei der Razzia 2014 vergammeltes Futter und verdreckte Tröge, oder eine Mischung aus stinkender Jauche und Mist, der zum Teil bis zu einem Meter hoch den Stallboden bedeckte. An anderen Stellen mussten sich Kälber den Platz mit alten Fässern voll Motoren- und Hydrauliköl teilen. 

Nach Angaben einer Zeugin habe es schon 2010 und in den Jahren davor Hinweise auf Verstöße gegeben: „Da lag die Verantwortung aber meist noch beim Vater“ (des Angeklagten), sagte die Amtstierärztin. Der sitzt jedoch nicht neben seinem Sohn auf der Anklagebank. Ebensowenig wie der zuständige Tierarzt. Der hatte dem Angeklagten immer wieder für die Behörden bescheinigt, dass er auf dem Hof des Milchbauern keine Beanstandungen festgestellt habe. Er hatte weder bemerkt, dass einem Rind ein Horn ins rechte Auge gewachsen war, noch den Klumpfuß eines anderen Tieres, oder das Lahmen vieler Rinder, die sich nach Angaben von Zeugen kaum noch zu den Futtertrögen schleppen konnten.

Das Verfahren wird am 2. Mai fortgesetzt.

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erstellt am 18.Apr.2016 | 16:02 Uhr

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