"Theaterwunder im Norden"
Früher war alles besser. Das Theater auch. Vor allem das Landestheater. Jedenfalls wenn man dem früheren Generalintendanten des so arg gebeutelten Hauses glauben darf. Horst Mesalla, der von 1974 bis 2000 die Geschäfte der Bühnen des Nordens mit Bravour und Geschick führte, ist bis heute stolz auf seine Ära und fühlt sich deshalb arg verunglimpft, wenn die Bedeutung und künstlerische Qualität seines Theaters so mies herabgewürdigt wird, wie es kürzlich der kommende Schauspieldirektor Wolfram Apprich tat. Der Berliner hatte sich in unserer Zeitung mit den Worten zitieren lassen, dass es "mit der künstlerischen Qualität zu tun haben muss, wenn ein Theater wie das Landestheater überregional nicht wahrgenommen wird".
Horst Mesalla war gerade im Urlaub, als Apprichs "Überheblichkeit" die öffentliche Debatte um Bedeutung und Qualität des Landestheaters anheizte. In einem Brief an unsere Redaktion nahm der Generalintendant a.D. jetzt aber dazu Stellung. Er, der als "Retter" des Theaters im Norden einst gefeiert wurde, verweist in seinem Schreiben auf all die Schlagzeilen in der überregionalen Presse, die sich sehr wohl anerkennend, ja lobend mit dem Landestheater beschäftigten. Da war vom "kulturellen Glücksgriff" genauso die Rede wie vom "Publikums magnet". Ein Blatt soll sogar das "Theaterwunder im Norden" beschworen haben. So viel zur Wahrnehmung des Landestheaters zu Zeiten Mesallas. Früher war eben alles besser!
Susanne Ebert, die von 2000 bis 2010 Schauspieldirektorin am Landestheater war, erklärte kürzlich bei ihrem Weggang, dass sie nun quasi vor dem Nichts stehe, da niemand außerhalb Schleswig-Holsteins etwas von ihrer Arbeit mitbekommen habe. Ihr klingt zwar noch der Jubel nach gelungenen Premieren in den Ohren, aber genauso der spöttische Satz mancher Kollegen von Außerhalb, die das Ensemble des Landestheaters, als jene bezeichnen, "die über die Dörfer tingeln".
Früher gab es offenbar noch Wunder. Heute müssen andere Mittel helfen. Verklärung ist da genauso wenig hilfreich wie Überheblichkeit. Sicher ist, dass die Theater des Landes vor der schwierigen Herausforderung stehen, sich verändern zu müssen, um überleben zu können. Der Blick zurück bringt nichts - auch wenn früher alles besser war.
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