Nord-Ostsee-Kanal
KOMMENTAR: Standortvorteil in Gefahr
Knapp vier Jahre ist es her, da präsentierte der damalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee große Pläne für den Nord-Ostsee-Kanal: Die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt sollte breiter, tiefer und gerader werden. Künftig sollten Schiffe bis 280 statt bisher 230 Meter Länge hindurchfahren können. "Ein klares Zeichen für die deutschen Seehäfen", verkündete SPD-Mann Tiefensee.
Passiert ist seither nicht viel. Tiefensee ging gut ein Jahr später; sein bayerischer Nachfolger Peter Ramsauer ließ zunächst wenig Engagement für den Kanal im hohen Norden erkennen und musste zudem einsehen, dass die Haushaltsmittel seines Ressorts bei weitem nicht für all die schönen Projekt reichen, die im Verkehrswegeplan stehen. Immerhin will er nun den Bau der dringend nötigen fünften Schleuse in Brunsbüttel in Angriff nehmen. Der wird mit 300 Millionen Euro teuer genug. Mehr Geld für den eigentlichen Kanalausbau bis Kiel ist dann erst mal nicht da.
Hamburg verliert
Das ist für Schleswig-Holstein ärgerlich - aber viel mehr noch für Hamburg und seinen Hafen. Denn der droht im Wettbewerb mit den großen Containerumschlagplätzen Rotterdam und Antwerpen einen Standortvorteil zu verlieren. Noch erspart der Nord-Ostsee-Kanal den meisten Verteiler- und Zubringerschiffen zwischen Nord- und Ostsee den 250 Seemeilen langen Umweg um Dänemark herum. Doch die Reeder wollen bald größere Schiff einsetzen - und wenn die ohnehin nicht mehr durch den Kanal passen, könnten sie auf die Idee kommen, die Ladungen gleich von Holland oder Belgien aus zu verteilen.
Meint Ramsauer es daher ernst mit der auch von ihm gern betonten Stärkung der Seehäfen, wird er andere Projekte zugunsten des Kanals zurückstellen müssen. Und er wird seinen Kollegen vor allem in den ost- und süddeutschen Bundesländern erklären müssen, warum die Exportnation Deutschland künftig mehr Geld in die norddeutschen Länder mit ihren Häfen stecken sollte.




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