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02. Dezember 2016 | 19:15 Uhr

Schleuse am Nord-Ostsee-Kanal : Delfin tummelt sich munter in Kiel

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein Delfin begeistert seit mehreren Tagen Schaulustige in Kiel. Doch „Dolphin Watching“ im Wasser kann auch gefährlich werden

Ein Delfin tummelt sich in der Kieler Förde und an der Holtenauer Schleuse - und zieht zahlreiche Schaulustige an. Einige sprangen am Wochenende sogar ins Wasser, um mit dem Tier zu schwimmen.

Über die Schleuse Holtenau pendelt das Tier zwischen Förde und Nord-Ostsee-Kanal. «Der Delfin schleust munter hin und her», sagte Matthias Visser vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Der Meeressäuger mache den Eindruck, dass es ihm gut geht. «Die Schifffahrt stört er nicht», sagte Visser.

Unterdessen sprach die Wasserschutzpolizei eine Warnung aus, nachdem Besucher am Sonntag in einem Schleusenbereich baden gegangen waren, um dem Tier besonders nah zu kommen. Das Baden nahe Schleusen sei untersagt und behindere den Schiffsverkehr, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Zudem rief er zur Rücksichtnahme auf den Meeressäuger auf, der sich leicht bedrängt fühlen könnte.

Wo ist der Delfin aktuell?

Rüdiger Bock vom Verein Maritimes Viertel in Kiel, der als Schleusenführer arbeitet, hat den Delfin noch am Montagmittag im Nord-Ostsee-Kanal nahe der Schleuse gesehen - kurze Zeit später soll er laut Facebook-Nutzern bereits weiter durch den Kanal geschwommen sein. Gesichtet worden sei er bei Schwartenbek. In den vergangenen Tagen schwamm das Tier zwischen Kanal und Ostsee hin und her.

„Er hat die Schiffe begleitet, vor allem die Segelboote“, so Bock. Nicht nur er staunt dabei über die Lernfähigkeit der intelligenten Tiere: „Immer wenn der Delfin die Glocke an der Schleuse hört, kommt er angeschwommen“, erzählt Bock.

Um eine welche Art handelt es sich bei dem Kieler Delfin?

„Dem Bildmaterial zufolge handelt es sich bei dem Delfin in der Holtenauer Schleuse um einen Großen Tümmler“, sagt Dr. Andreas Pfander, Walexperte aus Kappeln. Auch „Selfie“ und „Delfie“, die beiden Delfine, die im Februar und März zunächst die Flensburger und später die Kieler „Dolphin Watcher“ verzauberten, gehörten zu dieser Art. Dr. Michael Dähne, Kurator für Meeressäugetiere im Meeresmuseum in Stralsund, hält es ebenfalls für möglich, dass es sich bei dem Tier um einen Großen Tümmler handelt.

Bevor er nach Kiel kam, hatte der Delfin laut der dänischen Wal-Beobachtungsseite hvaler.dk, die von dem Walforscher Carl Kinze betreut wird, schon eine kleine Reise hinter sich: Seit Mitte Juli war er im Kleinen Belt bei Fredericia, am 6. September wurde er vor Apenrade beobachtet, am 7. September bei der Insel Ærø. Bei Fredericia wurde der Delfin außerdem dabei gefilmt, wie er einen Schweinswal getötet hat. Kein ungewöhnliches Verhalten, wie Michael Dähne betont.

„Selfie“ und „Delfie“ wiederum befinden sich laut hvaler.dk mittlerweile an der Brücke über dem Großen Belt und scheinen sich dort wohlzufühlen.

Warum sollten Schwimmer vorsichtig im Umgang mit dem Delfin sein?

Delfine sind Wildtiere - und damit „Raubtiere, die darauf angepasst sind, Beute zu jagen“, betont Dähne. Das zeigt auch die Attacke auf den Schweinswal bei Dänemark. Dähne warnt deshalb: „Es ist keine gute Idee, die Tiere über die Maße zu strapazieren.“ Vermutlich wiege der Delfin mehrere Hundert Kilogramm, und er kann sich im Wasser wesentlich schneller bewegen als die Menschen. Kommen zu viele Schnorchler und Schwimmer auf ihn zu, könnte er sich bedrängt fühlen. Darauf wies auch die Wasserschutzpolizei am Sonntagabend hin.

Was kann passieren, wenn sich das Tier bedrängt fühlt?

„Wenn das Tier in eine solche Situation kommt, reagiert es nicht so, wie es das normalerweise tun würde“, sagt Dähne. Ob er dann auch Menschen angreifen würde, könne man nicht sagen. Da die Tiere aber enorme Kräfte haben, sei Vorsicht geboten. „Schnorcheln sollte man lieber nicht, und den Delfin stattdessen vom Ufer aus beobachten“, sagt er. Auch Rüdiger Bock hält es für besser, das Tier nicht zu bedrängen. „Wir sollten uns einfach so über dieses wahnsinnige Glück freuen, dass der Delfin überhaupt zu uns gekommen ist“, meint er.

Trotz aller Gefahren versuchten Schwimmer am Wochenende, das Tier zu filmen - wie dieses Video zeigt:

An der Schleuse ist es für das Tier gefährlich - wie geht es für den Delfin weiter?

Nicht nur für Menschen könnte es zu einer gefährlichen Situation kommen - wenn der Delfin an der Schleuse schwimmt, können auch Schiffsschrauben für das Tier zur Gefahr werden. Doch den Delfin herauszulocken oder gar einzufangen, sei nicht geplant. „Er ist ja in der freien Natur“, sagt Matthias Arends von der Polizei in Kiel. Und Schleusenwärter Rüdiger Bock sagt: „Wir können nur hoffen und beten, dass er nicht zu dicht an die Schleuse heranschwimmt.“

Könnte der Delfin noch länger bleiben?

Weil er dort wohl genügend Nahrung finde, könnte es sein, dass der Delfin erst einmal in der Ostsee bleibt, auch über den Winter. Allzu große Sorgen müsse man sich um das Tier nicht machen, sagt Michael Dähne. Laut dem Meeressäuger-Experten könnte das Tier auch den Nord-Ostsee-Kanal durchschwimmen und in der Nordsee überleben. Den Schiffsverkehr im Kanal könne er umschwimmen.

Schon am Freitag war das Tier zum ersten Mal in der Förde gesichtet worden: An einer Kai-Mauer in Kiel-Wik gelang es einer Passantin, den Delfin im Video festzuhalten.

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erstellt am 12.Sep.2016 | 18:29 Uhr

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