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25. Oktober 2014 | 21:38 Uhr

Hamburg : Kaufleute retten Kultkneipe "Silbersack"

vom

Seit dem Tod der Kiezlegende Erna Thomsen war die Kneipe "Zum Silbersack" zu. Jetzt hat eine Gruppe Hamburger Kaufleute die Gaststätte übernommen. Am Donnerstag gehts weiter: Prost, Silbersack!

Hamburg | Die Kultkneipe "Zum Silbersack" auf dem Hamburger Kiez ist gerettet. Die schnörkellose Gaststätte nahe der Reeperbahn ist von diesem Donnerstagabend an wieder geöffnet, wie der Chef des Bezirksamts Mitte, Andy Grote (SPD), am Dienstag ankündigte. "Der Silbersack bleibt unverändert, so wie er 63 Jahre betrieben wurde, erhalten." Das Lokal sei schließlich "ein Stück Identität, ein Stück Seele" von St. Pauli.
Nach dem Tod der legendären Wirtin Erna Thomsen hatte die Kneipe zunächst rund zwei Monate lang dicht gemacht. Eine Gruppe von 20 Hamburger Kaufleuten, die Gesellschaft "Freunde des Silbersack GmbH & Co KG", hat die Kneipe nun übernommen. Am Dienstag wurde der Kaufvertrag notariell beurkundet, hieß es beim Bezirksamt. "In ihrer Satzung verpflichtet sich die Käufergemeinschaft ausdrücklich zum Erhalt des Silbersacks als ein Stück St. Pauli-typisches Kulturgut."
"Ich möchte hier, wenn ich könnte, sogar in Rente gehen"
Der neue Betreiber Dominik Großefeld hat einen langfristigen Vertrag unterschrieben. Der 27-Jährige, der schon für Erna Thomsen arbeitete, erhielt einen zehnjährigen Pachtvertrag mit Option auf Verlängerung. Auch eine vorläufige Konzession hat er bereits. Erna sei für ihn "als Arbeitgeberin und als Mensch ein Riesen-Vorbild" gewesen, betonte Großefeld. "Sie war für mich eine atemberaubende Frau." Er wolle seine Arbeit in ihrem Interesse fortsetzen - mit der gleichen Mannschaft, den gleichen Öffnungszeiten und den gleichen Preisen. Es solle fast eine "Null-Toleranz-Grenze" gelten: "Es soll alles eins zu eins so weitergehen."
Die Kiezlegende Erna Thomsen war im Mai im Alter von 88 Jahren gestorben. Sie hatte 63 Jahre hinter dem Tresen ihres Lokals gestanden - und unter anderem Hans Albers, Freddy Quinn, Heinz Rühmann und Hildegard Knef bewirtet. Auch ihr Nachfolger Großefeld plant langfristig. "Wenns nach mir geht: Ich möchte hier, wenn ich könnte, sogar in Rente gehen."
"Man freut sich ja nicht über jedes Immobiliengeschäft auf St. Pauli"
Ernas Sohn Gerd Thomsen sagte, er sei glücklich, dass die Investorengruppe den "Silbersack" ganz im Sinne seiner Mutter fortführen wolle: "Das ist wirklich die beste Option - für die Gäste, aber insbesondere auch für die Mitarbeiter."
Aus der zunächst ungewissen Zukunft der Kultkneipe habe sich "eine ganz ungewöhnliche Geschichte" entwickelt, sagte Bezirksamts-Chef Grote. Viele Menschen hätten sich für den Erhalt des Lokals stark gemacht, allein bei einer Facebook-Initiative hätten sich innerhalb weniger Tage rund 1300 Mitglieder angemeldet. In Zeiten rasanter Veränderung auf dem Kiez habe die Investorengruppe ein "sehr ungewöhnliches Immobilien-Investment" gestemmt: "Man freut sich ja nicht über jedes Immobiliengeschäft auf St. Pauli."
"Man muss eine gewisse Tradition wahren"
"Der Silbersack ist ein einzigartiger Ort, ohne den St. Pauli nicht mehr der Stadtteil wäre, dem sich viele so verbunden fühlen", sagte Grote. "Ich denke, es wäre im Sinne von Erna Thomsen, dass der Silbersack weiter bleibt, was er immer war, ein offener Ort für die denkbar unterschiedlichsten Menschen, an dem jeder gleich behandelt wird und viele eine Heimat finden."
Die Idee zum Kauf sei vor vier Wochen entstanden, sagte Andreas Rehberg von den Freunden des Silbersack - standesgemäß bei Bier und Wein. "Uns war einfach wichtig, dass der Silbersack möglichst schnell wieder aufmacht und genau so weiter betrieben wird, wie er immer war. (...) Man muss eine gewisse Tradition wahren."
Zu der Käufergruppe gehören Vertreter aus Gastronomie, Handel und Bauwesen; unter anderem sind Frank Schmidt, Stefan Wulff, Carsten von der Heide und Andreas Fraatz - der Enkel des Kiezkönigs Willi Bartels - dabei.

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von
erstellt am 01.Aug.2012 | 07:40 Uhr

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