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29. September 2016 | 22:24 Uhr

Fatwa von Ayatollah Ali Khameini : Protest im Netz: Warum Radfahren für Frauen im Iran jetzt politisch ist

vom

Im Iran verbietet eine Fatwa Frauen das Radfahren - in den sozialen Netzwerken gibt es Protest aus aller Welt.

Im Iran gibt es ein neues Radfahr-Verbot für Frauen - und weltweit protestieren Frauen im Netz unter dem Hashtag #IranWomenLoveCycling dagegen. Sie posten Fotos und Videos - das erfolgreichste, über das auch der „Independent“ berichtet, zeigt eine Mutter und ihre Tochter und wurde bislang knapp 100.000 Mal angeschaut.

Im Iran war Radfahren für Frauen zwar bis zuletzt nicht verboten, aber schon immer gesellschaftlich unerwünscht. Ayatollah Ali Khameini, politischer und religiöser Führer des Landes, hat diese Haltung jetzt in ein Verbot ausgeweitet. Er erließ eine Fatwa, die es Frauen verbietet, in der Öffentlichkeit und vor Fremden Rad zu fahren. Das Radfahren „liefere die Gesellschaft der Verderbnis aus“ und laufe auf diese Weise „der Keuschheit der Frauen zuwider“, heißt es in dem Rechtsgutachten.

Khameini gilt als regiliöser Fundamentalist. Er hatte sich bereits in der Vergangenheit frauenfeindlich geäußert und empfohlen, Frauen sollten sich „um die Mutterschaft und den Haushalt kümmern“.

Darum geht es in dem Video:

In dem Video ist zu sehen, wie Mutter und Tochter unter Tüchern verhüllt mit dem Rad fahren. Die Tochter erklärt dabei in die Kamera, worum es ihnen bei der Protestaktion geht:

„Meine Mutter und ich sind aus Teheran. Fahrrad fahren ist Teil unseres Lebens. Wir sind hier, weil wir gehört haben, dass Ayatollah Khameinis Fatwa Frauen das Radfahren verbietet. Wir haben auf der Stelle zwei Fahrräder gemietet, um zu zeigen, dass wir das Radfahren nicht aufgeben. Es ist unser Recht und wir werden es nicht aufgeben.“

 

Das Video ist der Startschuss für eine Kampagne, die auf Instagram fortgesetzt wurde: Unter dem Hashtag #IranWomenLoveCycling zeigen Iranerinnen im In- und Ausland, dass sie sich demonstrativ den Verboten der Ayatollahs widersetzen.



Initiiert wurde die Aktion von der Aktivistengruppe „My Stealthy Freedom“. Dahinter steckt die heute in London lebende Journalistin Masih Alinejad. Im Jahr 2015 bekam Alinejad den „Women’s Rights Award“ von dem „Geneva Summit for Human Rights and Democracy“ für ihren Einsatz beim Kampf der iranischen Frauen für menschliche Grundrechte, Freiheit und Gleichberechtigung.

Erste Festnahmen im Sommer

Bereits im Juli ließ das iranische Regime eine Gruppe von Frauen verhaften, die in der Öffentlichkeit Fahrrad fuhren. Damals informierten staatliche Sicherheitskräfte die Frauen und Mädchen darüber, dass es eine neue Regierungsinitiative gibt, die Frauen das Fahrrad fahren in der Öffentlichkeit verbietet und das sie damit gegen „das Gesetz verstoßen“.

Die unterdrückende Polizei forderte die Frauen und Mädchen auf, dass sie Erklärungen unterschreiben, in denen sie den „Verstoß“ des öffentlichen Fahrradfahrens anerkennen.

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erstellt am 21.Sep.2016 | 18:01 Uhr

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