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03. Dezember 2016 | 18:38 Uhr

Onlinedienste : Wissen, wer was wissen will: Was passiert mit gesammelten Daten?

vom

Wer ins Netz geht, hinterlässt eine Datenspur. Was das genau bedeutet, weiß aber kaum jemand. Dabei ist die Datensammelei kleiner und großer Onlinedienste nicht automatisch schlecht. Ihre Schattenseiten hat sie aber.

Datenschutz ist wichtig. Das sagen Experten, das sagen Unternehmen, das sagen Politiker und Internetnutzer. Aber warum eigentlich? Und warum sammeln so viele Firmen im Netz überhaupt so viele Daten? Was passiert damit - und wann wird es gefährlich? „Viele digitale Dienste funktionieren nur durch die Verarbeitung von Daten“, sagt Susanne Dehmel, Expertin für Datenschutz beim IT-Verband Bitkom. Daten werden so zum Treibstoff des modernen Internets: Wer etwas online bestellen will, muss seinen Namen eingeben, wer bezahlt, seine Kreditkartennummer. Und ohne Adresse keine Lieferungen.

Onlinedienste sammeln viele Informationen über ihre Nutzer. Manchmal verkaufen sie sie auch. In den falschen Händen können die Daten, die sich zu Profilen zusammensetzen lassen, viele Nachteile für die User bringen.

Dabei handelt es sich immer um Daten, die der Nutzer freiwillig und aktiv eingibt. Daneben existiert allerdings noch eine zweite Kategorie persönlicher Informationen, die bei der Interaktion mit einem Dienst automatisch entstehen. Das können zum Beispiel die Inhalte von E-Mails und Nachrichten sein, Suchanfragen in Online-Shops oder der Aufenthaltsort bei einem Kartendienst.

Die meisten Anbieter werten auch solche Daten aus. Ziel ist dabei zunächst, den Service zu verbessern. „Wenn Sie ständig nach Golf-Zubehör suchen, bekommen Sie entsprechende Angebote irgendwann automatisch angezeigt“, sagt Christoph Meinel, Direktor des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam. Die Datenverarbeitung nützt hier also zuerst dem Verbraucher. „Grundsätzlich werden die Daten nicht gesammelt, um Menschen zu ärgern, sondern um ihnen jeden Wunsch von den Augen abzulesen“, so Meinel. „Weil das ein gutes Geschäft ist.“

Allerdings hört das Geschäft mit den Daten hier noch nicht auf. Viele Anbieter treiben mit den gesammelten Informationen und daraus gebildeten Profilen Handel. „Dann bekommen Sie die Angebote irgendwann auch von anderen Anbietern“, sagt Meinel. Auch das mag einerseits praktisch sein, andererseits kann es aber negative Konsequenzen haben. „Was Sie kaufen, verrät aber auch immer mehr über Sie - zum Beispiel, wie finanzkräftig Sie sind“, so Meinel. „Wer immer teure Sachen kauft, bekommt dann irgendwann günstige Angebote vielleicht gar nicht mehr gezeigt.“ Oft verkaufen Anbieter gesammelte Daten aber auch nicht, sondern nutzen sie selbst für zielgerichtete Werbung. Schließlich wissen manche Dienste vom Alter über das Geschlecht bis zu Vorlieben sehr viel über ihre Nutzer. So können sie ihren Werbekunden garantieren, dass Anzeigen bei der richtigen Zielgruppe landen - und auch nur da.

Solche zielgerichtete Werbung ist das zentrale Geschäftskonzept von Online-Diensten wie Google oder von sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. „Oft ist das die einzige Möglichkeit für die Unternehmen, mit solchen Diensten überhaupt Geld zu verdienen“, sagt Susanne Dehmel. Der Nutzer profitiert davon, weil er für die Dienste von Google und Co kein Geld bezahlen muss. „Das ist eine Transaktion zwischen Nutzer und Anbieter“, so Dehmel. „Bestimmte Leistungen gibt es eben nur zu bestimmten Konditionen.“ Mit gesammelten, verkauften und für Werbung genutzten Daten kursieren über jeden Internetnutzer also zahlreiche Informationen im Netz. Wer genau was weiß, ist für den Einzelnen kaum nachvollziehbar. Das finden längst nicht alle Nutzer gut: Nach einer Studie von TNS Emnid im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) machen sich knapp zwei Drittel der Umfrageteilnehmer (63 Prozent) große oder sehr große Sorgen darüber, dass sie nicht wissen, wer ihre Daten nutzt.

Jede einzelne Information in den Datensammlungen verschiedener Online-Dienste mag noch harmlos sein. Anders liegt der Fall, wenn aus Schnipseln ein Gesamtbild entsteht. „Wenn ein Dienst Informationen aus mehreren Profilen zusammenfügt, weiß er vielleicht sogar noch mehr über Sie“, sagt Christoph Meinel. „Darunter können auch Sachen sein, die gar nicht jeder wissen soll. Zum Beispiel, wo sie sich nach Feierabend aufhalten, oder ob sie ständig Wein bestellen.“ Endgültig zur Gefahr werden solche Informationen, wenn sie in die falschen Hände geraten - zum Beispiel durch einen Hackerangriff auf die Server der Dienste. „Damit können Sie auch erpressbar werden“, warnt Meinel. Kriminelle können die Informationen aber auch etwa zum Identitätsdiebstahl nutzen, und dann auf fremde Kosten einkaufen.

Verbraucher müssen sich also nicht nur darauf verlassen können, dass ihre Online-Dienstleister keinen Unfug mit Daten anstellen - Sie müssen auch sicher sein, dass er die Daten gut schützt. „Das liegt immer ein wenig in der Verantwortung des Konsumenten, mich darüber zu informieren, mit welchem Anbieter ich mich einlasse“, sagt Meinel.

Das Kleingedruckte
Was bei einem Anbieter mit den Daten passiert, verrät theoretisch die Datenschutzerklärung, deren kleingedrucktes Juristendeutsch allerdings kaum jemand lesen will. Grund dafür sind die komplexen Vorschriften zum Datenschutz: „Die Anbieter müssen sehr viele Informationen geben, um sich rechtskonform zu verhalten“, erklärt Susanne Dehmel. „Das führt dann zum Beispiel zu unübersichtlichen Datenschutzbestimmungen.“ Das Problem haben inzwischen aber auch manche Anbieter erkannt, sagt die Datenschutzexpertin. Einige Dienste stellen deshalb jenseits des Kleingedruckten übersichtlichere Informationen zu den gesammelten Daten bereit. Ein Beispiel dafür ist zum Beispiel Google mit seinem Dashboard. Gut möglich, dass es solche Angebote in Zukunft noch öfter gibt, sagt Susanne Dehmel. Anlass zur Sorglosigkeit des Verbrauchers sei das noch nicht. „Es geht am Ende aber nicht ohne Mitarbeit des Nutzers. Man muss sich schon ein wenig damit beschäftigen.“ dpa
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erstellt am 10.Nov.2016 | 13:01 Uhr

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