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10. Dezember 2016 | 02:16 Uhr

Oberbürgermeisterwahl 2016 : Flensburgs OB-Kandidaten: Wer will was beim Bahngutachten?

vom

Seit Jahren diskutiert die Flensburger Kommunalpolitik über die Anbindung der Stadt an das Schienennetz. Das vorgelegte Bahngutachten nennt Möglichkeiten, Vorteile und Kosten. Die OB-Kandidaten nehmen dazu Stellung.

Was sollte aus Ihrer Sicht am bzw. mit dem derzeitigen Flensburger Bahnhofs kurz- und langfristig passieren?

Jens Drews: Das ist abhängig von den Vorschlägen der Bahngutachter. Wenn es als sinnvoll erachtet wird, dass alle bisherigen Bahnverbindungen auf einem Zentralbahnhof Flensburg-Weiche ankommen, dann wäre z.B. denkbar, dass der alte Hauptbahnhof zu einem Kulturzentrum ausgebaut wird.

Simone Lange: Unser Flensburger Bahnhof bedarf einer spürbaren Modernisierung. Ich würde mir wünschen, den Bahnhof und das Bahnhofsumfeld langfristig zu einem Servicezentrum weiter zu entwickeln. Nicht nur der Bahnhof selbst, sondern auch das gesamte Bahnhofsumfeld müssen für die Reisenden attraktiv gestaltet werden. Für ankommende Reisende ist er der erste Eindruck von unserer Stadt. Dazu brauchen wir ein schnell zu erfassendes Informationssystem für alle Reisenden nicht nur im Bahnhof, sondern auch ausserhalb. Der Weg in die Innenstadt, ob zu Fuß oder mit dem ÖPNV muss einfach erfasst werden können, genauso wie wir eine noch bessere Anbindung des ÖPNV in die Innenstadt und in die Stadtteile Flensburgs brauchen. Das Bahnhofsumfeld muss in jeder Hinsicht attraktiver und barrierefreier gestaltet werden. Kurzfristig sollte unbedingt die Situation der Toiletten im und um den Bahnhof instandgesetzt und modernisiert werden!

Kay Richert: Der jetzige Standort auf dem alten Mühlenteich kann durch einen stufenweisen Ausbau des Bahnhofs Weiche in Verbindung mit dem ZOB langfristig neu genutzt werden. Es bietet sich hier eine große Chance für das Quartier am Munketoft, da viele derzeitig von der Bahn genutzte Flächen einer anderen Nutzung zugeführt werden könnten. Für eine Wohnnutzung ist die Lage mit nur einseitiger Erschließungsmöglichkeit nicht von Nachteil – anders als bei einem wichtigen Verkehrszugangspunkt wie einem Bahnhof. Für die Gebäude des Bahnhofs selbst wären zum Beispiel ein Kulturzentrum oder eine Konzert- / Veranstaltungshalle mit Bahnhaltepunkt, aber auch studentisches Wohnen oder Geschoss- und sozialer Wohnungsbau im Allgemeinen denkbar.

 

Wie stehen Sie zur Reaktivierung der Bahnstrecke Flensburg-Niebüll?

Jens Drews: Unter der Vorraussetzung, dass eine gute Auslastung gegeben ist und die Finanzierung zu keiner weiteren Neuverschuldung unserer Stadt führt, stehe ich einer Reaktivierung dieser Strecke äußerst positiv gegenüber.

Simone Lange: Eine Angebot von öffentlichem Nahverkehr auf der Schiene von Fensburg nach Niebüll ist allein schon aus ökologischer Sicht sinnvoll, besonders wenn die Strecke elektrifiziert ist. Eine attraktive Verbindung für die Fahrgäste aus dem Westen, die  sie komfortabel nach Flensburg bringt und ebenso eine Verbindung für die Flensburger*innen nach Niebüll und darüber hinaus nach Westerland oder Dagebüll befürworte ich. Das wäre sicher auch aus touristischer Perspektive ein Gewinn für Flensburg und die Region. 

