Realisten
Der amerikanische Präsident Barack Obama hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nach Washington bestellt, um den Beginn neuer Friedensverhandlungen zu feiern. Wie eine Kindergärtnerin, die zwei zankende Zöglinge dazu verdonnert, sich zu versöhnen und wieder miteinander zu spielen - so eine zynische Kommentatorin in Jerusalem. Glaubt man den Worten Obamas, der EU-Außenpolitiker, des Nahost-Quartetts, ja selbst Netanjahus, dann kann spätestens in einem Jahr der ersehnte Friedensschluss erfolgen. Unverbesserliche Optimisten? Jein.
Obama macht in Optimismus im Hinblick auf die schicksalhaften Kongresswahlen im November, für die er eine außenpolitische Steilvorlage dringend braucht. Die Europäer versuchen wohl mehr sich selbst zu überzeugen, dass ein Ausweg aus der nahöstlichen Sackgasse jetzt gefunden worden sei. Und Netanjahu kann es sich ganz einfach nicht leisten, als Friedensverhinderer zu gelten. Doch der israelische Regierungschef glaubt so wenig wie Abbas an eine echte Erfolgschance der Verhandlungen. Eröffnungszeremonie, erste Treffen und Schluss. So sehen es beide. Und sie sind keineswegs Pessimisten, sondern nahöstliche Realisten. 16 Jahre Verhandlungen haben nichts gebracht. Warum soll der Frieden jetzt schnell ausgehandelt werden können?



