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09. Dezember 2016 | 16:28 Uhr

Rio de Janeiro 2016 : 1,5 Millionen verkaufte Tickets: Paralympics trotzen bösen Prognosen

vom

Die Paralympischen Sommerspiele drohten im organisatorischen Fiasko zu enden. Am Tag der Eröffnungsfeier spielen mangelndes Zuschauerinteresse und finanzielle Engpässe jedoch keine Rolle mehr.

RIO DE JANEIRO | Kurz vor Beginn der Paralympics in Rio de Janeiro stoßen die Weltspiele der Behindertensportler nach Anlaufschwierigkeiten doch noch auf steigendes Zuschauerinteresse. Für die bis zum 18. September laufenden Sommerspiele waren am Sonntag 1,5 Millionen Tickets von den 2,5 Millionen zur Verfügung stehenden Eintrittskarten verkauft. So seien bereits einige Finals bereits komplett ausverkauft, teilte das Organisationskomitee mit, ohne Details zu nennen.

Während die Paralympischen Sommerspiele 2012 in London mit mehr als 2,7 Millionen verkauften Tickets als die Erfolgreichsten in die Geschichte eingegangen sind, steht die 15. Auflage der Paralympics in Rio de Janeiro unter besonderer Beobachtung. Wie schon die Olympischen Spiele müssen auch die Spiele für Menschen mit Behinderung Abstriche bei der Organisation machen. Neben infrastrukturellen Problemen und finanziellen Engpässen fehlt es in Brasilien auch an behindertengerechten Sporteinrichtungen.

„Wir haben einen wichtigen Wandel festgestellt. Nachdem wir anfangs nur ein wenig Rückenwind von den Olympischen Spielen hatten und die Leute nur einfach so Zugang zum Paralympics Park in Barra haben wollten, kommen jetzt immer mehr Menschen, die bestimmte Athleten und Zweikämpfe sehen wollen“, sagte Mario Andrada, Sprecher des Organisationskomitees.

Noch zwei Wochen zuvor waren Paralympics vor leeren Rängen befürchtet worden. Zu diesem Zeitpunkt waren gerade einmal 300.000 Tickets verkauft gewesen. Vor Wochenfrist war dann die Marke von einer Million verkaufter Eintrittskarten geknackt worden.

Zuvor hatte bereits Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), die Organisation gelobt. Befürchtungen über ein Chaos hätten sich bislang nicht bestätigt. „Es gibt keine Probleme, zu den Trainings- oder Wettkampfstätten zu gelangen. Unsere Athleten können sich ganz auf ihr Training und ihre Form konzentrieren“, sagte Beucher. „Wir waren auf riesige Herausforderungen eingestellt. Aber bislang ist kaum eine dieser Befürchtungen eingetreten.“

„Noch nie in der Geschichte der Paralympics haben wir so schwierige Bedingungen erlebt.“

Vor allem wegen der Umstände im Vorfeld der Spiele standen und stehen die Paralympics mehr im Fokus als bei den 14 Auflagen zuvor. Insbesondere der Ausschluss Russlands durch das Internationale Paralympischen Komitee (IPC) als Konsequenz des staatlich geleiteten Doping-Systems hatte für Aufsehen gesorgt. „Das IPC tat gut daran, ein deutliches Zeichen zu setzen. Der internationale Sport ist argen Bedrohungen ausgesetzt“, sagte der deutsche Chef de Mission, Karl Quade. Er sehe für den Behindertsport die Chance, „dass die Öffentlichkeit oder die Zuschauer dem paralympischen Sport noch Werte zuordnen, die vielleicht anderswo im Sport nicht mehr vorhanden sind“.

Dass die Paralympics in Rio de Janeiro trotz der weiter vorhandenen Sparzwänge unter anderem beim Transportsystem und Serviceleistungen weitgehend reibungslos starten, hängt mit der Freigabe zuvor gesperrter Gelder zusammen. Im gemeinsamen Etat für Olympische und Paralympische Spiele hatte eine so riesige Lücke geklafft, dass IPC-Präsident Sir Philip Craven die Lage als „prekär“ bezeichnet hatte. „Noch nie in der 56-jährigen Geschichte der Paralympische Spiele haben wir so schwierige Rahmenbedingungen erlebt wie hier“, hatte er erklärt.

Doch die Staatsregierung in Brasilia und die Stadt Rio haben doch noch die angekündigten 250 Millionen Reals (68 Millionen Euro) wenigstens teilweise locker gemacht, so dass Beucher beteuert: „Keine einzige Mannschaft muss wegen fehlender Zuschüsse zu Hause bleiben“.

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erstellt am 07.Sep.2016 | 14:04 Uhr

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