Verwilderung
Platz zwei in Den Haag. Stärkste Kraft in der 180 000-Einwohner-Stadt Almere. Geert Wilders’ rechtspopulistische Ein-Mann-"Partei für die Freiheit" (PVV) hat bei den niederländischen Kommunalwahlen ihre Favoritenrolle für die Parlamentswahl am 9. Juni bestätigt. Eine Tatsache, die angesichts der moslemfeindlichen Maßlosigkeiten der PVV durchaus erschreckt. Partei-Gründer Wilders bezeichnet den Islam als "totalitäre Ideologie", den Koran als "muslimische 'Mein Kampf'-Version", und er fordert "Massen-Ausweisungen", um die "Einführung der Scharia in den Niederlanden doch noch abwenden zu können".
Der Umstand, dass extremistische Moslems sowohl den Rechtspopulisten Pim Fortuyn als auch den islamkritischen Filmemacher Theo van Gogh ermordet haben, muss zwar bei allen Versuchen, die Wahl- und Umfrage-Erfolge der PVV zu erklären, Berücksichtigung finden. Dennoch griffe es zu kurz, das Phänomen Wilders als ein rein niederländisches abtun zu wollen. Die Zugewinne ähnlich unappetitlicher Parteien in Schweden, Dänemark, Belgien, Österreich und Großbritannien belegen vielmehr, dass Migration und allzu nachsichtige Integrationspolitik ein gesellschaftliches Unbehagen geschaffen haben, das stärker um sich greift, als so mancher unverdrossene Multi-Kulti-Enthusiast wahrhaben möchte.
Nur sind Pauschalbeleidigungen ganzer Religionsgemeinschaften, die definitiv den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen, mit Sicherheit nicht die Lösung des Problems. Sie schütten im Gegenteil Dialog- und Verhandlungsspielräume zu und treten Grundwerte wie Respekt, Mitmenschlichkeit und Toleranz mit Füßen. Bleibt nur zu hoffen, dass die niederländische Bevölkerung bis zum 9. Juni noch einmal in sich geht und der Verwilderung der politischen Kultur ihres eigentlich welt offenen Landes Einhalt gebietet - indem sie die PVV nicht auch noch auf die Regierungsbänke des nationalen Parlaments wählt.



