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05. Dezember 2016 | 11:38 Uhr

Rellingen : Ehefrau gewürgt – Suat E. zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach vier Verhandlungstagen ist das Urteil gegen Suat E., der seine Frau im Schlaf gewürgt haben soll, gefallen.

Itzehoe/Rellingen | Im Mordprozess gegen Suat E. aus Rellingen (Kreis Pinneberg) hat das Landgericht Itzehoe am Montag den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen. Die Kammer verurteilte den 53-Jährigen zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe. Der Familienvater hatte gestanden, am frühen Karfreitagmorgen seine von ihm getrennt lebende Ehefrau geschlagen und gewürgt zu haben. Der in der Anklage erhobene Mordvorwurf habe in der Beweisaufnahme nicht bewiesen werden können, sagte die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung. 

Mit einem Geständnis des Angeklagten hatte der Prozess am Donnerstag, 22. September dieses Jahres vor dem Landgericht Itzehoe begonnen. Die Staatsanwaltschaft warf dem 53-Jährigen vor, dass er versucht habe, am 25. März in Rellingen im Kreis Pinneberg sein Frau im Schlaf zu erwürgen. Demnach soll das Opfer bereits bewusstlos gewesen sein, als die Söhne dazwischen gingen und ihrer Mutter das Leben retteten. Suat E. gestand zwar die Tat, er bestritt jedoch den Tötungsvorwurf: Er habe nie die Möglichkeit ihres Todes in Betracht gezogen, ließ er seinen Verteidiger am ersten Prozesstag eine Erklärung verlesen.

Übermüdung, Alkohol und die Konfrontation mit seiner Frau hätten ihn überfordert, hieß es darin. Darum habe er ihr immer wieder ins Gesicht geschlagen und sie gewürgt. Seine Ehefrau wollte sich nach rund 30 Jahren Zusammenseins im Mai 2015 von ihm scheiden lassen. Er habe die Trennung jedoch nicht akzeptiert und auch nicht aus dem Einfamilienhaus ausziehen wollen, das sie zum größten Teil alleine bei der Bank abbezahlt habe. Stattdessen habe Suat E. seiner Frau mehrfach gedroht, er würde sie „am liebsten erwürgen“, erinnerte sich das Opfer vor Gericht.

Das Opfer habe in der Tatnacht gegen 2.45 Uhr im Bett gelegen, als sich Suat E. auf sie setzte. Sie sei völlig hilflos gewesen, habe sich nicht wehren können, sagte sie. „Ich konnte nicht atmen und konnte nichts sagen.“ Dazu Todesangst, „dass mein Leben zu Ende ist“. Doch ihre Söhne waren durch die Kampfgeräusche aus dem Schlafzimmer geweckt worden, sagte sie. Ein 25-jähriger Sohn habe den Angeklagten von seiner Mutter weg gerissen, ein 19-Jähriger sei einen Moment später hinzugekommen. Jedoch schwiegen die beiden Söhne vor Gericht. Sie verweigerten die Aussage gegen ihren Vater. Deshalb durften auch ihre früheren belastenden Aussagen vor der Polizei im gesamten Verfahren nicht mehr verwertet werden.

Fragwürdige Äußerungen vor der Tat

Belastend sind Aussagen des Angeklagten, die bereits im Vorfeld der Tatnacht getätigt worden sein sollen. Demnach hat Suat E. gegenüber einer Bekannten gesagt, dass er sich wünscht, seine Frau würde sterben. Diese Bekannte sagte am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht Itzehoe aus.

Eine Woche vor der Tat habe der Angeklagte sie bei ihrer Autowerkstatt aufgesucht. Dort habe sie ihm vom plötzlichen Tod einer 39-jährigen Bekannten erzählt. „Daraufhin sagte er: ‚Ich wünschte, dass würde Renate auch passieren‘“, berichtete die Zeugin. Damals habe sie diesen Kommentar einfach nur unangemessen gefunden, ihn gefragt, wie er so etwas sagen könne. Doch als sie später von der Tat erfahren habe, sei ihr das Gespräch „schlagartig wieder eingefallen“.

Der Angeklagte war der Polizei bekannt

Der Polizeiobermeister, der in der Tatnacht im Einsatz war, berichtete, dass der angeklagte Familienvater der Polizei bereits bekannt war, da es schon mehrere Vorfälle gegeben habe. Deshalb seien er und seine Kollegen in der Tatnacht gleich mit mehreren Streifenwagen vor Ort gewesen. Der Hauptkommissar, der später das Umfeld der Familie befragte, sagte vor Gericht aus, dass eine Bekannte ihm erzählt habe, dass das Opfer bereits mehrfach von ihrem Mann geschlagen und einmal gewürgt worden war. Aus Angst vor ihrem Mann, der in einem anderen Schlafzimmer geschlafen hatte, habe sie nachts einen Kleiderständer vor die Tür ihres Zimmers gestellt, um in Ruhe schlafen zu können.

Der Kriminalkommissar fand ebenfalls heraus, dass die Eheleute am Abend vor der Tat einen gemeinsamen Kniffelabend mit Freunden verbrachten. An diesem Abend soll Suat E. einem Bekannten gedroht haben: „Lass die Finger von meiner Frau oder ich brech’ dir die Beine.“ Weitere Anhaltspunkte zu einem Verhältnis der beiden gibt es allerdings nicht. Der Angeklagte selbst soll jedoch eine Freundin in Hamburg haben, bei der er nach der Tat wohnte. Vor der Tat sollen die beiden ein rein freundschaftliches Verhältnis gehabt haben, erst danach auch ein sexuelles.

Klage gegen das Opfer

Etwa eine Woche vor der Tat soll der Angeklagte seine Frau per SMS gebeten haben, bei ihm zu bleiben und ihm die Treue zu halten – unter anderem auch für die Kinder. Etwa eine Woche nach der Tat, zeigte Suat E. laut Polizei seine Frau wegen Steuerhinterziehung an. Unter anderem soll sie einen Untermieter schwarz bei sich habe wohnen lassen und zu unrecht Kindergeld bezogen haben. Ein Cousin des Angeklagten beschrieb diesen vor Gericht als ruhig und bedacht. Von Eheproblemen und einer möglichen Scheidung habe die Familie nichts gewusst. Zur Tat wurde er nicht befragt.

Der Verteidiger wies das Gericht bereits darauf hin, dass er keinen Mordversuch erkennen könne und derzeit von gefährlicher Körperverletzung ausgehe.

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erstellt am 10.Okt.2016 | 06:48 Uhr

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