Stabile Preise wären eine Wiedergutmachung

29. Juli 2010 | Von Brigitte Scholtes


Zurück auf Wachstumskurs: Die Deutsche Bahn hat im ersten Halbjahr 2010 wieder deutlich mehr Gewinn eingefahren - aber gleichzeitig auch Tausende Kunden verärgert. Foto: ddp

Man darf Bahnchef Rüdiger Grube abnehmen, dass er sich über die satirische "Auszeichnung" mit dem goldenen Handtuch für die "beste Saunaidee des Jahres" nicht freuen konnte. Grube bemüht sich seit seinem Amtsantritt, die Bahn wieder zu einem sympathischeren Unternehmen zu machen. Leider sind die Voraussetzungen dafür bei einem so großen Verkehrs konzern denkbar schwierig. Zu viele alte Fehler gilt es da zu beseitigen, und wenn sich aus den alten Fehlern neue Pannen ergeben, dann behindert das doppelt.

Die wesentliche Fehlentwicklung des Konzerns war die Vorgabe, an die Börse zu gehen. Aufgehoben ist dieser Plan noch nicht. Aber der Ausfall der Klimaanlagen in den ICEs im heißen Juli oder die Pannen im Winter, als zu viel Eis die Bahn lahm gelegt hatte, sind darauf zurückzuführen, dass zu lange nur auf Gewinnsteigerung und Kosteneinsparung geachtet wurde und zu wenig auf das Kerngeschäft in Deutschland. Denn in solch extremen Witterungsszenarien zeigt sich, dass die Bahn hart am Rande der Kapazität fährt. Sie hat in die moderne Aufrüstung ihrer Züge kaum investiert, und sie verfügt über zu wenige Reserven.

Inzwischen ist die Bahn wieder auf Gewinnkurs, hat sich das Betriebsergebnis gegenüber dem Vorjahr um gut ein Viertel auf knapp 850 Millionen Euro erhöht. Die Konjunktur zieht wieder an, mehr Güter wollen auf Schienen an ihr Ziel transportiert werden. Da sollte es möglich sein, dass die Bahn ihr Kapital nicht in den Ausbau im Ausland steckt, sondern in das heimische Schienensystem. Es wird spannend zu sehen, wie groß angelegt die angekündigte "Qualitätsoffensive" der Bahn werden wird. Ob sie es tatsächlich schafft, mehr in die technische Ausstattung zu investieren und zuverlässiger zu werden. Nach den Pannen der vergangenen Monate sollte sie aber auf eines in diesem Jahr verzichten: Auf die alljährliche Preiserhöhung. Stabile Preise wären die einfachste Form der Wiedergutmachung an den Passagieren für die erlittenen Widrigkeiten.

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