Kay Richert: Sehr positiv! Wir haben als Freie Demokraten von Anfang an darauf hingewirkt, dass diese Strecke Flensburg-Niebüll im Gutachten berücksichtigt werden muss. Wie sich heute zeigt, ist sie der Schlüssel für die Attraktivitätssteigerung des schienengebundenen Personennahverkehrs in Flensburg insgesamt. Die Bürger könnten direkt von Flensburg bis nach Westerland mit dem Zug durchfahren - in einer halben Stunde anstatt wie bisher in zwei Stunden. Und ohne wie bisher dreimal umsteigen zu müssen. Das ist doch eine fantastische Vorstellung insbesondere für den Tourismus und für Pendler. Denken Sie nur an die Möglichkeiten, die das für den Tagestourismus zwischen Flensburg und Sylt bedeutet! Da freut sich dann am Ende auch unser Kämmerer, denn das bringt zusätzliches Geld in die Stadt. Für Pendler wäre diese Anbindung eine echte Alternative zum Auto. Wie das Bahngutachten aufzeigt, wird es durch eine geschickte Optimierung und Kombination der Buslinien mit einem Zubringepunkt in Schafflund gerade in diesem Bereich zu einer große Steigerung der Passagierzahlen kommen. Die notwendige Infrastruktur ist zum großen Teil bereits da. Der Gleiskörper ist für schwere Last ausgelegt und kurzfristig wieder gebrauchsfertig zu machen.
 

Wie stehen Sie zum Bau eines Fernbahnhofs in Weiche?

Jens Drews: Zum einen kann ein solches Bauprojekt einer verbesserten Anbindung der skandinavischen Industrie beitragen. Es wäre jedoch abzuwägen, inwieweit die Flensburger Bevölkerung von einem solchen Projekt profitieren würde.

Simone Lange: Um diese Frage wirklich seriös beantworten zu können, müssen wesentliche Punkte noch geklärt werden. Die Kosten müssen ausführlich ermittelt werden. Dabei muss man alle Faktoren im Auge haben. Nicht nur die Investition in den neuen Bahnhof und die entsprechende Bahninfrastruktur, auch die Kosten für die Gestaltung der Umgebung, die Schaffung von Parkplätzen, die Anbindung an den Flensburger und den regionalen Nahverkehr müssen sorgfältig kalkuliert werden. Neben den Kosten ist natürlich der gegenüberstehende Nutzen zu untersuchen. Welche Vorteile bringt ein solcher Bahnnhof wirklich und für wen?  Notwendig wäre, dass mit einem solchen Bahnhofsneubau auch  eine Verbesserung der Anbindung Flensburgs ins Bahnnetz mit attraktiven Vebindungen und modernen komfortablen Zügen einhergeht. Ob das dann auch mehr Reisende nach Flensburg bringt, kann man nur mutmaßen. Als Nutzen wird auch gern die bessere und schnellere Verbindung für Reisende aus Dänemark nach Hamburg ins Feld geführt. Die sogenannte Jütland-Route ist nicht nur als Autobahn, sondern auch als Zugverbindung eine der Verkehradern durch Schleswig-Holstein. Ein Zeitgewinn auf dieser Strecke durch einen neuen Fernbahnhof ist nur dann sinnvoll, wenn er nicht durch die Langsamfahrt über die alte Eisenbahnbrücke bei Rendsburg wieder ausgebremst wird, die das eigentliche Nadelöhr darstellt. Zuvorderst muss ein neuer Fernbahnhof in Weiche aber Vorteile für alle Flensburgerinnen und Flensburger bringen, die mit der Bahn reisen möchten. Ein Bahnhof, der Reisenden aus Dänemark einen kleinen Zeitvorteil verschafft, aber für den Flensburger, der am Twedter Plack wohnt, eine Verschlechterung der Erreichbarkeit, eine Erhöhung von Taxikosten und ähnliche Nachteile mit sich bringt, kommt für mich nicht in Frage.

Kay Richert: Es ist die vernünftigste Lösung. Es ist alles bereits vorhanden. Fast alle Schienen-Wege gehen über Weiche, Flächen sind mit dem Gelände des alten Verschiebebahnhofs ebenfalls da. Außerdem ist Weiche durch die Osttangente auch für den Osten der Stadt sehr gut mit dem PKW erreichbar. Einzig die Zuwegung innerhalb Weiches wirft planerische Schwierigkeiten auf. Eine alternative oder zusätzliche Erschließung über den aufgelassenen Sportplatz parallel der Langen Reihe zum Alten Husumer Weg in Richtung Altholzkrug wäre zu prüfen. Allerdings: Trotz aller genannten Schwierigkeiten ist die Anbindung noch immer mit Abstand besser als am jetzigen Standort. In Verbindung mit dem Nahverkehrshaltepunkt am ZOB würden wir eine Verbesserung der Umsteigmöglichkeiten und der Erreichbarkeit der Innenstadt erreichen. Bahnreisende, vor allem auch ortsfremde Touristen würden direkt mit der Bahn bis zur Hafenspitze/ ZOB reisen können. Am ZOB fahren alle Buslinien ab. Das bedeutet einen ideal vernetzten ÖPNV. Das alles kann der heutige Bahnhofstandort nicht bieten.
 

