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10. Dezember 2016 | 00:10 Uhr

Tag der Deutschen Einheit : Pegida-Demonstranten bepöbeln Politiker in Dresden

vom

Angela Merkel, Joachim Gauck und Norbert Lammert sind zusammengekommen. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zum Tag der deutschen Einheit zu gegenseitigem Respekt und Dialogbereitschaft aufgerufen. 26 Jahre nach der Wiedervereinigung sei der Tag der Einheit für die allermeisten Deutschen nach wie vor ein Tag der Freude und Dankbarkeit, sagte die CDU-Chefin am Montag vor dem zentralen Festakt in Dresden. Es gebe aber auch neue Probleme. „Und ich persönlich wünsche mir, dass wir diese Probleme gemeinsam, in gegenseitigem Respekt, in der Akzeptanz sehr unterschiedlicher politischer Meinungen lösen und dass wir auch gute Lösungen finden.“

Die Kanzlerin, Bundespräsident Joachim Gauck und andere Gäste waren vor dem Festakt von mehreren hundert Demonstranten beschimpft und angepöbelt worden, darunter vor allem Anhänger des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses. Sie riefen „Volksverräter“, „Haut ab“ und „Merkel muss weg“. Auch Trillerpfeifen ertönten. Zu den Demonstranten gehörte auch der Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann.

Die Frau des Ministerpräsidenten, Veronika Tillich, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), Su Yeon Hilbert, Frau des Dresdner Oberbürgermeisters, Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Die Frau des Ministerpräsidenten, Veronika Tillich, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), Su Yeon Hilbert, Frau des Dresdner Oberbürgermeisters, Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Foto: dpa

„Diejenigen, die heute besonders laut pfeifen und schreien und ihre erstaunliche Empörung kostenlos zu Markte tragen, die haben offenkundig das geringste Erinnerungsvermögen daran, in welcher Verfassung sich diese Stadt und dieses Land befunden haben, bevor die deutsche Einheit möglich wurde. Deshalb gilt mein besonderer Respekt all den Menschen hier in Dresden, in Sachsen, in Thüringen, in Sachsen-Anhalt, in Brandenburg, in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin, die wissen, was sie selbst in diesen Jahren geleistet und nicht vergessen haben, dass andere ihnen dabei geholfen haben“, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert in seiner Festrede.

Norbert Lammert in Dresden.

Norbert Lammert in Dresden.

Foto: dpa
 

Die Gäste, die auf dem Weg zu den Feierlichkeiten waren, sahen sich zuvor einem Spießrutenlauf ausgesetzt. Die Frau des sächsischen Wirtschaftsministers Martin Dulig (SPD) brach in Tränen aus, als sie durch die aufgebrachte Menge ging. Ein dunkelhäutiger Mann, der zum Gottesdienst wollte, wurde mit Affenlauten und „Abschieben“-Rufen geschmäht.

 

Nach einem ökumenischen Gottesdienst in der Dresdner Frauenkirche begann am Mittag der zentrale Festakt in der Semperoper. Festredner waren Bundestagspräsident Norbert Lammert sowie Bundesratspräsident und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (beide CDU). Tillich rief dazu auf, mit Worten gewisse Grenzen nicht zu überschreiten. „Beschämt erleben wir, dass Worte die Lunte legen können für Hass und Gewalt“, sagte er in seiner Festrede. „Das ist menschenverachtend und zutiefst unpatriotisch.“

Die Sächsische Staatskanzlei meldete sich dazu via Twitter zu Wort:

 

Die Feiern finden unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Mit rund 2600 Beamten sichert die Polizei die Veranstaltungen ab. „Um Zugang der Ehrengäste zu den Protokollveranstaltungen am Neumarkt zu gewährleisten, mussten Personen zurückgedrängt werden“, teilte die Polizei via Twitter mit.

In ganz Dresden waren für Montag fast ein Dutzend Demonstrationen angemeldet. Ein linksradikales Bündnis hat Proteste und „kreative Aktionen“ angekündigt. Das fremden- und islamfeindliche Pegida-Bündnis hat für den Nachmittag zu einer Demonstration aufgerufen, außerdem will das mittlerweile mit Pegida verfeindete rechte Bündnis „Festung Europa“ gegen die Flüchtlingspolitik protestieren.

Bei Twitter finden sich unter dem Hashtag #TdDE2016 zahlreiche Videos und Diskussionsbeiträge zum Thema:

 
 
 

Bereits am Sonntag sorgten ein Brandanschlag auf drei Polizeifahrzeuge sowie Pöbeleien gegen Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) für Aufregung. Vor einer Woche hatte Unbekannte Sprengstoffanschläge auf eine Moschee und das Kongresszentrum verübt, wo am Montagnachmittag der Empfang des Bundespräsidenten stattfinden sollte.

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erstellt am 03.Okt.2016 | 10:58 Uhr

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