Zwischen Kuschelrock und dem Tränental des Blues

06. Februar 2012 | Von Dagmar Leischow

Reibeisenstimme: Chris Rea begeisterte sein Publikum. Foto: Isabel Schiffler

Hamburg. Raue Stimme, Kumpeltyp, zuverlässig: So kennen wir Chris Rea. Auch bei seinem Auftritt im Hamburger CCH macht er wenig Aufhebens um sich. Um Punkt 20 Uhr kommt er in Jeans und T-Shirt auf die Bühne, er schnappt sich seine Gitarre und eröffnet das erste Konzert seiner "Santo Spirito"-Deutschlandtournee mit "Last open Road". Wer bloß alte Kuschelrockhits wie "Julia" kennt, wird vielleicht überrascht sein, dass der Brite auch ein leidenschaftlicher Bluesmusiker ist. Doch dieses Genre hat der 60-Jährige bereits vor zehn Jahren für sich entdeckt. Längst beherrscht er die Kunst des sogenannten Bottleneck-Spiels mit Präzision. Er streift sich ein Glasröhrchen über den Finger, um seinem Instrument quietschende Klänge zu entlocken.

Das Publikum lauscht in diesem Moment beinahe ehrfürchtig, dann gibt es frenetischen Applaus. Aufmerksam folgen die Zuhörer ihrem Idol bei "Easy Rider" oder "Stony Road" durch das Tränental des Blues. Richtig in Fahrt kommen sie allerdings erst, als mit "Josephine" der erste Klassiker auf dem Programm steht. Diese Nummer hat schließlich enormes Mitsumm- und Mitklatsch-Potenzial. "Road to Hell" präsentiert der Musiker dann in einer langen Version. Auf ein reduziertes Intro folgt ein richtiges Gitarreninferno. Das quittieren die Besucher mit Standing Ovations. Diese Begeisterung feuert Rea nebst Band in der Zugabe noch einmal zu Höchstleistungen an. Deswegen hält es bei "On the Beach" keinen aus der Generation 50plus mehr auf seinem Platz. Die Leute eilen in Richtung Bühne, sie tanzen, sind ausgelassen wie Teenager.

Nach gut zwei Stunden verlassen die Menschen derart euphorisiert den Saal, dass sie die Minusgrade im Freien fast vergessen. Ach, diese Reibeisenstimme, die alten Hits, das virtuose Gitarrenspiel bei den bluesigen Titeln - das wärmt einen sogar noch auf dem Nachhauseweg wie eine flauschige Kuscheldecke.


 

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