zur Navigation springen

Neue Artikel

03. Dezember 2016 | 16:44 Uhr

„Nokia 9000 Communicator“ : Die Evolution des Smartphones: So fing vor 20 Jahren alles an

vom

Chatten, Fotografieren, im Netz surfen – wir nutzen unsere Smartphones ständig. Das erste konnte noch Faxe verschicken.

Das Smartphone ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Chatten, Fotografieren, im Netz surfen. Es ist eine Erfolgsgeschichte, die vor 20 Jahren begann.

Beim Klick auf die Smartphones erfahren Sie mehr über die Geräte.

Die Geschichte begann 1996 auf der der CeBIT in Hannover. Damals kündigte der finnische Mobilfunkkonzern Nokia den „Nokia 9000 Communicator“ als „Büro im Westentaschenformat“ an.

Als eine der wichtigsten Funktionen wurde damals angepriesen, dass der aufklappbare „Communicator“ auch Faxe senden und empfangen konnte. Außerdem brachte das rund 400 Gramm schwere Gerät, das für 2700 D-Mark verkauft wurde, auch einen elektronischen Kalender, ein digitales Adressbuch, eine Notizanwendung und einen Taschenrechner mit.

Manche Experten sehen im „Simon Personal Communicator“ das erste Smartphone der Welt, der bereits ab August 1994 von IBM in den USA verkauft wurde.

<p>Oder war dies das erste Smartphone? Der „Simon Personal Communicator“ von IBM kam im August 1994 auf den Markt.</p>

Oder war dies das erste Smartphone? Der „Simon Personal Communicator“ von IBM kam im August 1994 auf den Markt.

 

Doch im Gegensatz zum „Communicator“ von Nokia konnte man mit dem klobigen „Simon“ von IBM nicht im Web surfen, was für die meisten Technik-Historiker den Begriff „Smartphone“ mitdefiniert. Und während IBM sich bald wieder vom Markt zurückzog, legte Nokia immer weiter nach. 1999 brachten die Finnen mit dem „Nokia 7110“ das erste WAP-Handy auf den Markt, mit dem man für mobile Verbindungen formatierte Web-Seiten aufrufen konnte.

<p>Im Netz surfen war mit dem Nokia 7110 zwar möglich, aber sehr langsam.</p>

Im Netz surfen war mit dem Nokia 7110 zwar möglich, aber sehr langsam.

Foto: Imago

Zusammen mit Samsung begründete Nokia dann 2004 mit seinen Geräten die dritte Mobilfunkgeneration UMTS in Deutschland.

Es blieb aber Apple-Chef Steve Jobs überlassen, dem Smartphone-Markt den entscheidenden Impuls zu geben. In einer inzwischen legendären Präsentation zum Auftakt der Messe MacWorld am 9. Januar 2007 versprach er dem Publikum gleich drei Geräte: einen Musikplayer mit Touch-Bedienung, ein revolutionäres Telefon und einen grundlegend neu konzipierten Internet-Kommunikator.

Jobs wiederholte die drei Begriffe so oft, bis es alle im Saal begriffen hatten und laut johlten: Alle drei Funktionen steckten in einem Gehäuse. Das iPhone betrat die Bühne und sollte den Markt grundlegend umkrempeln.

Ein Jahr nach der Vorstellung des Geräts begann das App-Zeitalter: Apple startete seinen App Store.

Die damaligen Mobilfunkpioniere Nokia, Motorola und Blackberry wurden von der iPhone-Ankündigung kalt erwischt und hatten selbst Jahre später noch große Schwierigkeiten, eine angemessene Antwort zu geben.

Nur Google mit seinem damaligen Chef Eric Schmidt war gut vorbereitet. Schmidt saß seit 2006 auch im Verwaltungsrat von Apple und hatte wohl mitbekommen, in welche Richtung sich der Zukunftstrend im Mobilfunk bewegen wird.

Schon im Sommer 2005 hatte Google das Start-up Android übernommen, um eine Steuerungssoftware für Kameras zu entwickeln. Doch nach der iPhone-Premiere wurde das Projekt neu ausgerichtet und im November 2007 die Open Handset Alliance mit mehreren Hardware-Herstellern als Gegenspieler zu Apple positioniert. Im Oktober 2008 kam mit dem „HTC Dream“ das erste Android-Smartphone auf den Markt.

<p>Das „HTC Dream“ lief als erstes Smartphone mit Googles Betriebssystem Android.</p>

Das „HTC Dream“ lief als erstes Smartphone mit Googles Betriebssystem Android.

Foto: Michael Oryl / wikipedia
 

Apple-Chef Jobs tobte, weil die Android-Oberfläche dem iPhone so sehr ähnelte. Es gelang Apple allerdings nicht, das Google-System vor Gericht auf bereiter Front stoppen zu lassen. Jobs' Nachfolger Tim Cook beendete schließlich den „thermo-nuklearen“ Patentkrieg.