Was halten Sie von einem Bahnhalt am Zob?

Jens Drews: Der ZOB ist ein zentraler Verkehrspunkt. Eine zukunftsorientierte Lösung ist bei einer Neuausrichtung der Bahn unbedingt erforderlich. Der Mehrwert müsste hier allerdings mit dem hohen finanziellen Aufwand abgewogen werden.

Simone Lange: Mit der Bahn bis ins Zentrum der Stadt und quasi bis an die Hafenspitze, ist schon eine spannende Vorstellung. Doch auch hier müssen wir  zunächst wesentliche Punkte klären. Zu allererst: Was bedeutet das für unsere Stadtentwicklung? Wie wirkt sich das auf das angrenzende Johannisviertel aus? Gibt es Widerstand und wie kann der ggf. befriedet werden? Von den Kosten, die daraus für die Stadt entstehen würden gar nicht zu reden. Die ZOB-Variante steht nicht ganz oben auf meiner Favoritenliste.

Kay Richert: Eine Durchleitung der Regionalbahnen aus Hamburg, Neumünster, Kiel und Niebüll aber auch der Regionalzüge aus Dänemark bietet eine große Chance für Flensburg. Wir werden attraktiver für Pendler und für Touristen. Wir reden hier nicht von ein paar Minuten Fahrtzeitverkürzung. Der Bahnreisende steigt am ZOB direkt in der Innenstadt an der Hafenspitze aus und ist da, wo er hin möchte. Das ist am heutigen Standort nicht so. Natürlich müssen die Bedenken der Bewohner in der Nähe des Bahndammes berücksichtigt werden. Durch das Gutachten wird aber bestätigt, dass eine solche Baumaßnahme zu einer Anpassung der Lärmschutzmaßnahmen führen würde. Außerdem sind moderne Nahverkehrszüge mittlerweile sehr leise.Die baulichen Maßnahmen wären überschaubar. So benötigt ein Haltepunkt kein Bahnhofsgebäude. Bahnsteig und Unterstellmöglichkeit sind auf dem bestehenden Damm realisierbar. Und zusätzliche Parkplätze sind hier nicht erforderlich und sollen auch nicht gebaut werden.

Wie sollten die von Ihnen bevorzugten Lösungen bezahlt werden?

Jens Drews: Sollte sich die Realisierung eines Fernbahnhofes in Weiche als erforderlich erweisen, müssten die erforderlichen Finanzmittel von der Bahn, dem Bund und dem Land, zur Verfügung gestellt werden. Flensburg dürfte, meines Erachtens, nur für Zubringerlösungen von/nach Flensburg-Weiche mit in die Finanzpflicht genommen werden.

Simone Lange: Ob es nun um die Wiederbelebung der Strecken Flensburg- Niebüll, einen neuen Fernbahnhof oder die Modernisierung unseres derzeitigen Bahnhofs geht, so ist die Investition in Einrichtungen und Infrastruktur von der Deutschen Bahn bzw. ihres zuständigen Unternehmensteils zu tätigen. Alle anderen notwendigen Maßnahmen sind natürlich, abhängig von den jeweiligen politischen Entscheidungen, von der Stadt Flensburg zu tragen. Hierbei muss angesichts des nicht gerade prall gefüllten Stadtsäckels die wirtschaftliche Vernunft eine wesentliche Richtschur sein. Ich bevorzuge Projekte, die uns einen spürbaren Nutzen bringen.

