Krankenkasse versus Kliniken
KOMMENTAR: Zwei Feinde
Wenn am Landessozialgericht über das Universitäts-Klinikum Schleswig-Holstein (UKSH) und die AOK Nordwest gesprochen wird, dann klingt es, als stünden sich zwei Feinde gegenüber: unversöhnlich - ein Verhältnis, geprägt von tiefem Misstrauen.
Offiziell tauschen beiden Parteien freundliche Worte aus. Es gehe ja nicht um vorsätzliche Falschabrechnungen, heißt es bei der AOK. Und überhaupt bestehe ein großes Interesse an gemeinsamen Lösungen. Warum Klinik und Kasse dann allerdings eine vom Landessozialgericht angestrebte Mediation abgelehnt haben, erklären sie nicht.
Man muss fragen, was vorgefallen ist, was das Vertrauen derart zerrüttet hat? Tatsächlich ist die Geschichte, die sich um eine Person in führender Position der Gesundheitskasse in Kiel rankt, längst kein Geheimnis mehr. Herr M. soll, so ist zu hören, bei strittigen Klinik-Rechnungen um Stundung für eine gewisse Zeit gebeten haben, damit gemeinsam nach einer Lösung gesucht werden könne. Die wird nie gefunden, die Sache landet deshalb vor Gericht.
Wenn das wahr sein sollte, lässt es tief blicken. Es mag sein, dass nicht jede Klinik-Abrechnung korrekt ist, und niemand will den Krankenkassen ihr Recht und ihre Pflicht auf Prüfung absprechen - zum Wohle der Gemeinschaft der Versicherten. Doch wenn es hier wirklich darum gehen sollte, Zahlungen gezielt unter dem Deckmantel ihrer vermeintlichen Fehlerhaftigkeit zu verschleppen, um die eigene Bilanz aufzubessern, dann ist das schäbig.
Und gefährlich, denn es ist einfach nicht ethisch. Eine Wirtschaft ohne Verantwortungsethik aber beschwört die Gefahr, sich selbst zu zerstören. Sie zertrümmert Werte leiser und doch radikaler als jede Revolution.
Warten wir also, wie die Kasse sich künftig verhält. Es gibt einen großen Posten, an dem die AOK sich wird messen lassen müssen. Sie hat angekündigt, dem Universitäts-Klinikum die Behandlungskosten für die Ehec-Krise zu bezahlen - noch jedoch hat das UKSH für seine 283 Ehec- und seine 106 HUS-Patienten keinen Cent gesehen - allerdings von keiner Kasse.




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