Rattenfänger

30. August 2010 | Von Thomas J. Spang

Wer dachte, mit George W. Bush sei ein intellektueller Tiefpunkt in der US-Politik erreicht worden, wird durch seine Erben auf der republikanischen Rechten eines Besseren belehrt. Fakten und Fiktion gehen bei Sarah Palin und Co gründlich durcheinander. Ein krudes Gemisch aus Halbwahrheiten, Verschwörungstheorien und Geschichtsklitterung. Besonders dreist kommt der Anspruch des Rechtsaußen Glenn Beck daher, der wahre Erbe Martin Luther Kings zu sein. Der ermordete Friedensnobelpreisträger muss sich im Grabe umdrehen, wenn die Versammlung mehrerer Zehntausend weißer "Tea Party"-Aktivisten die Erfüllung seines Traums sein soll.

Bei dem zum Mormonentum konvertierten Beck hat das Methode. Er fantasiert seine Wirklichkeit zusammen, wie Orson Welles, dessen Bücher er als Junge verschlang. Rattenfängern wie ihm fällt das Verdienst zu, Präsident Barack Obama in absurder Weise zu denunzieren. Aus dem Moderaten wird ein radikaler Sozialist. Aus dem besonnen Brückenbauer ein Rassist. Gnade Gott den Vereinigten Staaten, wenn diese selbstgerechten Apostel amerikanischer Auserwähltheit an die Macht kommen. Die Freunde der USA wünschten sich Bush dann als Erlösung zurück.

Für ernste Besorgnis gibt es jedoch keinen Grund, wie ein Blick in die blütenweiße Menge schnell zeigt. Beck und Palin können mit ihren Parolen zwar die rechte Basis der Republikaner mobilisieren, schrecken aber Latinos, Schwarze und asiatisch stämmige Amerikaner ab.

Tatsächlich ist die "Tea Party"-Bewegung, die Beck und Palin bedienen, das Beste, was den Demokraten in diesem schwierigen Wahljahr passieren kann. Gelten deren Kandidaten doch als zu radikal, um als echte Alternativen in Frage zu kommen. Zudem besteht nicht einmal im eigenen Lager Einigkeit. Die libertären Elemente können mit den "Gott- und Vaterland"-Truppen Becks nicht viel anfangen.


 

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