Rentenideologen

22. Februar 2012 | Von Helge Matthiesen

Die Debatte um die Rente mit 67 gewinnt immer mehr ideologische Züge. Ministerin von der Leyen präsentiert Zahlen, die zu belegen scheinen, dass immer mehr Menschen älteren Semesters auch einen Job haben. Ihre Botschaft ist klar: Rente mit 67 ist kein Problem, weil auch Ältere noch eine Möglichkeit finden, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht das freilich ganz anders und hält mit eigenen Zahlen dagegen. Auch hier gibt die gewünschte Botschaft die Auswahl der Fakten vor: Rente mit 67 nur dann, wenn möglichst viele Menschen auch jenseits der 60 Vollzeit und sozialversichert tätig sind. Angebote dieser Art gibt es immer noch zu wenig.

Die harten Fakten liefert indes die Demografie. Und die besagt, dass in Zukunft immer mehr Junge immer mehr Alte finanzieren müssen. Will man die Jungen nicht über Gebühr belasten, dann müssen die Alten der kommenden Jahre stärker für sich selbst sorgen. Sei es durch private Vorsorge schon heute; sei es durch eine längere Lebensarbeitszeit. Die Demografie macht auch klar, dass es in 20 Jahren deutlich weniger Arbeitnehmer geben wird als heute. Was bringt es, mit den Zahlen von heute über die Probleme von morgen zu streiten?

Gefragt sind differenzierte und intelligente Lösungen. Wer schwer körperlich arbeitet, sollte gut versorgt früher aus dem Job aussteigen dürfen. Für viele andere stellt sich die Frage, ob eine starre Altersgrenze überhaupt nötig ist. Vielleicht sollte jeder solange arbeiten dürfen, wie er kann und mag.

Das Problem der älter werdenden Gesellschaft kommt auf uns zu. Die Rentenideologen sollten endlich anfangen, nach praktischen Lösungen zu suchen.


 

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