Typisch Hollywood!

09. März 2010 | Von martin schulte

Wäre diese Oscar-Nacht ein Filmplot, man würde wohl sagen: Typisch Hollywood, viel zu dick aufgetragen! Ein geschiedenes Ehepaar tritt in den Kategorien Bester Film und Beste Regie gegeneinander an, "The Hurt Locker" gegen "Avatar", realitätsnahes Kriegsdrama gegen fantastisches 3-D-Epos, Kathryn Bigelow gegen James Cameron.

Und dann auch noch dieses Finale: Der Underdog "Hurt Locker", der Film mit dem wesentlich kleineren Budget, setzt sich gegen den Giganten "Avatar" durch, immerhin erfolgreichster Film aller Zeiten. Der Erfolg für das Irak-Kriegs-Drama ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Bigelow ist die erste Frau überhaupt, die den Regie-Oscar gewinnt. Dabei ging ihr Film mit einem unschönen Makel in den Wettbewerb, weil einer der Produzenten vorab die Jury gegen den Konkurrenten "Avatar" aufbringen wollte.

Vor allem aber ist der Erfolg von "The Hurt Locker" ein bewusstes Signal für die Filmbranche, deren Geschichten zunehmend in virtuelle Welten mit digital erzeugten Bildern abdriften: Der klassische Film hat einen höheren künstlerischen Wert als die computergenerierten Pixel-Paraden. "Avatar" hat bewiesen, wie unterhaltsam die virtuellen Welten sein können, aber die echten Bilder sind immer noch die besseren.

Cameron wird diese Botschaft - auch wenn sie von der Verflossenen serviert wird - verschmerzen, schließlich spielt sein märchenhaftes Gut-gegen-Böse-Epos gerade Milliarden ein. Bigelows Film dagegen hatte es auf dem europäischen Markt schwer, in Deutschland lösten im vergangenen Jahr nur rund 50 000 Besucher eine Karte für "The Hurt Locker". Auf dem kommerziellen Feld ist Cameron, der selbst ernannte König der Welt, seiner Ex-Frau also um Meilen voraus, hier schlägt Technik die Tradition um Längen.

Das lukrative Zeitalter des 3-D-animierten Computer-Kinos ist nicht mehr aufzuhalten, auch wenn sich in diesem Jahr der klassische Film bei der Oscar-Nacht noch einmal durchgesetzt hat. Typisch Hollywood - diese Worte werden aber wohl bald eine ganz neue Bedeutung bekommen.


 

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