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09. Dezember 2016 | 14:41 Uhr

Bedrohung für Orang-Utans und Klima : In diesen Produkten ist Palmöl drin

vom

Palmöl sollte einmal das Klima retten. Nun tut es das Gegenteil – und ist in der Hälfte aller Supermarktprodukte enthalten. Eine Auswahl.

Tausende Naturschützer aus aller Welt treffen sich Anfang September zur Cites-Artenschutzkonferenz auf Hawaii - Kräfte bündeln, um bedrohte Lebensräume zu erhalten, lautet ihr Motto. Eines der Themen ist die Palmöl-Produktion die den Lebensraum der Orang-Utans in Borneo weiter bedroht. Die Umweltstiftung WWF Deutschland veröffentlicht dazu am Dienstag eine Studie zu Palmöl-Verbrauch und Ersatzstoffen. Die Zeit drängt. Denn nach Angaben der Entwicklungshilfe-Organisation „Oxfam“ hat sich allein die für den Anbau von Palmöl genutzte Fläche 2015 in den tropischen Ländern seit dem Jahr 2000 verdoppelt.

61,46 Millionen Tonnen wurden im letzten Jahr geerntet. Um Anbaufläche zu schaffen, werden riesige Flächen Regenwald gerodet. So wird der Klimawandel beschleunigt, den das pflanzliche Öl als Kraftstoff eigentlich bremsen sollte. Das aus den Früchten der Ölpalme gewonnene Produkt, das vor allem in Indonesien und Malaysia, aber zunehmend auch in Afrika angebaut wird, ist aber auch in vielen Supermarktprodukten enthalten.

Ein Farmer hackt auf einer Palmölplantage in Kalimantan in Borneo Fruchtbündel aus einer Ölpalme.
Ein Farmer hackt auf einer Palmölplantage in Kalimantan in Borneo Fruchtbündel aus einer Ölpalme. Foto: dpa

Der öffentliche Druck und Einfuhrbeschränkungen durch Zertifizierung haben in Deutschland vereinzelt dafür gesorgt, dass Produzenten auf Ersatzstoffe umschwenken. In vielen Schokoladen der Supermarkt-Palette findet sich anders als vor einigen Jahren kein Hinweis auf Palmöl mehr, dafür werden zum Beispiel Butterreinfett, Sojaöl oder Kokosöl (die teilweise sogar bodenintensiver als Palmöl sind) angegeben.

Die genaue Herkunft der pflanzlichen Öle muss seit Dezember 2015 übrigens deklariert werden, die Aufschrift „pflanzliche Fette“ allein ist nicht ausreichend. Doch Vorsicht ist geboten: Ein Umwelt-NGO hat 200 verschiedene Namen aufgelistet, hinter denen sich oft oder immer Palmöl verbirgt. Darunter Glycerin.

In diesen Produkten wurde Palmöl verarbeitet

Seife, Schminke und Zahnpasta

Auch wenn nicht mit „Palm“+ X draufsteht, kann es trotzdem enthalten sein. In Seifen findet sich häufig ein Stoff namens „Propylene Glycol“, ein Feuchtigkeitsspender für die Haut, der aus Erdöl oder Palmöl hergestellt wird. Gylcerin befindet sich in zum Beispiel in Feuchttüchern und Schminken. „Sodium lauryl sulfate“ oder ähnliche Bezeichnungen in Zahnpasta und Deo-Sticks sind ebenfalls ein Palmöl-Produkt.

Palmöl befindet sich laut „Codecheck“ in zahlreichen der 96.000 analysierten Kosmetikprodukten - unter anderem waren 49,8 Prozent der Augenpflegemittel als palmölhaltig deklariert, bei Gesichtscrémes waren es 44 Prozent und bei Make-ups 42 Prozent.


Waschmittel

Foto: dpa

Auch Waschmittel wie Ariel, Persil und Spee sowie Shampoos sind mit Palmöl versetzt. Verwendet wird häufig die Bezeichnung „Sodium Lauryl Sulfoacetate“, das allerdings auch aus anderen Pflanzen hergestellt werden kann. Bio-Produkte schneiden hinsichtlich dessen keineswegs besser ab.


Margarine und Frittenfett

Foto: dpa


Margarinen sind wahre Palmöl-Bomben. Auch die Zutaten der fettreduzierten „Rama Balance“ enthalten beispielsweise „pflanzliche Öle und Fette (Raps, Palm, Sonnenblumen, Leinsamen, Palm ganz gehärtet)“. Und selbst die „Alsan Bio“-Rapsmargarine aus Schleswig-Holstein ist mit Palmöl angerührt - dieses stammt aus ökologischem Anbau aus Südamerika. Aufgrund der vielen Verbraucherfragen diesbezüglich widmet sich die Firma der Thematik gleich auf der Startseite ihrer Web-Präsenz.

