KULTUR

 

Tango, Jazz und Entdeckungen

19. August 2011 | Von Till H. Lorenz

Grenzgang: Jacques Ammon (l.) und Eckart Runge. Foto: lukas

Altenhof. Einst war er die Musik der Nachtlokale, Clubs und Bordelle Südamerikas: der Tango. Am Mittwoch abend wurden in Altenhof dessen melancholischen, emotionalen Melodien präsentiert - und dies im kunstmusikalischen Gewand. Ursprünglich hätte an diesem Abend das renommierte Artemis-Quartett spielen sollen. Statt seiner präsentierte nun der Gründer des Quartetts, Violoncello Eckart Runge zusammen mit Jacques Ammon am Flügel, eine Mixtur aus Tango, Jazz und klassischer Musik. Im Mittelpunkt standen dabei die beiden Komponisten Astor Piazzolla und Nikolai Kapustin. Während ersterer den Tango mit der klassischen Musik verband, entzieht sich letzterer so ziemlicher jeder Kategorie.

Die Pause zwischen den Werken nutzte Runge, seines Zeichens Professor an der Universität der Künste Berlin, um das Publikum auch mit Erklärungen und Anekdoten durch das reichhaltige Programm zu führen. Er erzählte von Astor Piazzolla, einem der wichtigsten Tango-Komponisten, erläuterte Tango-Stile oder führte anlässlich von Piazzollas "Canto Y Fuga" in die Fugen-Technik ein - jene Musik, bei der einzelne Stimmen versetzt beginnen. "Und wenn alles gut gegangen ist, hören die Musiker am Ende gemeinsam auf", so Runge.

Als wahre Entdeckung des Abends entpuppten sich dabei die Werke von Kapustin. Der im Westen kaum bekannte russische Komponist setzt in Stücken wie "Nearly Waltz" oder "Elegie" auf Spielelemente der Jazz-Musik und verbindet diese in raffinierter Weise mit klassischen Formen. Das wunderbare Spiel des Duos an diesem Abend trug seinen Teil dazu bei, diesen Grenzgang vollends gelingen zu lassen.


 

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