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10. Dezember 2016 | 04:10 Uhr

„Aftenposten“ : Streit um Kriegsfoto: Norwegische Zeitung wirft Facebook Zensur vor

vom

Es ist ein dramatisches Foto aus dem Vietnamkrieg: Ein nacktes Mädchen läuft nach einer Napalm-Attacke weinend über die Straße. Facebook löschte einen Artikel mit dem Bild, weil dort ein nacktes Kind zu sehen sei.

Oslo | Die größte norwegische Zeitung „Aftenposten“ wirft Facebook Zensur vor, nachdem ein berühmtes Foto aus dem Vietnamkrieg von der Seite des Blatts beim Online-Netzwerk gelöscht wurde. Das Bild zeigt ein kleines Mädchen, das nach einer Napalm-Attacke nackt über eine Straße läuft. Am Freitag veröffentlichte die Zeitung einen offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg, in dem sich Chefredakteur Espen Egil Hansen gegen die Maßnahme wehrte, die das soziale Netzwerk mit seinen Regeln zu Nacktheit begründet habe.

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook Fotos oder Abbildungen von Kunstwerken entfernt, weil sie gegen Richtlinien des Online-Netzwerks zur Abbildung von Nacktheit oder Gewalt verstießen. Da für immer mehr Menschen Online-Netzwerke zu einer zentralen Nachrichtenquelle werden, gibt es unter anderem in der Medienbranche große Sorgen, das Informationen sie nur noch gefiltert erreichen, sei es durch Software-Algorithmen oder Facebook-Mitarbeiter, die mit der Einhaltung der Regeln betraut sind.

„Ich finde, dass Sie Ihre Macht missbrauchen, und ich tue mich schwer damit zu glauben, dass Sie das gründlich durchdacht haben“, schrieb der Journalist. Er sei „verärgert, enttäuscht“ und besorgt darüber, dass „das wichtigste Medium der Welt Freiheit einschränkt anstatt zu versuchen, sie auszuweiten, und dass das gelegentlich auf eine autoritäre Weise passiert“.

 

 

Facebook erklärte in einer Reaktion am Freitag, es sei schwierig, bei Fotografien mit nackten Kindern einen Unterschied zu machen und die Veröffentlichung in einem Fall zu erlauben und in einem anderen nicht. „Wir versuchen, die richtige Balance zu finden zwischen der Möglichkeit für Menschen, sich auszudrücken, und einer sicheren und respektvollen Umgebung für unsere globale Gemeinschaft. Unsere Lösungen werden nicht immer perfekt sein, aber wir werden versuchen, unsere Regeln und die Art, wie wir sie anwenden, zu verbessern.“

 

 

Die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg veröffentlichte am Freitag das Vietnam-Bild aus Solidarität ebenfalls auf ihrer Facebookseite und kommentierte, das Unternehmen „ziehe die falschen Schlussfolgerungen, wenn es solche Fotos zensiert“. Kurz darauf war das Bild von Solbergs Facebookseite wieder verschwunden. Wer das Foto entfernt hat, war zunächst unklar.

Die Aufforderung an die Zeitung, das Bild zu entfernen, sei am Mittwochmorgen in Form einer E-Mail vom Hamburger Facebook-Büro gekommen, erklärte der „Aftenposten“-Chefredakteur. „Weniger als 24 Stunden, nachdem die E-Mail abgeschickt worden war, und bevor ich Zeit hatte, zu antworten, sind Sie selbst eingeschritten und haben den Artikel und das Bild von der Facebookseite von “Aftenposten„ entfernt“, schrieb Egil Hansen.

In dem Artikel auf der Facebook-Seite hatte die Zeitung über den norwegischen Autor Tom Egeland berichtet, den das soziale Netzwerk vor einigen Wochen blockiert hatte, nachdem er sieben berühmte Kriegsfotos - darunter das mit dem nackten Mädchen - auf seiner Facebook-Seite gepostet hatte. Wegen der Veröffentlichung erlitt die Zeitung nun dasselbe Schicksal.

DJV: Facebook greift in Pressefreiheit ein

Der Deutsche Journalisten-Verband kritisiert das Online-Netzwerk stark. „Man muss von Facebook so viel Medienkompetenz erwarten dürfen, dass eine Unterscheidung zwischen einem zeitgeschichtlichen Dokument und Kinderpornografie vorgenommen wird“, sagt der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall am Freitag. Das gelte vor allem dann, wenn das Bild auf der Facebook-Seite einer renommierten Tageszeitung stehe. „Welche Inhalte eine Zeitung veröffentlicht, muss die Entscheidung der Redaktion bleiben.“ Alles andere sei ein Eingriff in die Pressefreiheit.

Facebook habe weder die Aufgabe noch die Kompetenz, medienethische Weichenstellungen vorzunehmen, sagte Überall weiter. Wenn Facebook in diesem Fall die öffentliche Auseinandersetzung scheue, müssten vor allem diejenigen Verlage kritische Fragen stellen, die sich an dem Projekt Instant Articles von Facebook beteiligten.

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erstellt am 09.Sep.2016 | 16:25 Uhr

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