Kay Richert: Zunächst einmal muss allen klar sein, dass es keine Aufgabe der Stadt Flensburg ist, die Bahninfrastruktur zu bauen und zu finanzieren – das schließt die Bahnhöfe ein. Flensburg ist also nicht der Kostenträger für den Fernbahnhof, lediglich für die städtebauliche Planung und die städtische Infrastruktur drum herum. Das sind wir aber sowieso. Für den Bau und die Finanzierung von Bahninfrastruktur sind der Bund, das Land und letztendlich die Deutsche Bahn AG verantwortlich.Zudem investiert die Europäische Union massiv in den Ausbau der Interregio-Verbindungen. Die dänischen Nachbarkommunen haben sich bereits bei der Finanzierung des vorliegenden Gutachtens erheblich beteiligt. Die Neuordnung des Straßenverkehres und die Einrichtung von Parkplätzen sind Aufgabe der Stadt Flensburg. Letztere werden vom Land Schleswig-Holstein über die NahSH mit bis zu 70% gefördert. Da es sich insgesamt um ein Projekt mit EU-Förderwürdigkeit handelt, sind hier noch weitere Zuschüsse zu erwarten. Bezahlt wird also insgesamt durch EU-Fördermittel, Landes- und Bundesinfrastrukturinvestitionsmittel. Letztere landen derzeit überwiegend in Baden-Württemberg und Bayern, weil wir in Schleswig-Holstein meist keine fertig geplanten Projekte vorlegen können. Abschließend möchte ich noch auf eines hinweisen: Selbst wenn Flensburg sich gegen einen Fernhaltepunkt in Weiche entscheidet, kann es durch Verhandlungen von Deutschland und Dänemark dennoch dazu kommen. Über die Landesraumplanung können Landesverkehrsminister und Bundesverkehrsminister den entsprechenden Haltepunkt nämlich auch vorgeben. Die Anbindung an den ZOB wäre dann aber nicht mehr unbedingt realisierbar.

Welches ist aus Ihrer Sicht die Lösung, von der die meisten Flensburger profitieren würden und warum?

Jens Drews: Diese Frage wird der Komplexität dieses Themas nicht gerecht . Eine Bahn-Neuausrichtung ist ein Zukunftsthema, eine Zukunftsverpflichtung für die Region und damit auch für alle Flensburger. Flensburg muss regionaler Mittelpunkt bleiben und darf sich nicht zu einer unbedeutenden Provinzstadt entwickeln.

Simone Lange: Um in Richtung der skandinavischen Länder nicht abgehängt zu werden, benötigen wir dringend eine neue Kanalquerung für die Bahn bei Rendsburg, die ebenso eine Erhöhung der Attraktivität des Bahnfahrens von und nach Flensburg durch bessere Fahrtzeiten und komfortableres Wagenmaterial mit sich bringt. Eine Modernisierung des derzeitigen Bahnhofs und eine attraktivere Gestaltung des Bahnhofumfelds halte ich ebenso wie eine gute Anbindung des Bahnhofs an das Flensburger Nahverkehrssystem für die derzeit beste Lösung, weil sie sowohl zeitlich als auch finanziell am ehesten zu realisieren ist. Abschließend möchte ich feststellen, dass man sich bei der Betrachtung des Bahngutachtens nicht ausschließlich auf die Frage "Fernbahnhof ja oder nein?" fokussieren darf. Für mich ist die Frage der Stadtentwicklung von zentralen Bedeutung. Wie kann ich mit den Erkenntnissen des Bahngutachtens Flensburg in seiner Gesamtheit effektiv und zum Wohle und Nutzen der Menschen voranbringen.

Kay Richert: Ein Fernbahnhof in Weiche und die Durchleitung der regionalen und grenzüberschreitenden Nahverkehrszüge zu einem Haltepunkt am ZOB wäre die Lösung, von der alle Flensburger merklich profitieren würden. Konkrete Verbesserungen würde der Tourismus in Flensburg und der Region, würden die Pendler in und um Flensburg und Geschäftsreisende von und nach Flensburg durch kürzere und bessere Verbindungen erfahren. Wie so etwas geht, kann man sich in Kassel-Wilhelmshöhe anschauen. Bei uns würde eine bessere Vernetzung mit dem Umland bis nach Sylt und Tondern Wachstum im wirtschaftlichen und touristischen Sektor bedeuten. Stellen Sie sich vor, was z.B. eine die Verbindung von 35 Minuten Dauer vom Bahnhof Westerland zur Flensburger Hafenspitze auch touristisch für Flensburg bedeuten würde. Oder von der Hafenspitze zum Hamburger Hauptbahnhof - stündlich. Die Attraktivitätssteigerung der Stadt Flensburg durch eine spürbar bessere Anbindung kann auch neue Bürger und neue Betriebe anreizen, sich hier anzusiedeln. Das wiederum würde langfristig auch zu Steuermehreinnahmen in der Stadtkasse führen. Eine Reduzierung des straßengebundenen Individualverkehrs innerhalb der Stadt zugunsten des schienengebundenen Nahverkehrs in Kombination mit den Bussen würde zudem die Lebensqualität in Flensburg steigern und die ambitionierten Klimaziele der Stadt in erreichbare Nähe rücken.

