Überkommene Weltsicht
Bloß kein zweites Libyen! Das ist die Hauptsorge, die hinter dem weltweit scharf kritisierten Veto von Moskau und Peking gegen die ohnehin schon weichgespülte Syrien-Resolution der Uno steht. Zur Erinnerung: Der von Russland und China tolerierte Nato-Einsatz zum Schutz der libyschen Bevölkerung hatte voriges Jahr im Endeffekt nicht unwesentlich zum Sturz des Despoten Gaddafi beigetragen. Und eröffnet die Uno auch nur die leiseste Möglichkeit zu einem ähnlichen Eingreifen gegen Assad, dann steht der fleißige Waffenkäufer und letzte treue Verbündete Moskaus in der Region möglicherweise vor dem gleichen Schicksal. Eine verheerende Aussicht für den Kreml - politisch und wirtschaftlich.
Tatsächlich jedoch wird sich diese krude Logik gegen die Blockierer wenden. Im Falle Syrien nämlich gibt es eine seltene Einigkeit zwischen dem Westen und der arabischen Welt. Auch wenn das Vor gehen Assads gegen sein eigenes Volk immer blutigere Ausmaße annimmt: Seine Schreckensherrschaft wird enden - wann immer das sein wird. Und dann ist der Gesichtsverlust der beiden großen Mächte, die so klar aufs falsche Pferd gesetzt haben, bei den Arabern umso größer.
Das Veto zeigt aber auch einmal mehr, wie stark Russland und China noch der längst überkommen geglaubten Weltsicht des Kalten Krieges verhaftet sind. Proteste gegen Wahlmanipulationen in Moskau? Sie lassen Putin kalt. Kanzlerin Merkel will bei ihrem China-Besuch mit Dissidenten reden? Pekings Machthaber bügeln es ab. Das alles sind Verhaltensmuster, die sich seit Jahrzehnten kaum geändert haben - auch wenn die Welt drumherum längst eine andere geworden ist.
Doch die Hauptleidtragenden sind derzeit die Syrer. Und deswegen ist die Weltgemeinschaft weiterhin gefordert, eine Lösung zu finden, die das Morden stoppen kann. Dabei müssen jetzt, wo die Uno weitgehend gelähmt ist, die Länder der Region die Hauptrolle spielen. Denn ein wie auch immer geartetes Eingreifen der arabischen Liga werden weder Moskau noch Peking verhindern können.




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