Neben Google kann sich Samsung als Gewinner des danach einsetzenden Android-Booms fühlen. Im ersten Quartal 2012 lösten die Südkoreaner Nokia als weltgrößten Mobilfunkhersteller ab. Diese Spitzenposition hatte Nokia seit 1998 innegehalten. Der Abstieg der Finnen beschleunigte sich ab 2011, weil die Nokia-Entwickler nicht in der Lage waren, ihr Symbian-System zu einer attraktiven Alternative zu Apples iOS oder Android von Google zu erneuern. Der damalige Nokia-Chef Stephen Elop beschwor im Februar 2011 seine Mitarbeiter: „Wenn man auf einer brennenden Öl-Plattform steht, hat man zwei Möglichkeiten: Entweder zu bleiben und zu verbrennen, oder ins kalte Wasser zu springen.“ Nokia wagte den Sprung ins Wasser und wurde vom Rettungsboot Microsoft mit seinem Windows-System aufgenommen. Doch konnte das Manöver die Nokia-Smartphone-Sparte nicht vor dem Untergang bewahren. Dieser Geschäftsbereich von Nokia sowie die Patente der Finnen landeten im April 2014 für 5,4 Milliarden Euro bei dem US-Konzern. Nach einer Serie von schlechten Quartalsergebnissen wurde die Sparte vom neuen Microsoft-Chef Satya Nadella aber auch schon wieder abgewickelt.

Schaut man sich die aktuellen Absatzzahlen der unterschiedlichen Smartphone-Systeme an, kann man klar erkennen, wie sehr Android sich am Markt durchgesetzt hat.

Foto: dpa

Knapp 294 Millionen Geräte mit dem Google-System wurden im ersten Quartal 2016 verkauft, fast sechs Mal mehr die 51,6 Millionen iPhones, die in diesem Zeitraum abgesetzt wurden. Allerdings fährt Apple immer noch den Löwenanteil der Gewinne ein, während andere Hersteller kaum schwarze Zahlen erzielen. In der Absatzstatistik landet Microsoft mit Windows Phone mit 2,6 Millionen Geräten abgeschlagen auf Platz drei.

Und die Blackberry-Smartphones fallen mit 0,6 Millionen Stück schon fast aus der Statistik raus. Und das, obwohl der kanadische Hersteller als einer der Smartphone-Pioniere gilt.

Blackberry Classic: Beim Smartphone-Pionier Blackberry trägt der Fokus auf Software nach einer schmerzhaften Durststrecke Früchte. /Archiv
Blackberry Classic: Beim Smartphone-Pionier Blackberry trägt der Fokus auf Software nach einer schmerzhaften Durststrecke Früchte. /Archiv Foto: Andrew Gombert

Inzwischen fragen sich etliche Beobachter, ob der Boom der Smartphones nicht seinen Höhepunkt überschritten hat. Die jüngsten Absatzzahlen lagen nur noch marginal über den Vorjahreswerten. Und da die Preise immer weiter fallen, verzeichnete die Branche erstmals seit langer Zeit einen Umsatzrückgang.

Immer wieder versuchen die Hersteller, ihre Geräte außerdem durch Produktneuerungen attraktiv für die Kunden zu machen. So spekuliert die Branche aktuell über eine bessere Kamera, neue Kopfhörer-Anschlüsse oder einen druckintensiven Home-Button bei dem neuesten iPhone - dem iPhone 7 -, das Apple bei seiner Keynote im September vorstellen wird.

Nicht nur Apple, auch Samsung arbeitet immer wieder an neuen Design-Kniffen, mit denen Kunden angelockt werden sollen. Anfang 2015 brachte der südkoreanische Konzern ein Smartphone-Modell mit abgerundeten Displaykanten auf den Markt - das „Samsung Galaxy S6 Edge“.

Teurer Design-Kniff: Beim Samsung Galaxy S6 Edge läuft das Display über die Kante. Die Preise starten bei 850 Euro.
Teurer Design-Kniff: Beim Samsung Galaxy S6 Edge läuft das Display über die Kante. Die Preise starten bei 850 Euro. Foto: Till Simon Nagel
 

Verzweifelte Versuche der Hersteller? Vielleicht. Aber Apple-Chef Tim Cook zumindest glaubt nicht an die These des überschrittenen Smartphone-Zenits. Das Smartphone sei inzwischen für das Leben der Menschen essenziell, sagte er bei der Telefonkonferenz zu den jüngsten Quartalsergebnissen und betonte in einem Interview mit dem US-Wirtschaftsmagazin Fast Company: „Ich möchte, dass Apple für immer existiert.“

Künstliche Intelligenz werde den Trend zum Alltagspartner Smartphone noch verstärken. „Da das Telefon immer stärker dein Assistent wird, gehört es zu den Dingen, ohne die man das Haus nicht verlässt.“ Dieser Trend werde auch das Geschäft positiv beeinflussen.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Aug.2016 | 19:39 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen