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26. September 2016 | 09:02 Uhr

Flüchtlingslager Lesbos : Nach Feuer: 18 Flüchtlinge festgenommen

vom
Aus der Onlineredaktion

3000 Menschen flohen vor den Flammen. Die Lage auf der Insel war bereits zuvor angespannt.

Athen  | Nach dem Brand in einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos hat die Polizei 18 Flüchtlinge und Migranten festgenommen. Die Männer aus Afghanistan, Kamerun, Senegal und Syrien stünden im Verdacht, für die Brandstiftung und die Krawalle inner- und außerhalb des sogenannten Hotspots der Insel verantwortlich zu sein, berichtete die Athener Tageszeitung „Kathimerini“ am Dienstag. Mindestens neun von ihnen sollen dem Haftrichter vorgeführt werden.

Weil alle Flüchtlinge, die nach dem 20. März illegal nach Griechenland eingereist sind, Asyl beantragen können und die Verfahren sich in die Länge ziehen, wurden erst rund 500 Menschen zurück in die Türkei geschickt. Neuankömmlinge werden auf den griechischen Inseln festgehalten, so dass die Auffanglager schon überfüllt sind - auch „Moria“. Das trägt zur angespannten Lage bei.

Im überfüllten Auffanglager „Moria“ war es am Montagabend zu Krawallen und Brandstiftung gekommen. Die mehr als 3000 Bewohner des Lagers flohen vor den Flammen und verteilten sich auf der Insel. Mehr als 60 Prozent der Einrichtung sollen durch das Feuer zerstört worden sein, verletzt wurde jedoch niemand.

„Der Hotspot von Moria gleicht einem Schlachtfeld“, sagte Inselreporter Giannis Sinanis am Dienstagmorgen im Fernsehsender Skai. Sinanis, der auf Lesbos die Online-Zeitung Lesvos News betreibt, machte die Regierung für die Vorfälle verantwortlich. „Wir warnen schon lange davor, dass die Situation eskalieren wird. Nun ist es soweit.“

Die Polizei der Insel stehe von Dienstag an vor einem großen Problem: Wohin mit den vielen tausend Menschen, die vor den Flammen im Hotspot fliehen mussten? „Es heißt, die Regierung will zusätzlich Bereitschaftspolizisten herschicken, aber das löst das Problem nicht“, so Sinanis. Auch Pläne, wonach eine Fähre im Hafen der Inselhauptstadt Mytilini als schwimmendes Ausweichlager eingesetzt werden soll, seien nicht umsetzbar. „Erstens ist die Inselbevölkerung dagegen, die schon lange unter der großen Zahl der Flüchtlinge leidet. Und zweitens wird sich nach den Vorfällen am Montagabend keine Fährgesellschaft finden, die eine Fähre bereitstellt“, so Sinanis.

Schon in den vorhergehenden Tagen war die Situation auf Lesbos angespannt; mehr als 500 Bürger hatten am Wochenende gegen den überfüllten Hotspot protestiert, darunter auch Mitglieder der rechtsextremistischen griechischen Partei „Goldene Morgenröte“. Am Montag kam es dann in den Reihen der Flüchtlinge Krawalle und auch zu Brandstiftung, deren Ursache noch nicht endgültig feststehen.

Die griechische Agentur ANA berichtete, Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Migrantengruppen hätten dazu geführt; bei der Athener Tageszeitung „Kathimerini“ hieß es, im Lager habe es Gerüchte gegeben, nach denen erneut Abschiebungen von Migranten in die Türkei geplant seien, weshalb die Situation eskaliert sei.

Hintergrund: Lesbos und die Flüchtlingskrise

Kaum eine griechische Insel war in den vergangenen zwei Jahren so stark von der Flüchtlingskrise betroffen wie Lesbos. Zu Höchstzeiten des Flüchtlingszustroms in den Monaten August bis November 2015 landeten teilweise täglich mehr als 7000 Menschen an den Stränden und felsigen Ufern der Insel an.

Die drittgrößte griechische Insel (nach Kreta und Euböa) war denn auch die erste, die auf den Flüchtlingszustrom reagierte und ein Flüchtlingslager, einen sogenannten Hotspot, sowie andere Unterkünfte installierte.

Derzeit halten sich auf Lesbos mehr als 5500 Flüchtlinge und andere Migranten auf. Die meisten von ihnen werden seit dem Inkrafttreten des Flüchtlingspakts zwischen der EU und der Türkei im gefängnisähnlichen Hotspot „Moria“ festgehalten. Er ist für 1500 Menschen ausgelegt, aber stark überbelegt. Die Lagerbewohner sollen gemäß des Flüchtlingspaktes in die Türkei zurückgebracht werden. Immer häufiger kommt es in Moria und anderen überfüllten Flüchtlingslagern zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.

 

Fest steht: Bereits im Laufe des Montags hatten mehrere hundert Migranten gegen die angeblich drohende Abschiebung protestiert. Am Nachmittag sei dann an verschiedenen Stellen inner- und auch außerhalb des Lagers Feuer gelegt worden, berichtete die griechische Zeitung „To Vima“. Zunächst seien deshalb mehr als 100 Minderjährige aus dem Lager in Sicherheit gebracht worden.

Später sei die Lage dann außer Kontrolle geraten und die über 3000 Bewohner des Lagers seien geflohen. Viele machten sich demnach zu Fuß auf den Weg zur rund sechs Kilometer entfernten Inselhauptstadt Mytilini, in deren Hafen die Fähren Richtung Athen ablegen. Schon länger fordern die Flüchtlinge, aufs griechische Festland reisen zu dürfen, um den Zuständen im Hotspot zu entkommen, aber auch in der Hoffnung, sich von Athen aus weiter nach Mittel- und Nordeuropa durchschlagen zu können.

Die Situation der Flüchtlinge auf den griechischen Ägäis-Inseln verschlechtert sich stetig. Die Auffanglager sind überfüllt, die Menschen fürchten ihre Abschiebung in die Türkei, die der europäisch-türkische Flüchtlingspakt seit März vorsieht. Immer wieder kommt es zu Krawallen und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Auch die Inselbewohner wollen die Situation nicht länger hinnehmen - auf Lesbos und auch auf der Insel Chios gab es in den vergangenen Tagen wiederholt Demonstrationen gegen die Flüchtlingslager.

In Moria auf Lesbos sollen 1500 Menschen Platz finden. Zuletzt harrten dort bis zu 3000 Flüchtlinge aus. Insgesamt leben nach Angaben des griechischen Flüchtlingskrisenstabs bereits mehr als 13.000 Migranten auf den InselnLesbos, Kos, Chios, Leros und Samos.

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erstellt am 20.Sep.2016 | 11:24 Uhr

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