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03. Dezember 2016 | 01:28 Uhr

Möglicher IS-Hintergrund : Nahe Paris: Angreifer tötet Polizisten und dessen Frau

vom

Der Täter verschanzt sich im Haus der Polizistenfamilie und beruft sich auf die Terrormiliz IS. Der Messerangriff im Umland von Paris ruft während der EM die Sorge vor Anschlägen wach. Die Behörden halten sich bedeckt.

Paris | Während des tödlichen Angriffs auf eine Polizistenfamilie in Frankreich hat sich der Täter auf die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) berufen. Der Täter hatte am Montagabend in Magnanville zunächst einen 42 Jahre alten Kriminalkommissar vor dessen Haus erstochen und sich dann im Gebäude verschanzt. Als Spezialkräfte das Haus stürmten und den Mann erschossen, fanden sie die Leiche der Lebensgefährtin des Polizisten, die als Sekretärin in einem Kommissariat arbeitete. Der dreijährige Sohn des Paares blieb unversehrt, stand aber unter Schock. Den Doppelmord bezeichnete Frankreichs Präsident Hollande „zweiffellos ein Terrorakt“. Das Paar sei „feige von einem Terroristen ermordet worden“, sagte Hollande am Dienstag in Paris. „Frankreich steht einer sehr großen terroristischen Bedrohung gegenüber.“ Das gelte aber nicht nur für Frankreich, sagte er unter Verweis auf die Gewalttat von Orlando.

Im Vorfeld der laufenden Fußball-EM hatten Behörden immer wieder auf eine anhaltend hohe Terrorgefahr in Frankreich hingewiesen. Nach übereinstimmenden Angaben gab es aber keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne gegen das Turnier.

Die Attacke genau sieben Monate nach den Pariser Terroranschlägen vom 13. November fällt mit der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich zusammen, die aus Furcht vor Anschlägen von Zehntausenden Polizisten geschützt wird.

Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft zog den Fall aufgrund des Vorgehens, des Ziels und der Äußerungen des Täters an sich. Der Mann habe sich bei Verhandlungen mit der Polizei-Spezialeinheit RAID auf den IS berufen. Die von der Terrormiliz als Sprachrohr genutzte Nachrichtenagentur „Amaq“ berichtete zudem unter Verweis auf eine nicht näher spezifizierte Quelle, dass der Täter Kämpfer des IS gewesen sei.

Nach französischen Medienberichten war der Täter wegen Terrorismus vorbestraft. Es handele sich um einen 25-jährigen Franzosen, der 2013 zu drei Jahren Haft verurteilt worden sei, berichteten die Zeitung „Le Monde“ und der Sender Europe 1 übereinstimmend. Sechs Monate der Strafe seien zur Bewährung ausgesetzt worden. In dem Prozess ging es demnach um ein Netzwerk, das Dschihadisten in das pakistanisch-afghanische Grenzgebiet brachte. Der Mann sei wegen „krimineller Vereinigung zur Vorbereitung von Terrorakten“ schuldig gesprochen worden, so „Le Monde“ unter Berufung auf Justizkreise. Eine offizielle Bestätigung für diese Informationen gab es zunächst nicht.

Mehrere Medien berichten außerdem, dass der Attentäter seinen Angriff über seinen Facebook-Account übertragen haben soll. Der als Dschihadismus-Experte geltende Journalist David Thomson, der für den französischen Sender RFI arbeitet, berichtete auf seinem Twitter-Account davon. Andere Medien beriefen sich auf entsprechende Angaben von Ermittlern. Der Attentäter soll auch Fotos seiner Opfer gepostet haben. Eine Bestätigung für diese Informationen gab es bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Paris zunächst nicht. Der Facebook-Account soll inzwischen gelöscht worden sein.

Nach Angaben von Thomson veröffentlichte der Täter auch eine Aufforderung, Polizisten, Gefängniswärter, Journalisten und Rap-Musiker zu töten. Dabei habe er zahlreiche Namen genannt. Das Kind sei auf einem Sofa zu erkennen gewesen. Der Attentäter habe gesagt, er wisse noch nicht, was er mit dem Kind machen solle. Das Kind wurde von den Polizisten befreit und blieb unversehrt, stand aber unter Schock. Bei der Attacke soll der Mann laut Augenzeugen auf Arabisch „Allah ist groß“ gerufen haben, wie die Zeitung „Le Parisien“ berichtete.

„In diesem Moment ist der Schmerz unermesslich“, sagte der Präfekt des Départements Yvelines, Serge Morvan. Eine Anwohnerin bezeichnete das Viertel, in dem sich die Tat ereignete, vor französischen Journalisten als ruhig: „Hier passiert nie etwas.“ Innenminister Bernard Cazeneuve brachte in einer Pressemitteilung und auf Twitter seine Trauer zum Ausdruck.

 

Frankreich war im vergangenen Jahr mehrfach Ziel islamistischer Terroranschläge, denen insgesamt 149 Menschen zum Opfer fielen. Die schwerste Anschlagserie ereignete sich am 13. November, als IS-Terroristen mit Sturmgewehren und Sprengstoffgürteln im Pariser Musikclub „Bataclan“, am Stade de France sowie in Bars und Restaurants der Hauptstadt 130 Menschen ermordeten.

Nach dem jüngsten Massaker in einem vor allem von Homosexuellen besuchten Club in der US-Großstadt Orlando hatte die IS-nahe Agentur „Amaq“ ebenfalls behauptet, der Täter gehöre zu der Terrororganisation. Auch dort hatte sich der Todesschütze im Kontakt mit der Polizei zu islamistischen Terrororganisationen bekannt, allerdings passen seine verschiedenen Äußerungen nach Angaben der US-Bundespolizei FBI dem ersten Anschein nach nicht zusammen.

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erstellt am 14.Jun.2016 | 13:10 Uhr

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