Verantwortungsloser Zeuge
Es ist nun fast zehn Jahre her, als Hamburgs damaliger Senatschef Ole von Beust stolz eine Art neue Ära ankündigte: An prominentester Stelle des Hafens sollte ein wahres Wunderwerk errichtet werden - die Elbphilharmonie, ein neues Wahrzeichen für die Stadt. Die für verschwenderischen Umgang mit Geld nicht gerade bekannten Hanseaten spendeten. Viele Millionen in wenigen Tagen. Glänzende Voraussetzungen also für ein Meisterwerk, auf das die Stadt bis heute allerdings vergeblich wartet.
Die fundierte Planung und Kalkulation eines derart monströsen Vorhabens unterblieb, angeblich wegen Zeitdruck. Eine professionelle Vorbereitung hätte erfahrene Bauingenieure und Projekt-Steuerer erfordert, die es bei der Stadt in der erforderlichen Qualität und Anzahl nicht gab. Auch deswegen fehlte bereits zu Beginn jede seriöse Kostenkalkulation. Wenn also regelmäßig über Kosten-"Steigerungen" gestritten wird, bleibt die Frage, woher die absurde Idee kam, man könne aus einem alten Gemäuer im Wasser für unter 100 Million Euro eine der besten Philharmonien der Welt machen. Den traurigen Rest besorgte ein viel zu spätes, bis heute rätselhaftes Projekt-Management, originellerweise angesiedelt in der kleinen Kulturbehörde. Nun wird der verzweifelte Weg gerichtlicher Auseinandersetzung, vor allem der Schuldige gesucht. Nach der Lebenserfahrung die für den Steuerzahler teuerste, unbrauchbarste und sinnloseste Lösung.
Das Projekt ist seinerzeit von der Bürgerschaft einstimmig durchgewunken worden. Dieselbe Bürgerschaft hat dann noch schnell nach Baubeginn einen dritten Konzertsaal in Auftrag gegeben - eine technische und wirtschaftliche Todsünde beim Bauen - versucht aber jetzt in einem Untersuchungsausschuss hinter die ebenso ärgerlichen wie teuren Vorgänge zu kommen. Solche Ausschüsse dienen vor allem dazu, den politischen Gegner vorzuführen, woran auch die Einvernahme des "Zeugen" Ole von Beust keinen Zweifel ließ.
Eine besonders glückliche Figur hat von Beust indes nicht hinterlassen. So sprudelte er wie eh und je bei allen für ihn ungefährlichen Nebenaspekten, während er bei sämtlichen Fragen, die auch nur in die Nähe seiner eigenen Verantwortung und Zuständigkeit hätten geraten können, ein simples Muster bemühte: Er sei für die politische Realisierung verantwortlich gewesen. Diese Verantwortung übernähme er. Ihn träfe aber keinerlei "Schuld". Alles andere hätten Fachleute, tüchtige Beamte und Rat geber erledigt. Das war’s dann auch. Begriffe wie Berichtswesen, Führungsverantwortung und Projektverfolgung, Unterschriften- und Vollmachten-Regelungen wurden gar nicht erst erwähnt. Der Ausschuss hielt es auch nicht für nötig, danach zu fragen. Insofern eine Veranstaltung zum Frösteln.




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