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03. Dezember 2016 | 20:42 Uhr

Landtagswahl in MV 2016 : „Scheiss Nazis!!!“ – Was bringen Pauschalvorwürfe gegen die AfD?

vom

Das starke Abschneiden der Partei sorgt bei vielen Politikern für Unverständnis und Kopfschütteln. Ihren Unmut bringen sie deutlich zum Ausdruck – teilweise sogar mit Beschimpfungen.

Der CDU-Politiker Albert Stegemann zeigt sich entsetzt über das Abschneiden der AfD in Mecklenburg-Vorpommern. „Scheiss Nazis!!!“, schreibt der Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Mittelems (südliches und mittleres Emsland, Grafschaft Bentheim) am Sonntagabend auf seiner Facebook-Seite.

Damit tritt er eine Debatte los, in der es unter anderem um die Frage geht, ob solche Beschimpfungen tatsächlich hilfreich sind im Umgang mit den Rechtspopulisten.

 

Mehr als 50 Mal wurde der Beitrag des Politikers bereits geteilt, weit über 100 Kommentare finden sich unter dem Posting. In den meisten davon üben die Nutzer deutliche Kritik an den Worten des CDU-Politikers. „Langsam aber sicher müssen wir mit den dumpfen Beleidigungen aufhören und inhaltliche Arbeit leisten und die Unzufriedenheit erfassen. Beleidigungen stärken nur diese Rechtspopulisten“, „Ein Protestwähler ist noch lange kein Nazi“, „Anstatt immer einfach zu verurteilen sollte man vielleicht mal ergründen warum so viele AfD wählen?? Vielleicht hat man einfach genug von dem was diese Regierung so verzapft!“, lauten einige der kritischen Äußerungen auf Facebook.

Der Hauptvorwurf an Stegemann: AfD-Politiker und die Wähler der Partei kategorisch zu diffamieren, sei nicht hilfreich. Vielmehr müssten sich die etablierten Parteien fragen, warum so viele Bürger ihr Kreuzchen bei der AfD machen würden. Der CDU-Politiker erklärt seinen Post übrigens mit den Worten, ihm sei „spontan einfach nur danach gewesen.“

Nichtsdestotrotz ist er nicht der einzige Politiker, der sich nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern zu einer Generalkritik an AfD und deren Wählern hat hinreißen lassen. Der Grünen-Politiker Daniel Mack, der zwischen 2012 und 2014 Abgeordneter im Hessischen Landtag war, twitterte am Sonntag nach den ersten Hochrechnungen „#MecklenburgVorpommern, das am dümmsten besiedelte Bundesland. #AfD“ sowie „Das ist ein brauner Sonntag.“

 

Auch Familienministerin Manuela Schwesig und Cem Özdemir, der Bundesvorsitzende der Grünen, nannten die AfD am Sonntag indirekt eine demokratiefeindliche Partei. Die demokratischen Parteien müssten sich nun unterhalten, wie sie mit der AfD umgehen, so der Tenor der beiden Politiker. Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel hat die AfD schon mal indirekt mit den Nationalsozialisten verglichen. Ähnlich äußerte sich Ralf Stegner, der SPD-Vizevorsitzende, vor einigen Monaten im Talk bei Sandra Maischberger. „Das ist keine normale Partei, das sind Demokratiefeinde“, sagte er damals in Richtung der AfD. Sowohl Gabriel als auch Stegner bemängelten dabei vor allem die angebliche Nazi-Rhetorik der AfD-Mitglieder.

Ob die Partei nun demokratiefeindlich ist oder nicht: Die deutliche Kritik an der AfD hat bisher nicht viel gebracht – das zeigt auch das Wahlergebnis vom Sonntag. Möglicherweise hat sie den etablierten Parteien sogar geschadet. Legt man die Kommentare unter dem Post von Albert Stegemann für die Bewertung zugrunde, werden die Beleidigungen eher als ein Zeichen von Arroganz und Hilflosigkeit gewertet.

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erstellt am 05.Sep.2016 | 13:30 Uhr

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