WIRTSCHAFT
Werften
ThyssenKrupp holt Araber als Partner an Bord
Kiel. 18 Werften gibt es noch an der deutschen Nord- und Ostseeküste. Vielen steht das Wasser bis zum Hals. 2009 konnten die Schiffbauer nicht einen einzigen neuen Auftrag an Land ziehen. Viel schlimmer noch: Aufträge für 60 bereits bestellte Schiffe wurden wegen der weltweiten Wirtschaftskrise storniert. Die Folge: Die Produktion sank um 41 Prozent. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.
Kein Wunder dass sich ThyssenKrupp aus der Werftensparte zurückziehen will. Da kommt das Interesse von Scheich Hamdan bin Sajed al-Nahjan, der in die erste Liga der Schiffbauer aufsteigen will, gerade recht. Sein Konzern Abu Dhabi Mar, der bereits 2009 die Rendsburger Nobiskrug Werft von ThyssenKrupp übernommen hatte, wurde sich in der vergangenen Woche mit den Essener Stahlkochern handelseinig über den Verkauf der Griechischen Hellenic Shipping Yard (HSY). Der Plan, dass Abu Dhabi Mar 75,1 Prozent an HSY erwirbt und ThyssenKrupp die restlichen 24,9 Prozent behält, habe wegen der Sicherung von Arbeitsplätzen volle Rückendeckung, hieß es in einer Mitteilung der Athener Regierung.
Gespräche über Einstieg bei HDW werden konkreter
Auch die seit Monaten mit ThyssenKrupp geführten Gespräche über die Übernahme von Teilen der Kieler HDW-Werft werden jetzt immer konkreter. Die Araber wollen die ehemalige Firma HDW Gaarden, die mittlerweile wieder in die HDW Kiel integriert wurde, samt der 180 Werftarbeiter übernehmen. Offenbar soll der Verkauf noch in diesem Monat unter Dach und Fach gebracht werden, genauso wie die Teilübernahme der ebenfalls zu ThyssenKrupp gehörenden Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss durch Abi Dhabi Mar. Selbst die Verhandlungen der Araber über eine Kooperation mit dem militärischen Bereich des verbleibenden HDW-Torsos in Kiel werden offenbar weitergeführt, heißt es in Schifffahrtskreisen.
Erst vor 14 Tagen war Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) in Begleitung eines Werftenvertreters zu einem Blitzbesuch in den Nahen Osten gereist, um über strategische Partnerschaften mit Scheich Hamdan zu beraten. Diese Visite habe einen weiteren Anstoß für den Einstieg der Araber bei der Kieler Werft gegeben, hieß es am Freitag aus Regierungskreisen. Ohne gesunde Schiffbauindustrie könne eine Exportnation wie Deutschland auf Dauer nicht gesund bleiben, hatte Carstensen zuvor betont. Gehe es nicht allein, müssten starke Partner mit ins Boot.
Investoren wie die Bremerhavener Rönner-Gruppe, die zuletzt ebenfalls Interesse an der Übernahme von HDW gezeigt hatte, sind offenbar nicht die gewünschten "starken Partner".