Das sagt Oberbürgermeister Simon Faber zum Bahngutachten:

Die vier Oberbürgermeisterkandidaten sollten anhand sechs Fragen Stellung zum Bahngutachten nehmen. Simon Faber beantwortete die Fragen in folgendem Fließtext:

Das Gutachten sollte aufzuzeigen, wie Flensburgs unbefriedigende Bahnanbindung insgesamt gestärkt werden kann, sowohl im Fernverkehr auf der Nord-Süd-Achse als auch im regionalen Verkehr. Ich bin sehr dankbar, dass wir es gemeinsam mit schleswig-holsteinischen und dänischen Partnern finanzieren und auf den Weg bringen konnten. Aus vielen Einzelfragen sollten die Gutachter - europaweit hoch anerkannte Bahnexperten - eine Gesamtschau und Handlungsempfehlungen für Flensburg entwickeln. Der Prozess hat allen Beteiligten deutlich gemacht, dass Bahnhöfe, Taktungen, eventuelle neue Strecken und kürzere Reisezeiten nicht losgelöst betrachtet werden dürfen, sondern eng miteinander zusammenhängen. Insofern macht es auch hier und heute wenig Sinn, über die einzelnen Bausteine vorschnell zu urteilen. 

Das Gutachten ist nicht für die Schublade. Es ist sehr positiv für Flensburg, dass die wesentlichen Akteure deutliche Bereitschaft zeigen, sich in den kommenden Monaten mit den Empfehlungen des Gutachtens auseinanderzusetzen. Das gilt für die nah:sh, die für unsere schleswig-holsteinischen Verkehre zuständig ist, wie für die DB, die DSB und die Deutsch-Dänische Verkehrskommission mit den Verkehrsministerien in Kiel und Kopenhagen. Erst danach können wir die Chancen für Flensburg ordentlich bewerten, und entscheiden, welche Ziele wir verfolgen wollen. 

Für die nachfolgende Diskussion vor Ort sind mir einige Punkte wichtig, die in der bisherigen Berichterstattung zu kurz gekommen sind: 

Erstens: Für den wachsenden Stadtteil Weiche wäre ein neuer Fernbahnhof natürlich eine enorme und seltene Chance, das Ortsteilzentrum auf Vordermann zu bringen. Heute gibt es eine heruntergekommene Bahninfrastruktur mit einer hässlichen Unterführung, einem stillgelegten Haltepunkt, überdimensionierten Gleisanlagen und einem wenig charmanten Umfeld. Wo sonst gewinnen wir 13 ha Entwicklungsfläche auf einen Schlag?

Zweitens: Eine Bahnverbindung von Kiel über Flensburg bis Niebüll und Sylt wäre wahnsinnig reizvoll. 

Drittens: Auf den Charme des Johannisviertels müssen wir wirklich gut aufpassen, das ist aus meiner Sicht die sensibelste Frage vor Ort. 

Viertens: Es geht nicht nur um Flensburg, sondern um die Wettbewerbsfähigkeit unseres Jütlandkorridors gegenüber der Vogelfluglinie insgesamt. Zwischen Aarhus und Hamburg ist unsere Optimierung lediglich ein Baustein, auch an etlichen anderen Stellen muss investiert werden, damit wir nicht endgültig zur europäischen Bummelstrecke werden. Es ist ja durchaus Geld im System: Allein in Holstein werden in den kommenden Jahren Milliardenbeträge in verschiedene Schienenprojekte fließen. Wer aber glaubt, Flensburg könnte sich in diesem Wettbewerb um Investitionen ohne die strategische Partnerschaft mit Dänemark behaupten, dem empfehle ich den Rückblick auf den Stillstand der vergangenen Jahrzehnte.   

 
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erstellt am 03.Mär.2016 | 12:00 Uhr

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