Palmöl ist durch die große Menge an gesättigten Fettsäuren zwar ungesünder als zum Beispiel Rapsöl. Es hat allerdings den Vorteil, dass das Fett nicht verbrennt. Damit lässt es sich vorzüglich frittieren und backen.


Kekse, Zwieback und Pizzen

Foto: Screenshot http://www.brandt-zwieback.de/

Die Lebensmittelindustrie profitierte lange von dem günstigen Öl mit den guten Eigenschaften. In Fertigprodukten wird es aufgrund seiner Haltbarkeit geschätzt. Deshalb findet es sich in vielen Keksen, Zwieback, Fertig-Pizzen, aber auch in Instant-Getränken wie Cappuccino wieder.


Tütensuppen


Den Konsumenten von Tütensuppen oder Fertig-Soßen der Marken Liebig, Maggi und Knorr wird von den Herstellern offenbar kein ökologisches Bewusstsein beigemessen. So gibt es bei den kleingedruckten Angaben über die zweite Hauptzutat keine Heimlichtuerei. Die unverhohlene Aussage lautet: Palmöl.


Schokolade, Nussnugatcremes und Riegel

Foto: Screenshot http://www.kinder.com.de/

Ob Nutella, Balisto, Mars, Nesquik, Kinderschokolade oder Protein-Riegel: Die meisten Schoko-Produkte beinhalten Palmöle in verschiedener Benennung. Wenngleich gerade auch bei Schokolade ein leichter Umschwenk der Hersteller in Richtung Kokosöl zu beobachten ist.

Das zarte Eis

Foto: dpa

Und auch der Gang an die Gefriertruhe sägt an den Bäumen der Orang-Utans. Magnum, Carte d'Or und Häagen-Dazs: Die großen Eiscréme-Hersteller kommen nicht ohne Palmöl aus, wollen sie ihr Produkt doch ohne Mehrkosten gleichbleibend geschmeidig halten. Es gibt aber auch Eiscrémes ohne Pflanzenfett. Der Eislieferant Bofrost wirbt damit, in seinem Eis seit 2010 ausdrücklich kein Palmfett mehr zu verarbeiten. In Glasuren könne es aber vertreten sein, so der Hersteller.

Nivea

Die klassische Handcreme mit dem weißen Image bekommt bei Umweltschützern ebenfalls ihr Fett weg. Als Glycerin verarbeitet befindet sich in jeder blauen Dose ein pralle Ladung Palmöl in der Dose. Das gilt auch für andere fettenden Crémes.


Systemgastronomie

Foto: dpa

Nicht zu vergessen bei dieser Betrachtung sollen die großen Fastfood-Ketten sein, die laut diverser Umwelt-NGOs heimlich riesige Mengen an Palmöl in ihren Produkten verarbeiten. Mc Donald's dementiert dies, jedenfalls innerhalb der Filialen würde kein Palmfett verwendet, heißt es. Den Rest wolle man weiter drosseln.

Beim Import von Palmöl achten deutsche Unternehmen nach einer Studie der Umweltschutzorganisation WWF inzwischen zumindest häufiger auf Umweltstandards. Immerhin 62 Unternehmen nutzten inzwischen ausschließlich zertifiziertes Palmöl. Beim vorausgegangenen Test vor zwei Jahren waren es lediglich 29 Firmen.

Die Welthungerhilfe betonte Ende letzten Jahres: „Palmöl ist nicht grundsätzlich schlecht. Wenn die Palmen auf Brachland oder auf Flächen angebaut werden, die vorher schon landwirtschaftlich genutzt wurden, und wenn Kleinbauern mit fairen Lieferverträgen an der Produktion beteiligt werden, dann haben alle etwas davon.“ Nach WWF-Angaben hat die Ölpalme mit durchschnittlich 3,69 Tonnen Öl pro Hektar (t/ha) den höchsten Ertrag unter den Ölpflanzen. Der Ertrag von Raps betrage 1,33 t/ha, von Sonnenblumen 0,86t/ha und von Kokospalmen 0,77 t/ha. Die Gier nach dem Pflanzenöl war überdies erst richtig losgegangen, als die Staaten des Westens auf die Idee kamen, fossile Brennstoffe durch „regenerative" Energie aus Pflanzen zu ersetzen.

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erstellt am 30.Aug.2016 | 10:12 Uhr

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